Zeit drängt: Preise für notwendige Restaurierung exorbitant gestiegen
Franziskanerturm bröckelt vor sich hin

Paderborn (WB). Weil den Kulturpolitikern die Sanierung  des Franziskanerturms im Vorjahr zu kostspielig erschien, müssen sie jetzt erheblich tiefer ins Stadtsäckel greifen. Die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen werden voraussichtlich um 77 Prozent teurer.

Freitag, 08.02.2019, 08:11 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 08:30 Uhr
Das Steinmaterial des Franziskanerturms in Paderborn ist stark geschädigt. Foto: Stienecke

Eingeplant waren im Haushaltsentwurf für 2019 ursprünglich 65.000 Euro. Nach Kalkulationen eines externen Gutachters wird die Stadt mit diesem Betrag aber bei weitem nicht auskommen. Er schätzt die zu erwartenden Kosten auf 115.000 Euro. Die deutliche Steigerung erklärte Paderborns Denkmalschützer Thomas Günther am Mittwoch in der Sitzung des Kulturausschusses zum einen  mit zuvor nicht erkennbarem Mehraufwand, vor allem aber mit exorbitant gestiegenen Leistungspreisen.

So habe der Fachmann die Kosten für den erforderlichen Stein-Austausch auf knapp 800 Euro pro Quadratmeter angesetzt. Im vergangenen Jahr habe man bei der Restaurierung des Heiersturms für die gleiche Leistung nur 220 Euro zahlen müssen, erläuterte Günther. »Das entspricht einer Kostensteigerung in Höhe von 360 Prozent.«

»Verdeckte Baumängel«

Dass der kleine Stadtturm an der Franziskanermauer in Paderborn saniert werden muss, ist unstrittig. »Das Mauerwerk ist im unteren Bereich besonders stark geschädigt, so dass hier ein kompletter Austausch der Kalkbruchsteine  erforderlich wird«, betont der städtische Denkmalschützer. Rund 60 Prozent des gesamten Mauerwerks seien abgängig. Die Statik des Turms sei nicht mehr gegeben.

Verantwortlich für den enormen Kostensprung  sind nach Günthers Angaben aber nicht nur die stark gestiegenen Leistungspreise, sondern auch »verdeckte Baumängel«, die erst bei genauer Befundanalyse entdeckt wurden. So seien ähnlich wie am Heiersturm in der Vergangenheit auch am Franziskanerturm Mauerwerksschäden durch einen »falschen« Mörtel lediglich kaschiert worden. Das räche sich nun. Am Heiersturm, dessen Sanierung in diesem Sommer abgeschlossen sein soll,  hätte sich die Mauerwerksfläche, die ausgetauscht werden müsse, durch die Fehler der Vergangenheit verdreifacht. Um das Mauerwerk künftig besser gegen Witterungseinflüsse zu schützen, soll auch der Franziskanerturm – ähnlich wie zuvor der Hophei-, der Maspern- und der Heiersturm – nach dem Steinaustausch vollflächig mit einem speziellen  Kalkputz verkleidet werden.

Turmdach als Terrasse genutzt

Denkmalschützer Günther empfahl dem Kulturausschuss, die Arbeiten am Franziskanerturm jetzt in Auftrag zu geben. »Mit einer Verschiebung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen am denkmalwerten Bauwerk würden zunehmende Schäden und damit verbunden steigende Sanierungskosten riskiert«, warnte er. Der Kulturausschuss hob die im November des vergangenen Jahres  verhängte Haushaltssperre für diese Maßnahme daher einstimmig wieder auf.

Ob die Anlieger an den Sanierungskosten beteiligt werden können, ließ Günther offen. Zwar existierten Verträge aus dem 19. Jahrhundert über eine Pflicht der Nachbarn zur Pflege der Stadtmauer und der Türme. »Die Verträge sind aber völlig veraltet und wohl nicht mehr rechtswirksam.«

Die historische Bausituation wird von den Anliegern durchaus kreativ gesehen. Das Dach des Franziskanerturms wird von den Nachbarn als Terrasse genutzt...

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