Paderborner Kreisleitstelle setzt auf neue Software »Rescue Track«
Notrufe per SMS orten

Paderborn (WB). Eine neue Software soll helfen, Menschen in Not schneller zu finden. Die Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst im Kreis Paderborn hat die Technik mit dem Namen »Rescue Track«, die den Betroffenen einen Link aufs Handy schickt, jetzt in Betrieb genommen. 

Donnerstag, 07.03.2019, 04:00 Uhr
Die Software »Rescue Track« ist stets auf einem der vier Monitore in der Leitstelle des Kreises Paderborn geöffnet und einsatzbereit. Disponent Wolfgang Ceynowa, hier an seinem Arbeitsplatz, hat sie schon mehrfach genutzt. Foto: Meike Delang, Kreis Paderborn

Der Link wird per SMS an den Anrufer geschickt, der den Notruf gewählt hat. Der Empfänger muss den Link dann bestätigen. Danach werden der Leitstelle des Kreises Paderborn im Bürener Ortsteil Ahden die GPS-Standortdaten des Handys übermittelt.

Die neue Software ist erst seit wenigen Wochen im Einsatz, hat aber nach Angaben der Leitstelle den Rettern schon in mehreren Fällen ge­holfen. So konnte ein Mountainbiker, der sich mitten im Wald bei einem Sturz sein Schlüsselbein gebrochen hatte, gerettet werden. Auch ein Holzfäller, der in einem Wald abseits der Wege von einem umfallenden Baum verletzt worden war, konnte mit Hilfe der neuen Technik gerettet werden.

Orientierung fällt in Stresssituationen schwer

Eine der wichtigsten Fragen bei einem Rettungseinsatz lautet: Wo genau ist der Notfall? »Die Anrufer befinden sich meist in einer absoluten Stresssituation, da fällt die Orientierung schwer«, erklärt der Paderborner Leitstellenleiter Marc Hammerstein.

​Mit der neuen Software werden die Standorte  ermittelt.

​Mit der neuen Software werden die Standorte  ermittelt.

Doch mit jeder Sekunde, die vergeht, bis der Anrufer ein Straßenschild finde oder dem sogenannten Disponent andere Merkmale beschreiben könne, vergehe wertvolle Zeit. »Ich habe neulich bei einem Notruf sieben Minuten gebraucht, bis ich den Standort des Anrufers lokalisieren konnte«, erzählt Disponent Wolfgang Ceynowa.

Seit 27 Jahren arbeitet er in der Leitstelle und weiß, wie er mit gezielten Fragen den Standort möglichst genau ermitteln kann. Mit der neuen Software ist seine Arbeit leichter geworden. »Es funktioniert leider immer noch nicht vollautomatisch und es sind Klicks und Zwischenschritte erforderlich, aber immerhin sind wir damit schon einen großen Schritt weiter«, erklärt Hammerstein.

Der Kreis Paderborn gehört nach eigenen Angaben zu den wenigen Kreisen in Nordrhein-Westfalen, die über eine solche Ortungssoftware verfügen. Andere nutzen zum Beispiel WhatsApp: Die Leitstelle ruft das Opfer von einem Handy aus zurück. Der Verletzte antwortet per Whatsapp, indem er im Nachrichtenfeld auf die Büroklammer tippt und dann den Button »Standort« drückt.

Ortung auf Handy aktivieren

Auch eine mündliche Übermittlung der Koordinaten durch den Anrufer ist zeitaufwendig, da zunächst das richtige Koordinatensystem ermittelt werden muss. »Selbst wenn der Anrufer weiß, wie er auf seinem Handy Koordinaten ermitteln kann, stehen wir immer noch vor dem Problem, dass es verschiedene Koordinaten-Systeme gibt«, sagt Hammerstein.

Mit der neuen Software sind diese Probleme gelöst – solange der Anrufer die Ortung auf seinem Handy aktiviert hat. Ist dies nicht der Fall, wird er von dem Programm aufgefordert, den Zugriff auf die GPS-Daten zu er­lauben. Der Experte Hammerstein hofft, dass irgendwann in Deutschland ein System erlaubt wird, das in anderen EU-Nachbarländern bereits funktioniert. Hammerstein: »Dort wird mit dem Anruf bei der 112 automatisch der Standort an die Leitstelle übermittelt, ohne dass der An­rufer etwas tun muss. In Deutschland ist dies zurzeit aus Datenschutzgründen noch nicht möglich.«

So läuft die Ortung in anderen OWL-Leitstellen

In Bielefeld benutzt die Leitstelle nach eigenen Angaben noch keine Software wie »Rescue Track«. Derzeit werden Menschen in Not in Bielefeld noch über die Netzbetreiber geortet. »Also über den Mobilfunkmast, über den der Betroffene eingeloggt ist«, erklärt Peter Palsbröker, Leiter der Leitstelle in Bielefeld. Der Nachteil: Die Ortung ist relativ ungenau. Auch eine Ortung über Whatsapp mit Hilfe des Standort-Buttons sei möglich. Wie Palsbröker erläuterte, werde bundesweit derzeit an einem »barrierefreien Notruf« gearbeitet, damit auch Bild- und Tondokumente über den Notruf verschickt werden können. Im Kreis Minden-Lübbecke setzt die Leitstelle auch auf eine Ortung über Whatsapp. Im Kreis Lippe wird ebenfalls über Whatsapp geortet. Perspektivisch setzt der Kreis auch auf eine bundesweit einheitliche Lösung. Im Kreis Gütersloh wird aktuell noch keine Ortungstechnik eingesetzt, man beobachte aber den Markt und setze ebenfalls auf eine bundesweite Lösung. Auch der Kreis Höxter nutzt derzeit noch keine Technik wie in Paderborn, ortet aber im Einzelfall über Messengerdienste.

 

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