Tempo 30 auf der Neuhäuser Straße in Paderborn – Verwaltung plant Verkehrsinsel
Nur noch zwei Spuren?

Paderborn (WB). Scheinbar aus dem Nichts sind die neuen Tempo-30-Schilder an der Neuhäuser Straße aufgetaucht. Autofahrer müssen nun in Höhe des Altenheims und des Lidl-Marktes die Bremse treten. Bei den Schildern wird es aber nicht bleiben.

Samstag, 02.03.2019, 03:00 Uhr
An die neuen Tempo-30-Schilder an der Neuhäuser Straße haben sich noch nicht alle Autofahrer gewöhnt. Häufig wird hier deutlich schneller gefahren. Die Verkehrsteilnehmer sollten sich auf Blitzaktionen einstellen. Foto: Jörn Hannemann

Sie ist breit, hat vier Spuren und ist eine der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen der Stadt Paderborn: Tausende Autofahrer rollen täglich über diese Fahrbahn. Viele davon gerne auch mal schneller als das Tempolimit von 50 Stundenkilometern zulässt – insbesondere stadtauswärts.

Um das Risiko gefährlicher Situationen mit Fußgängern zu verringern, darf nun auf einer Länge von 70 Metern nur noch maximal mit Tempo 30 gefahren werden. Darauf weist die Beschilderung hin mit dem Zusatz »Altenheim«. In den vergangenen Tagen hat es nach Angaben von Stadtpressesprecher Jens Reinhardt bereits die ersten Kontrollen gegeben.

Verkehrsinsel in Höhe des Altenheims möglich

Nach Informationen der Stadt Paderborn habe es im Vorfeld der Beschilderung eine Abfrage im Altenheim gegeben. Dabei sei her­ausgekommen, dass 60 der 120 Bewohner regelmäßig zum Lidl gehen und dort einkaufen. Verwaltungsintern gibt es daher Überlegungen, wie die Straße noch sicherer gemacht werden kann.

Um einerseits den Fußgängern eine bessere Möglichkeit zu geben, die Fahrbahn zu überqueren, und andererseits deutlicher auf das Tempolimit hinzuweisen, hat die Stadt nun überlegt, bauliche Maßnahmen vorzunehmen. Diese werden in der Sitzung des Bauausschusses im März vorgestellt. In Höhe des Altenheims könnte demnach eine Verkehrsinsel entstehen.

Nach jetzigen Überlegungen würden dafür zwei Fahrspuren geopfert – der Verkehr müsste dann von vier auf zwei Spuren geführt werden. Der Bau der Verkehrsinsel, der zunächst politisch beschlossen werden muss, soll frühestens dann erfolgen, wenn der neue Lidl-Markt an der Neuhäuser Straße errichtet ist.

Begrenzte Tempolimits auch in Lichtenau und Büren

Im November 2016 hat der Gesetzgeber mit einer Novelle die deutlich vereinfachte Möglichkeit geschaffen, so genannte streckenbezogene Geschwindigkeitsbegrenzungen einzurichten. Dies ist an Schulen, Kindergärten und Altenheimen auch dann möglich, wenn es sich nicht um einen Unfallhäufungspunkt handelt, teilte die Pressesprecherin des Kreises Paderborn, Michaela Pitz, auf Anfrage mit.

Solche begrenzten Tempolimits sind jüngst auch in Lichtenau und Büren eingerichtet worden. Der Kreis ordne dies nach einer Abstimmung mit dem jeweiligen Träger (Schule, Altenheim) ab, sagte Pitz.

Bekanntlich soll der aktuelle Lidl-Markt (800 Quadratmeter Verkaufsfläche) abgerissen und danach an selber Stelle mit 1250 Quadratmetern Verkaufsfläche neu errichtet werden. Ein Lidl-Sprecher erklärte am Freitag auf Anfrage, dass man auf die Baugenehmigung seitens der Stadt warte. Abriss und Baubeginn sollen nach jetzigem Zeitplan im Sommer 2019 erfolgen. Für die Bauzeit samt Einrichtung des neuen Discounters rechnet das Unternehmen sechs Monate.

Kommentare

Linus Maier  wrote: 03.03.2019 00:12
Lust auf Stau?
Eine Reduzierung von vier auf zwei Spuren? Wäre jedenfalls nützlich, um noch mehr Stau und Verkehrsbehinderungen auf der Neuhäuser Straße zu erzeugen. Und damit an dieser Stelle auch einen vermehrten Ausstoß von Feinstaub und Abgasen. Ein sicherer Übergang für Bewohner des Altenheims wäre natürlich schön. Doch 80 Meter weiter steht schon seit Jahrzehnten eine Ampel zum mühelosen und sicheren überqueren aller vier Spuren. Muss es wirklich eine Verkehrsinsel sein, die 60 Menschen nützt, aber tausende Autofahrer täglich einschränkt? Die Neuhäuser Straße ist eine der wichtigsten Verbindungen in die Innenstadt. Auch von der A33 und B64 fahren viele über diese Straße, um schnell ins Zentrum zu gelangen. In den Stoßzeiten würden zwei Spuren dort nicht reichen und große Verkehrsbehinderungen bringen. Für eine wichtige Einfall-/Ausfallstraße wie z.B. Bahnhofs- Detmolder oder Neuhäuser Straße, sollten überall wo es möglich ist, vier Spuren zur Verfügung stehen. Auch weil es an solchen Straßen gelegentlich Ein- und Ausfahrten gibt, an denen Autofahrer abbremsen oder von einem Parkplatz/Hinterhof auf die Straße einbiegen wollen. Manchmal gibt es sogar Bushaltestellen, an denen Busse anhalten. Bei nur einer Spur pro Richtung kann man da nicht eben links rüber ziehen und einen haltenden Bus überholen. Die Neuhäuser Straße sollte 4-Spurig bleiben. Hat für mich persönlich nicht nur etwas mit dem Verkehrsfluss zu tun, sondern auch mit der Wahrnehmung unserer Stadt, von außerhalb kommenden Menschen. Ist Paderborn nun eine Großstadt oder doch nur ein größeres Dorf? Bei einer Hauptverkehrsstraße mit einer einzigen Spur pro Richtung, könnte man das Gefühl bekommen, man ist ein paar Abfahrten zu früh oder zu spät von der Autobahn abgefahren und in Hövelhof oder Borchen gelandet. Tempo 30 auf der Neuhäuser Straße ist noch zu verkraften, aber eine Verkehrsinsel muss nicht sein.
Uwe Bünnigmann  wrote: 02.03.2019 10:53
Konsequenzen bedenken
Natürlich sind verkehrsberuhigende Maßnahmen grundsätzlich zu begrüßen, vor allem wenn sie nicht - wie sonst in Paderborn üblich - durch Ampeln erfolgen. Hier sind aber die Konsequenzen zu bedenken, da es sich bei der Neuhäuser Straße, wie im Artikel erwähnt, um eine der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen der Stadt Paderborn handelt. Läuft der Verkehr hier nicht mehr flüssig, ist zu befürchten, dass in der Folge der Verkehr an Fürstenweg, Fürstenallee und Dubelohstraße noch weiter zunimmt. Dort ist die Situation bereits jetzt schon unzumutbar und wird im Zuge der Neubauten an der Zukunftsmeile sicherlich nicht besser werden. Und das, obwohl sich dort die Grundschule Overberg-Dom befindet, deren Zugang zum Fürstenweg nicht durch eine 30er-Zone im Grundschulbereich gesichert ist.
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