Chefarzt Dr. Meinerz am Paderborner St.-Vincenz-Krankenhaus verabschiedet
»Visionär der Frauenmedizin«

Paderborn (WB). 10.286 Tage leitete Dr. Wolfgang Meinerz die Frauenklinik. In dieser Zeit gab es dort 65.797 Geburten. Jetzt ist er nach 28 Jahren als Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Frauen- und Kinderklinik St. Louise in den Ruhestand verabschiedet worden. Sein Nachfolger, Professor Dr. Michael Patrick Lux, ist bereits im Dienst.

Donnerstag, 04.04.2019, 10:00 Uhr
Verabschiedung: (von links) Landrat Manfred Müller, Schwester Katharina M. Mock (Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul), Renate Moritz und Dr. Wolfgang Meinerz (ehemaliger Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe), Dr. Josef Düllings, Schwester Bernadette M. Putz und Jürgen Thau (Geschäftsführung). Foto: Kronsbein

Hauptgeschäftsführer Dr. Josef Düllings bezeichnete Meinerz als »praktischen Visionär der Frauenmedizin«, der mit seiner Klinik eine »fabelhafte Erfolgsgeschichte für die Region Paderborn und für die Frauen in der Region« geschrieben habe. Sein besonderes Augenmerk habe der Versorgung von Frauen mit einer Krebserkrankung gegolten.

Eine moderne und wissenschaftlich fundierte Versorgung seiner Patientinnen habe für Meinerz immer höchste Priorität gehabt, lobte der Geschäftsführer. So habe er mit seinem Team bereits deutlich früher als gesetzlich vorgeschrieben die Mindestzahl an Erstoperationen bei Brustkrebs erreicht, stets mit Fokus auf eine brusterhaltende Therapie. 2006 erfolgte unter anderem unter Meinerz Federführung die Bildung des zertifizierten Kooperativen Brustzentrums Paderborn. Auch habe der Mediziner die Zertifizierung zum Gynäkologischen Krebszentrum im Jahr 2010 vorangetrieben.

Die Sprache der Patienten gesprochen

Auch geburtshilflich habe sich die Klinik unter seiner Führung weiter entwickelt. »Eine extrem niedrige Kaiserschnittrate und eine natürliche Geburt auch unter schwierigen Voraussetzungen sind bis heute Qualitätsmerkmale der Abteilung, die zu den größten Geburtshilfen in NRW und den Top 20 bundesweit gehört«, sagte Düllings.

Der Ausbau zu einem überregionalen Kompetenzzentrum sei nur mit Teamgeist, Energie und Freude an der Arbeit sowie einem ganz besonderen Zugang zu den Patientinnen zu leisten, bescheinigte Landrat Manfred Müller in seinem Grußwort. Meinerz, das habe er oft gehört, hätte es stets verstanden, die Sprache der Patientinnen zu sprechen.

Chefarzt Dr. Wolfgang Krings (Radiologie) hielt als längster Wegbegleiter unter den Chefärzten die Laudatio auf Meinerz. Als herausragendes Qualitätsmerkmal bescheinigte er seinem Kollegen eine außerordentliche Zuverlässigkeit.

Zudem habe das Motto »Geht nicht, gibt’s nicht« zu Meinerz festen Prinzipien gehört. Durch Meinerz sei 1991 eine neue Ära angebrochen: »Weg von der eminenzbasierten, hin zur evidenzbasierten Medizin«, erinnerte sich Dr. Horst Leber, ehemaliger Chefarzt am Brüderkrankenhaus St. Josef, langjähriger Wegbegleiter und Freund.

Stets ein Teamplayer

Meinerz sei stets ein Teamplayer gewesen. Ein kontinuierlicher Wissenstransfer sowie die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter hätten für ihn höchste Priorität gehabt. »Jeder muss ersetzbar sein, selbst der Chefarzt«, betonte er regelmäßig.

Auch eine enge Zusammenarbeit mit den benachbarten Fachdisziplinen und der Pflege waren für Meinerz unverzichtbar. Interdisziplinarität habe er selbst intensiv gelernt und stets gelehrt, betonte er.

Doch auch ethische Fragestellungen hatten in seiner Klinik einen hohen Stellenwert, insbesondere in der Perinatalmedizin und bei der Versorgung kleinster Frühgeborener. Hier habe er viele wichtige Diskussionen mit den General- und Hausoberinnen der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul geführt, die für ihn stets wichtige Ansprechpartnerinnen gewesen seien: Sr. M. Caecilie Müller, Sr. M. Mediatrix Altefrohne und Sr. M. Katharina Mock, die den Gedanken vieler Gäste zum Ausdruck brachte: »Wir alle blicken mit Respekt und Anerkennung auf Ihre außerordentliche Karriere.«

Meinerz selbst wandte sich abschließend noch mit einem besonderen Dank an seine langjährige Sekretärin Cordula Block, die ihn vom ersten bis zum letzten Tag seiner Dienstzeit begleitete. »An dem, was die Klinik heute darstellt, hat sie maßgeblich Anteil«, betonte der scheidende Chefarzt. Er schloss seinen Rückblick voller Vertrauen: »Der Abgang fällt mir wirklich leicht. Mein Nachfolger ist mein absoluter Wunschkandidat, menschlich und medizinisch ein toller Mann.« Er wisse seine Klinik in den allerbesten Händen.

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