Objekte von Friederike Klotz im Paderborner Kunstverein
Großstadt unter dem Brennglas

Paderborn (WB). Von außen auf das Getriebe der Großstadt blicken – diese reizvolle Perspektive können Besucher des Paderborner Kunstvereins jetzt einnehmen.

Dienstag, 02.04.2019, 09:33 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 09:40 Uhr
Miniatur-Großstadt unter Plexiglaskuppel – Objekt der Künstlerin Friederike Klotz. Foto: Stienecke

Wie durch ein Brennglas hindurch zeigt die Berliner Künstlerin Friederike Klotz in ihrer Ausstellung, die am Freitag, 5. April, eröffnet wird, Hochhäuser und Menschenmengen, die sich scheinbar ziellos durch den Großstadtdschungel treiben lassen. »Mich interessiert, was Massen bewegt. Ich beschäftige mich mit der Utopie einer dystopischen Stadt«, sagt die 53-jährige.

Beim Aufbau ihrer Paderborner Ausstellung beschränkt sich Friederike Klotz auf wenige Arbeiten. Einen Teil der ohnehin nur kleinen Galerie an der Westernstraße 7 wird sie ganz abhängen – um die Besucher mit einer besonderen Perspektive zu überraschen: Sie können durch ein winziges Guckloch in einen scheinbar unendlichen Raum hinein blicken, in dem eine unübersehbare Menschenmenge durcheinander wuselt.

Figürchen vor Wolkenkratzer-Kulisse

Nach dem Vorbild der Camera Obscura präsentiert die Künstlerin dem Betrachter eine geschäftige Welt im Kleinen. Die kaum zentimetergroßen Figürchen, die sich in dem Spiegelraum kaleidoskopartig vermehren, bewegen sich wie von Geisterhand hin und her – gesteuert von einem unter dem Boden unsichtbar rotierenden Magneten. Es scheint, als blicke man zum Beispiel auf einen riesigen Platz vor einer Wolkenkratzer-Kulisse.

»Diese Arbeit habe ich speziell für die Ausstellung in Paderborn angefertigt«, erläutert die freischaffende Künstlerin, die an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert hat. »Die Idee dazu hatte ich schon lange im Kopf, aber jetzt erst bin ich dazu gekommen, sie umzusetzen.«

Eigentlicher Blickfang des Ausstellungsraums aber ist eine Prismenwand mit zwölf Vergrößerungslinsen, durch die der je nach Standort verzerrte oder sich weitende Blick auf eine wabernde Stadtlandschaft möglich wird. Friederike Klotz hat eine Miniaturstadt auf Gazestoff gemalt, der hinter den Prismen so aufgehängt worden ist, dass er sich von einem kleinen Ventilator in einen ständig wechselnden Schwebezustand versetzen lässt. Man findet einfach keinen Fixpunkt. Die Großstadt ist ständig in Bewegung. In diesem flüchtigen urbanen System ist man der kompletten Orientierungslosigkeit überlassen.

Blick durch die Lupe auf die Stadt

Da fühlt man sich auf der Galerie des Kunstvereins schon sicherer. Hier blickt man von oben in eine Plexiglaskuppel auf ein kleines Großstadtmodell, das in den Kunststoff quasi »eingeeist« ist. Auch hier wachsen einzelne Gebäude je nach Perspektive wie durch die Lupe betrachtet vergrößert empor.

Die Struktur der gläsernen Linsen, die Friederike Klotz für ihre große Arbeit im Erdgeschoss eingesetzt hat, bildet sich auf einigen grafischen Arbeiten ab: eng nebeneinander angeordnete konzentrische Kreise, die den Blick ins Zentrum, eine scheinbar unendliche Tiefe, lenken.

Zur Eröffnung am Freitag, 5. April, um 19 Uhr spricht Sepp Hiekisch-Picard vom Kunstmuseum Bochum. Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 5. Mai.

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