Schnäppchenjäger zwischen Weihnachtsdeko, Luxusküchen und Sofagarnituren
Countdown für das Finke-Aus läuft

Paderborn (WB). Eine lange Karawane mit Schnäppchenjägern bahnt sich den Fußweg vom Parkplatz ins Finke Einrichtungshaus. Am Samstag waren es 7500 Kunden, die zwischen Bettbezügen, Sofagarnituren und Schrankwänden nach Angeboten suchten. Viele können nicht fassen, dass hier alles platt gemacht werden soll.

Montag, 25.02.2019, 06:20 Uhr aktualisiert: 25.02.2019, 08:42 Uhr
Auch für Geschäftsführer Franz-Josef Golüke ist die Schließung des Einrichtungshauses Finke eine emotionale Angelegenheit. 140 Mitarbeiter seien aktuell im Verkauf tätig, berichtet er. Am Samstag wurden 7500 Schnäppchenjäger gezählt. Foto: Jörn Hannemann

»Alles muss raus«, betont Geschäftsführer Franz-Josef Golüke. Sogar der lebensgroße Hirsch aus der Weihnachtsdeko, der hoch oben in der Galerie des Möbelhauses thront. Bis mindestens 31. März läuft der Ausverkauf, bevor die Türen für immer geschlossen werden. »Eventuell verlängern wir noch«, sagt Golüke. Das hänge aber davon ab, wie der weitere Abverkauf verlaufe.

Jeden Tag werden im Finke-Haus die Besucherströme gezählt. »Der vergangene Samstag war einer der stärksten Tage«, erklärt der Geschäftsführer. Das sind keine Sehleute. Es wird gekauft. Denn obwohl alle fünf Kassen besetzt sind, bilden sich immer wieder lange Warteschlangen. Das gehört zur Schnäppchenjagd dazu.

Rabatte soweit das Auge reicht: Bei schönstem Wetter schlendern die Leute durch die Abteilungen. Ob Gartenmöbel oder Haushaltswaren, ob Heimtextilen, Badmöbel oder Bilder, ob Schrankwand, Sessel oder Sofa: Die Nachfrage sei überall gleich groß, meint der Chef. Und obwohl viel verkauft werde, gebe es trotzdem noch reichlich Waren und Auswahl. Es lohne sich, zu kommen, meint er.

Es tut ein wenig weh, wie die Abteilung jetzt aussieht

Geschäftsführer Franz-Josef Golüke

Beim Gang durch die Polstermöbel-Abteilung fällt der Blick auf zahlreiche Sofagarnituren, die mit Folien eingepackt sind. Verkauft! Der Geschäftsführer wird emotional: »Wir haben immer sehr auf die Präsentation der Möbel geachtet. Es tut ein wenig weh, wie die Abteilung jetzt aussieht«, meint er. Aufgrund der Menge an Aufträgen müssen die Kunden etwa zwei Wochen warten, bis die neuen Sitzmöbel geliefert werden.

Schneller als gedacht lief der Abverkauf bei den Küchen: Bis auf zwei Ausstellungsstücke haben schon alle einen neuen Besitzer und warten nun auf den Abtransport. Die teuerste Küche kostete stolze 60.000 Euro.

Natürlich könne man auch weiterhin bei Finke Neuware bestellen, sagt Golüke. Doch dann müsse der reguläre Preis gezahlt werden. »Bestellungen sind weiterhin möglich, weil die Logistik dauerhaft in Paderborn verbleiben wird«, gibt Golüke bekannt. Damit sei auch nach dem Ende des Finke-Möbelhauses in Paderborn der Service gesichert.

Die Kunden machen bei der Suche nach ihren Schnäppchen auch nicht vor Weihnachtsdeko Halt, berichtet der Geschäftsführer – obwohl es auf Ostern zugeht. Sogar die Spielgeräte und das Inventar aus dem Kinderparadies, in dem die jüngsten Besucher während des Einkaufs auf die Eltern warten können, haben schon einen neuen Besitzer – künftig können die Kinder eines Horts sich daran erfreuen. Den lebensgroßen Hirsch habe ein Kunde übrigens für 500 Euro erstanden, berichtet der Geschäftsführer. Ein weiterer wartet noch auf ein neues Zuhause.

Kommentar von Ingo Schmitz

Als im November Schließung und Abriss des Finke-Einrichtungshauses bekannt gegeben wurden, gab es eine Schockstarre. Belegschaft wie Kunden hielten die Ankündigung für einen schlechten Scherz. Inzwischen ist die Jagd nach Schnäppchen im Möbelhaus zum Alltag geworden. Diejenigen in der Belegschaft, die bis zum letzten Verkaufstag bleiben, müssen sich damit arrangieren. Letzter Tag könnte der 30. März sein. Inzwischen hält es Geschäftsführer Franz-Josef Golüke aber auch für möglich, dass der Ausverkauf verlängert wird. Kein Wunder: Die Schnäppchenjäger kaufen alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Vor dem Abriss klingelt bei Finke noch mal ordentlich die Kasse.

Den Mitarbeitern ist von Herzen zu wünschen, dass sie die letzten Tage gut meistern und sich für sie möglichst schnell neue Perspektiven eröffnen. Eine Abschiedsparty kann helfen, den Schmerz zu überwinden. Für viele war Finke mehr als nur ein Job. Es wird ein Abend, an dem sicher auch des kürzlich verstorbenen Wilfried Finke gedacht wird. Am 30. März geht eine Ära zu Ende.

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