Landgericht verhängt Haftstrafe gegen notorischen Wiederholungstäter
Missbrauch per Smartphone

Paderborn (WB). Ein 41 Jahre alter Mann ist jetzt vom Landgericht Paderborn zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er unter falscher Identität junge Mädchen zu sexuellen Handlungen animiert hatte. Seine Finger hatte er dabei zwar »nur« an der Handytastatur. Aber das war nicht weniger strafbar.

Donnerstag, 07.03.2019, 18:07 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 18:20 Uhr
Sexueller Missbrauch per Handy: Der Polizei in Paderborn werden wöchentlich neue Fälle gemeldet. Foto: dpa

Es ist ein Fall, der zeigt, wie gefährlich die grenzenlose Kommunikation per Smartphone geworden ist. Im August 2018 hatte der 41-Jährige mehrfach Mädchen im Kindesalter über Chats kontaktiert und versucht sie zu animieren, sich auszuziehen und sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Vier Opfer und elf Taten standen im Raum, alle begangen innerhalb weniger Wochen – und kaum 14 Tage, nachdem der 41-Jährige aus der Strafhaft entlassen worden war, in der er wegen exakt der gleichen Taten gesessen hatte.

Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen

Sogar ein Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen hatte ein Gericht seinerzeit erlassen – über das sich der Täter gleich hinweg gesetzt hatte. Kaum war er nach der Haftentlassung in Paderborn »gestrandet«, machte er dort weiter, wo er 2017 aufgehört hatte – als angeblich 15-jähriger Tim ließ er in Chats seinen Gelüsten freien Lauf. Das bemerkte eine Paderborner Therapeutin, der er sich zur Nachsorge vorstellen musste, relativ schnell, und so wanderte »Tim« in Untersuchungshaft.

32 Einträge im Strafregister

Dass er bereits bei seiner Vernehmung und dann auch am ersten Prozesstag die Taten einräumte, rechnete ihm die 5. Große Jugendkammer hoch an. Denn so ersparte der 41-Jährige den Mädchen eine Aussage zu den intimen Vorgängen vor Gericht. Während ein psychiatrischer Gutachter nicht von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgehen konnte, sah die Strafkammer durchaus diese strafmildernde Einschränkung. »Man hat die Vorstellung, seine Gedanken kreisten ständig darum«, betonte Richterin Nicole Klein, die auch eine mögliche Triebstörung erwähnte.

Dafür sprächen auch die jüngsten Verurteilungen des 41-Jährigen seit etwa 2011 – immer wieder sei es zu vergleichbaren Taten gekommen. Bereits vor mehr als 20 Jahren habe es Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegeben. Allerdings handele es sich bei den kürzer zurückliegenden Taten stets um Vorfälle, in denen der Angeklagte die Kinder beim Missbrauch nicht angefasst habe. Angesichts von 32 Einträgen im Strafregister sprach der Gutachter von einer dissozialen Persönlichkeit, Pädophilie liege vielleicht auch vor.

Die Jugendkammer stellte eine ganze Reihe der Vorwürfe ein – weil die Taten bei einem der Opfer, einer Elfjährigen aus Berlin, für eine Verurteilung ausreichend waren.

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