Paderborner Rentner macht unliebsame Bekanntschaft mit Inkassofirma 107 Euro für zehn Minuten unbefugtes Parken

Paderborn (WB). Obwohl er »nicht mal zehn Minuten« unbefugt geparkt hat, soll Volker Karcisky 107,46 Euro bezahlen. Diese Rechnung präsentierte dem Paderborner Rentner die Firma Parkcollect im Auftrag des Kampfsport- und Fitnessstudios »Yes! Sports« an der Rathenaustraße. »107 Euro – das ist für mich Wucher«, schimpft Karcisky.

Von Dietmar Kemper
Das Kampfsport- und Fitnesscenter liegt direkt neben dem Ärztehaus. Die Parkplatzsituation im Bereich Rathenau- und Bahnhofstraße ist oft angespannt. Erst wenn die Mitarbeiter der Kreisverwaltung Dienstschluss haben, entspannt sich die Lage.
Das Kampfsport- und Fitnesscenter liegt direkt neben dem Ärztehaus. Die Parkplatzsituation im Bereich Rathenau- und Bahnhofstraße ist oft angespannt. Erst wenn die Mitarbeiter der Kreisverwaltung Dienstschluss haben, entspannt sich die Lage.

Was war passiert? Am Montag, 18. Februar, setzte der 69-Jährige seine Frau vor dem Ärztehaus ab. Nachdem er unter anderem getankt hatte, kehrte er zurück, um seine Frau abzuholen. Er stellte sein Auto ab und wartete. Dabei hielt er auf dem Gelände des Kampfsportstudios – unbeabsichtigt, wie Karcisky betont. »Ich habe die Schilder übersehen und streite den Sachverhalt auch gar nicht ab«, sagt er.

Auf der privaten Parkfläche dürfen nur die Mitglieder und Mitarbeiter des Studios ihre Fahrzeuge abstellen – oder Eltern, die ihre Kinder zum Training bringen und wieder abholen. Diese Regelung sei erforderlich, betont Yasin Kalyoncuoglu (31), Geschäftsführer des Kampfsport- und Fitnesscenters. »Sehr, sehr oft« seien die für die Mitglieder reservierten 40 Parkplätze von anderen blockiert. Weil sogar an der Einfahrt geparkt werde, könnten Kunden zeitweise nicht vernünftig rein- oder rausfahren.

Dieses Schreiben der Firma Euro Collect ist einem Paderborner Rentner ins Haus geflattert. 107,46 Euro soll er zahlen. Foto: Jörn Hannemann

Im Internet auf Parkcollect aufmerksam geworden

»Wenn ich im Nebenerwerb Abschleppunternehmer wäre, könnte ich mehr verdienen als im Studio«, sagt Kalyoncuoglu. Bei den Personen, die unbefugt auf dem Privatgelände parkten, handele es sich »zu 90 Prozent« um Menschen, die zum Ärztehaus wollten. Man habe es mit Ansprache versucht, mit dem Ordnungsamt diskutiert und Fahrzeuge auch schon mal abgeschleppt. »Aber es hat uns leidgetan, dass die Menschen dann 400 Euro bezahlen mussten«, beteuert Yasin Kalyoncuoglu. Schließlich sei man im Internet auf Parkcollect aufmerksam geworden und habe die Firma eingeschaltet.

Damit die aktiv wird, reichen anscheinend ein Auftrag und ein Foto des widerrechtlich abgestellten Autos aus. Am 5. März schickte die Firma Volker Karcisky ein Schreiben, in dem der Verstoß »Parken auf Privatparkplatz« und die Folgen geschildert werden: »Durch diesen Verstoß war unser Mandant gehindert, seine Parkfläche zu nutzen. Unser Mandant gibt an, dadurch einen Schaden von mindestens 21,20 EUR erlitten zu haben, da der Parkplatz nicht bestimmungsgemäß verwendet werden konnte.«

»Was mich schockiert, ist die Höhe.«

Parkcollect fordert insgesamt 107,46 Euro und begründet das so: »Die unserem Mandanten entstandenen außergerichtlichen Rechtsverfolgungskosten (hier: Inkassokosten) sowie die Halter-Ermittlungskosten sind von ihnen ebenfalls zu übernehmen aufgrund ihrer unerlaubten Handlung (§823 BGB).« Karcisky will zähneknirschend zahlen, sagt aber: »Was mich schockiert, ist die Höhe.« Auch einige Supermärkte gingen gegen unbefugtes Parken vor, aber die würden erst einmal mahnen und maximal 30 Euro verlangen.

Die Verbraucherzentrale Paderborn weist darauf hin, dass Parkcollect zur Inkassofirma Euro Collect GmbH in Würselen gehöre. »Es kann nicht sein, dass jemand sofort mit den Inkassokosten konfrontiert wird«, sagte die Leiterin der Verbraucherzentrale, Susanne Paleschke, dieser Zeitung. Das könne nur der letzte Schritt sein, nachdem jemand zu Recht ein Knöllchen erhalten, dieses aber nicht bezahlt und auf eine Mahnung nicht reagiert habe. Euro Collect setzt im Falle von Volker Karcisky eine »Inkassovergütung« von 52 Euro und eine Pauschale für Post und Telekommunikation von 10,40 Euro an. Der Eigentümer einer Fläche habe das Recht, Spielregeln aufzustellen, erklärt die Verbraucherzentrale.

Durch Schilder »hinreichend deutlich« gekennzeichnet

Wenn sich jemand nicht an sie halte, könne er einschreiten und zum Beispiel eine Firma einschalten, um seine Rechte durchzusetzen. Dafür müsse durch Schilder »hinreichend deutlich« gekennzeichnet sein, dass das Parken an einer Stelle nicht erlaubt ist. Gleichzeitig sei der Geschädigte zur Minderung des Schadens für sein Gegenüber verpflichtet. Paleschke: »Jemand aus dem Studio hätte zu dem Mann im Auto gehen und ihn ansprechen können, anstatt den Parkverstoß zu dokumentieren und sofort an das Inkassounternehmen weiterzugeben.« So habe Karcisky keine Chance gehabt, kostenfrei aus der Situation herauszukommen.

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