Husemanns Revue durch die Geschichte des volkstümlichen Figurentheaters
Drollige Typen auf der Puppenbühne

Paderborn (WB). Mehr als 30 Stücke hat der Paderborner Puppenspieler Robert Husemann (59) im Repertoire. Klar, dass er dafür eine stattliche Anzahl an Handpuppen, Marionetten und Stabfiguren benötigt.

Dienstag, 02.04.2019, 10:34 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 10:50 Uhr
Robert Husemann (rechts) und Tim Gockeln mit Muppets-Figuren. Foto: Stienecke

Viele von ihnen durften am Sonntagabend auf die kleine Kasperbühne in der Kulturwerkstatt, auf der »Die Revolte der drolligen Typen« ihre Premiere und für länger wohl auch die einzige Aufführung erlebte.

Gemeinsam mit Nachwuchsspieler Tim Gockeln (24) zeigte Husemann als Beitrag zu den Paderborner Puppenspielwochen eine Revue über die Geschichte des Handpuppenspiels mit dem Schwerpunkt auf der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Jahre. Der Einstieg in die historische Vorgeschichte geriet dabei etwas hölzern und erinnerte mehr an einen Volkshochschulkursus als an einen Theaterabend, zumal die nachgespielten historischen Kasperstückchen eher billiges Jahrmarktniveau hatten.

Puppen-Salto auf dem Trampolin

Dem vermochte auch die intendierte Volkstümlichkeit nicht aufzuhelfen, wenn der Schelm mit der Zipfelmütze im Hamburger, Berliner oder sächsischen Tonfall seine Schlagfertigkeit bewies. Mit improvisiertem Revolutionsgetöse war man schließlich am Ende der Kaiserzeit angelangt, und das Publikum durfte in die Sozialistenhymne »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit« einstimmen. Nach einer urkomischen Tango-Version, die Husemann mit der »Kulturratte« zum Ohrwurm »Ich küsse Ihre Hand, Madam« tanzte, bat der kleine und splitternackte Varieté- Nummernboy zur Pause.

Danach ging’s wohltuend flotter weiter. Nun zeigten die Paderborner Puppenspiele die ganze Vielfalt des Figurenspiels. Artistisch bewegte sich die Clown-Marionette auf dem Trampolin und wagte sogar einen Salto, ohne dass sich die Fäden verhedderten.

Zu den Höhepunkten gehörte der Auftritt der beiden Originalfiguren des Prager Marionettentheaters Spejbl und Hurvinek. Großartig, wie Vater und Sohn über ihren Alltag philosophierten und sich dabei ein Sprachwitz-Duell auf Augenhöhe lieferten. Für die Verleumdungs-Arie des Basilio aus der Oper »Der Barbier von Sevilla« lieh sich Spejbl dann Husemanns ausgebildete Stimme.

Couplets zu Drehorgelmusik

Was folgte, waren die Schlager »Lieber Leierkastenmann« und »Rosamunde« sowie der »Mackie-Messer-Song« aus der »Dreigroschenoper«, die der Bühnenchef zu von einer kleinen Marionette virtuell erzeugter Drehorgelmusik interpretierte. Zum staunenswerten Schluss bediente Husemann gleichzeitig die singende »Kulturratte« mit der einen und einen Klavier spielenden Clown mit der anderen Hand, während er dazu das Couplet von den »Regentropfen, die ans Fenster klopfen« sang.

Als Zugabe beendete ein witziges Duett zweier trällernder Muppets-Figuren den mit zwei Stunden Spieldauer üppig bemessenen Puppenabend, dem Kürzungen vor allem im zähen ersten Teil nicht geschadet hätten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6512390?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Stornierte Klassenfahrten: NRW zahlt mehr als 25 Millionen
Symbolbild. Foto: Tom Mihalek/dpa
Nachrichten-Ticker