Comedian Olaf Schubert präsentiert nur scheinbar harmlose Geschichten
Pointen mit bitterbösem Hintersinn

Paderborn (WB). Was darf man von einem Bühnenprogramm erwarten, das von einem merkwürdig gekleideten, umständlich formulierenden Strubbelkopf unter dem sinnfreiem Titel »Sexy For Ever« präsentiert wird? Auf jeden Fall eine Menge Spaß.

Donnerstag, 04.04.2019, 10:31 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 10:40 Uhr
Olaf Schubert gibt sich in seinem aktuellen Bühnenprogramm »sexy for ever«. Foto: Stienecke

Olaf Schubert hat auch in Paderborn, das er meist auf der ersten Silbe ausspricht, eine große Fangemeinde. Die Paderhalle jedenfalls ist mit 850 Besuchern am 2. April rappelvoll, wobei die Begeisterung für den sächselnden Welterklärer im Strickpullunder quer durch alle Altersschichten geht. Auf sein Gastspiel an der Pader hat sich der Dresdner Comedian gewissenhaft vorbereitet. Er weiß nicht nur, dass der SC Paderborn zur selben Zeit gegen den HSV um den Einzug ins Pokal-Halbfinale kickt, sondern auch um den Wasserreichtum der Stadt. Da sei es kein Wunder, wenn man das Spiel verliere. »Bei euch geht doch alles den Bach runter.« Heiterkeit im Publikum.

»Der Schleier wäre eine gute Lösung«

Nach der Aufwärmphase wolle er sich aber »den großen Themen der Zeit« stellen, verspricht der 51-Jährige. Der Benachteiligung der Frauen im Berufsleben zum Beispiel. »Ein Zimmermann verdient bei uns doppelt so viel wie eine Zimmerfrau«, zündet Schubert die nächste Lachsalve. Da sehe es in anderen Ländern doch viel besser aus. Während hierzulande die Kinder in Kitas und Grundschulen verhätschelt würden, säßen sie in Bangladesch fleißig an der Nähmaschine. Allerdings müssten die sich »ein bisschen mehr Mühe geben«. Die von ihnen gefertigten Jeanshosen seien zwar günstig, hätten aber doch erhebliche Qualitätsmängel. Zustimmendes Gelächter im Saal.

Olaf Schubert, mit bürgerlichem Namen Michael Haubold, schert sich nicht um politische Rücksichtnahme. Er redet, wie ihm das Lästermaul gewachsen ist. Es heiße doch immer, die Flüchtlinge nähmen den deutschen Männern die Frauen weg, sinniert er. Er selbst habe aber vergeblich darauf gehofft, endlich seine Freundin Carola loszuwerden. Ein Kopftuchverbot, wie von Neurechten gefordert, komme für ihn aber nicht in Frage. »Ich kenne etliche Pegida-Sympathisantinnen. Da wäre der Schleier eine gute Lösung.« Zum Brüllen komisch.

Schlagfertig auch am Drumset

Zuschauer der ZDF-»heute-Show« wissen: Schuberts harmlos klingenden Pointen sind meist doppelsinnig und oft böse. Die gut gemeinten Bemühungen mancher Zeitgenossen bei ihren Integrationsbemühungen kommentiert er versteckt sarkastisch: »Beim Klavierunterricht können die Flüchtlingskinder die ersten Anschläge üben.« In der Paderhalle bleibt aber auch hier niemandem der Lacher im Halse stecken.

Die Wirkung eines Hybridmotors bringt der Autofachmann wortreich auf die simple Formel: »Je mehr ich bremse, desto weiter kann ich fahren.« Doch auch der schönste Abend neigt sich mal dem Ende zu. Nachdem Schubert und seine beiden Bühnenmusiker »Herr Stephan« und Jochen Barkas bei immer wieder eingestreuten Blödelliedern kultivierten Dilettantismus bewiesen haben, setzt sich Schubert bei der Zugabe unter dem Jubel des Publikums selbst ans Schlagzeug. Als Drummer ist er mindestens ebenso gut wie als Geschichtenerzähler.

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