28-jähriger Paderborner soll mehrere Menschen angegriffen haben
Mülltonnen-Attacke in Unterhosen

Paderborn  (WB/upf). Seine Ausraster waren nicht ungefährlich: Mehrfach soll ein junger Paderborner unvermittelt Menschen angegriffen haben. Das Tragische daran: Der 28-Jährige ging bis vor wenigen Jahren zielstrebig durchs Leben – dann wurde er psychisch krank. Das Landgericht muss darüber urteilen, ob er in die Psychiatrie eingewiesen wird.

Samstag, 02.03.2019, 10:30 Uhr
Das Landgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Mit eher zarter Stimme spricht der 28-Jährige auf der Anklagebank. Der am meisten gesagte Satz lautet: »Das weiß ich nicht mehr genau.« Es ist eine ganze Menge an Vorwürfen, die sich in der Anklageschrift finden – und bei allen Taten geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Paderborner schuldunfähig war. Aufmerksamkeit müssen die Vorfälle auf jeden Fall erregt haben, denn sie spielten sich stets in der Öffentlichkeit ab.

Sauerstoffflasche aus Rettungswagen gestohlen

So attackierte der Ex-Student im Herbst 2016 den 85 Jahre alten Vater seines damaligen Vermieters, indem er ihn mit leeren Mülltonnen bewarf. Der Senior hatte lediglich nachschauen wollen, warum der Mieter mit einer Handbrause aus dem Badezimmerfenster die Umgebung »duschte«. Das Ganze eskalierte so sehr, dass der 28-Jährige sogar versuchte, eine über 30 Kilogramm schwere Betonplatte hochzuheben, um sie nach dem 85-Jährigen zu werfen – was ein dazugeeilter Handwerker unterband.

Noch bevor die Polizei eingreifen konnte, stahl der 28-Jährige aus dem Rettungswagen, der angerückt war, um den am Arm leicht verletzten Rentner zu versorgen, eine Sauerstoffflasche und lief damit weg. Der Tag endete für den jungen Mann in der Psychiatrie.

Und das nicht zum letzten Mal. In einem Gebäude der Universität griff der Beschuldigte ein paar Wochen später eine Studentin an, trat sie und beleidigte sie mit ausländerfeindlichen Parolen. Im Januar 2017 randalierte er in einer Tankstelle in Elsen, wo er eine Getränkedose mitnahm und die Verkäuferin nach diversen Beleidigungen dann vor der Tür damit bewarf.

Frau bedroht und mit Scheibenwischer beworfen

Im Dezember 2017 schließlich versetzte er eine junge Mutter im Riemekeviertel in Angst und Schrecken, die er zu Fuß verfolgte und der er mit der Hand eine Pistolengeste zeigte – mit den Worten »Ich knall dich ab«. Bei der Drohung blieb es aber nicht: Von einem geparkten Auto riss er den Scheibenwischer ab und warf ihn der Frau, die mit dem Kinderwagen unterwegs war, ins Gesicht.

Der 28-Jährige selbst war vor der 1. Großen Strafkammer nicht in der Lage, Erhellendes zu den Vorwürfen beizutragen. Die zahlreichen Zeugen hingegen schon: Der Rentner und seine Frau, der Handwerker, ein Rettungssanitäter, mehrere Studenten und zwei Polizisten gaben übereinstimmend an, der Beschuldigte sei ihnen sehr verwirrt vorgekommen, habe »irre gegrinst« und sei bei den Vorfällen jeweils eher unpassend bekleidet gewesen. So hatte er bei der Mülltonnen-Attacke nur eine Unterhose getragen, bei der Verfolgung der Frau im Riemekeviertel einen Schlafanzug.

Was sich medizinisch hinter den Ausrastern verbirgt, muss ein Gutachter bis zum nächsten Verhandlungstag am 12. März herausfinden. Zumindest bis 2013 war der Paderborner offensichtlich im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte: Er hat sein Abitur mit Auszeichnung gemacht und ein Studium begonnen. Dann wurde er nach eigenen Worten krank und steht seither unter Betreuung.

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