Kreis reagiert auf Kritik der Windradbetreiber
Storchenpaar bekommt neuen Nistplatz

Paderborn (WB). Warum werden am Paderborner Diebesweg Störche von ihrem Nistplatz vertrieben? Diese Frage treibt der Regionalverband OWL im Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE RV OWL) um. Der Kreis entgegnet nun, dass diese Maßnahme zum Schutz der Weißstörche vorgenommen worden sei.

Freitag, 08.03.2019, 20:32 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 20:34 Uhr
Mit einer schwarzen Plastikkugel soll der Storch mit seinem Weibchen vom alten Nistplatz vertrieben werden. Der Standort am Hochspannungsmasten sei zu gefährlich.   Foto: Jörn Hannemann

»Sehr zur Freude vieler Bürger nisteten im vergangenen Jahr zwei Weißstörche im Bereich der renaturierten Lippeaue am Diebesweg in Paderborn. Die Vögel hatten ihren Horst im dortigen Naturschutzgebiet in einem der Hochspannungsmasten gebaut«, heißt es in einer Pressemitteilung des LEE RV OWL. In diesem Jahr könnten die Störche ihren Platz nicht beziehen, weil dort eine große schwarze Plastikkugel montiert worden sei.

Der LEE sieht das als problematisch an, weil Störche standorttreu seien. Eine erneute Besiedlung sei aber nun nicht mehr möglich. »Man darf davon ausgehen, dass der Kreis Paderborn als zuständige Naturschutzbehörde diese Vergrämungsmaßnahme genehmigt, wenn nicht sogar angeordnet hat. Beobachtern zufolge wurde die Kugel erst installiert, nachdem die Störche bereits mit dem Bau ihres diesjährigen Horsts begonnen hatten. Hier wurde ein Storchenpaar aktiv von seinem Nistplatz vertrieben«, lautet der Vorwurf von LEE-Sprecherin Sonya Harrison.

Vergrämungsmaßnahme zum Schutz der Tiere

Die Kreisverwaltung stellte auf Anfrage klar, dass die Vergrämungsmaßnahme zum Schutz der Tiere erfolgt sei. »Von den Hochspannungsleitungen geht eine Gefahr für die Weißstörche und die eventuell zu erwartenden Jungtiere aus. Die Umsiedlung war zu ihrem Schutz erforderlich. Aus diesem Grund hat der Netzbetreiber einen Antrag gestellt, der vom Kreisumweltamt nach eingehender Prüfung und Einbeziehung von Experten der Biologischen Station Paderborn-Senne gestattet wurde«, heißt es beim Kreis.

In Nähe des Hochspannungsmastes wurde demnach als Ersatz eine Storchennisthilfe aufgestellt. Dabei handelt es sich um einen zehn Meter hohen Mast mit einer runden Plattform, auf der die Tiere ihr Nest bauen können. »Da im vergangenen Jahr zwar ein Storchenpaar ein Nest auf dem Hochspannungsmast gebaut, dort aber nicht gebrütet hat, besteht eine gute Chance, dass es noch zu keiner Nistplatz-Bindung gekommen ist. Laut dem Betreiber konnte er schon erste Störche auf der neuen Nisthilfe beobachten«, heißt es weiter.

Freiwillige Ablenkungsmaßnahmen der Windradbetreiber

Der LEE verweist darauf, dass Windradbetreiber es deutlich schwerer hätten, wenn es um Artenschutz gehe. Im Windpark Hassel bei Lichtenau habe die Behörde zum Schutz eines brütenden Schwarzstorchenpaares versucht, die bereits erteilten Genehmigungen für drei bestehende und eine geplante Windkraftanlage teilweise zu widerrufen. »Als dies vom NRW-Umweltministerium untersagt wurde, machte der Kreis Paderborn umfangreiche Abschaltvorgaben für zahlreiche Anlagen im Windpark Hassel. Es würden seitdem freiwillig Ablenkungsmaßnahmen zum Schutz des Storchenpaares betrieben – unter anderem wurden in der Nähe des Horstes Teiche angelegt, um den Tieren abseits der vermeintlich gefährlichen Flugrouten Nahrungsquellen zu bieten. All das zum Schutz eines Storchenpaares, dessen Artgenossen an anderer Stelle einfach behördlich genehmigt vertrieben werden«, lautet die scharfe Kritik.

Der Kreis meint, dass die Fälle nicht zu vergleichen seien – allein deswegen, weil Schwarzstörche deutlich seltener seien. Außerdem habe es nur zehn Abschaltungen im vergangenen Jahr gegeben.

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