Anwohner wünscht sich weitere Ampel an der Neuhäuser Straße in Paderborn
»Tempo 30 reicht nicht aus«

Paderborn (WB). Zwei Schilder auf einem 70 Meter langen Straßenabschnitt sorgen für rege Diskussion. Vor dem Altenheim hat die Stadt an der Neuhäuser Straße eine Tempo-30-Zone ausgewiesen , um die Senioren, die auf dem Weg zum gegenüberliegenden Lidl-Markt die Straße überqueren, besser zu schützen.

Dienstag, 19.03.2019, 00:05 Uhr aktualisiert: 19.03.2019, 10:16 Uhr
Rechts ist der Lidl, links ein wachsendes Wohngebiet und hinter den schwarz-weißen Häuser das Altenheim: »Wenn es keine Unfälle mehr geben soll, brauchen wir eine Ampel für Fußgänger«, ist Anwohner Sami Isatar überzeugt. Foto: Jörn Hannemann

»Das reicht aber nicht«, sagt Anwohner Sami Isatar. Er lebt seit 2005 im Wohngebiet zwischen Neuhäuser Straße und Padersee und hat sich bereits mehrfach an die Polizei gewandt, weil er die Situation für mehr als brenzlig hält. »Hier sind in der vergangenen Jahren schon mehrere Unfälle passiert. Tempo 30 reicht einfach nicht. Wir brauchen eine Ampel, damit die Bewohner sicher die Straße überqueren können«, fordert er.

Schwerer Verkehrsunfall

Erst am 10. November hatte es an der Stelle einen schweren Verkehrsunfall gegeben, bei dem ein 57-Jähriger von einer stadtauswärts fahrenden Mercedesfahrerin erfasst und lebensgefährlich verletzt wurde. »Die Markierungen von der Unfallaufnahme sind auf der Fahrbahn noch zu sehen«, sagt Isatar.

Der Familienvater freut sich zwar, dass seine Bedenken endlich ernst genommen werden, hält die Geschwindigkeitsreduzierung aber für nicht ausreichend. »Es ist für mich zu manchen Zeiten schon fast unmöglich, die Straße an dieser Stelle zu überqueren. Wie soll das alten Menschen gelingen? Die müssen die Möglichkeit bekommen, in Ruhe hinüber zu gehen. Das ist eine Frage des Respekts.«

Die beiden vorhandenen Ampeln seien zu weit von der Gefahrenstelle entfernt, als dass wirklich jemand diesen sicheren Weg nehmen würde, hat Isatar beobachtet. »Zudem wächst unser Wohnviertel weiter. Hier leben auch Kinder, die ebenfalls mal schnell in den Supermarkt möchten«, sagt er.

Unübersichtliche Situation

An Tempo 30 würde sich kaum ein Verkehrsteilnehmer halten. Zudem sei die Situation ohnehin unübersichtlich, kritisiert Isatar. Denn genau auf Höhe des Altenheims läuft die Fahrbahnmarkierung für zwei Spuren stadtauswärts aus. Auf derselben Höhe biegen viele links auf den Lidl-Parkplatz ab. »Und das werden noch mehr, wenn der Markt ausgebaut wird«, fürchtet er.

Wie berichtet, soll der bestehende Lidl-Markt mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche abgerissen und bis Ende des Jahres durch einen Neubau mit 1250 Quadratmetern Verkaufsfläche ersetzt werden. Am kommenden Dienstag, 26. März (17 Uhr, Technisches Rathaus), berät der Bauausschuss die dafür nötigen Planungsänderungen, die der Stadtrat am 4. April beschließen soll.

»Leicht erhöhtes Gefährdungspotential«

In der Verwaltungsvorlage für die Bebauungsplanänderung, aus der hervorgeht, dass die Zufahrt zum Parkplatz des Discounters ein Stück weit in Richtung Innenstadt verschoben werden soll, wird auch die Verkehrssituation thematisiert. Der damit beauftragte Gutachter attestiert »durch die versetzten Einmündungen im Hinblick auf die gegenüberliegende Zufahrt zum Pflegezentrum und der Wohnbebauung ein leicht erhöhtes Gefährdungspotential«.

Durch eine Querungshilfe für Fußgänger und die Einrichtung einer Abbiegespur für Linksabbieger, könne die Übersichtlichkeit im Rahmen einer Umgestaltung der Neuhäuser Straße wieder verbessert und das Gefahrenpotential minimiert werden.

Der Leiter des Altenheims Pflege- und Betreuungszentrum Paderborn, Christoph Szczepanski, wollte sich zu dem Thema nicht äußern. In dem Pflegezentrum leben 120 Menschen.

Kommentar

Wer sich Zeit nimmt und den Verkehr an der Neuhäuser Straße auf Höhe des Altenheim beobachtet, wird nur wenige Autos, Busse und Lastwagen sehen, die ihre Geschwindigkeit tatsächlich erkennbar auf 30 Stundenkilometer drosseln. Gerade stadtauswärts wird die entsprechende Beschilderung auf der gut ausgebauten, schnurgeraden Straße vermutlich auch häufig schlicht übersehen. Aber das ist gar nicht das Hauptproblem. Tempo 30 reicht hier einfach nicht aus, um den Bewohnern des Pflegezentrums und des angrenzenden Baugebiets ein sichereres Überqueren zu ermöglichen. Eine Verkehrsinsel wäre zweifellos eine Hilfe, eine echte Lösung böte an dieser prekären Stelle aber nur eine Ampel für Fußgänger. Denn den Umweg zu den vorhandenen Ampeln nehmen realistischerweise nicht nur Gehbehinderte nicht in Kauf. Und der Verkehr wird zunehmen. Maike Stahl

Kommentare

Frank Eisenberg Meyer  wrote: 19.03.2019 09:14
Das Problem ist hausgemacht: Wie kann man denn ein Altenheim direkt an einer stark befahrenen Straße bauen? Ampeln haben wir in Paderborn zuviele, dann müssten die beiden in der Nähe befindlichen Ampeln abgebaut werden, wenn eine direkt am Altenheim errichtet werden soll. Im Ergebnis kann man den Verantwortlichen der Stadt und dem Eigentümer des Altenheims nur Versagen vorwerfen! Dann sollte das Altenheim einen „Verkehrslotsen“ für die Senioren auf eigene Kosten einstellen!
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