Aktion Mensch fördert neues Teilhabeprojekt mit 270.000 Euro
Paderborn – all inclusive

Paderborn (WB). Kinder und Erwachsene, die körperlich oder geistig eingeschränkt sind, wünschen sich oft vor allem eines: dazuzugehören. Das will der Paderborner Verein »Freizeit ohne Barrieren« ermöglichen und hat dafür im September das Projekt »Paderborn – all inclusive« gestartet, das von der Aktion Mensch mit 270.000 Euro gefördert wird.

Freitag, 01.02.2019, 10:56 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 10:58 Uhr
Jeder soll seine Freizeit selbstbestimmt gestalten dürfen, meint Annamarie Hermsdorff, Dominik (rechts) und Alexander Nolte. Deshalb wollen sie Angebot und Nachfrage vor Ort mit dem Projekt »Paderborn – all inclusive« zusammenbringen. Foto: Jörn Hannemann

Der Gedanke hinter dem Projekt ist einfach: »Wir unterstützen Vereine dabei, ihre Angebote für Menschen mit Behinderung zu öffnen und stehen gleichzeitig den Betroffenen als Vermittler zur Seite«, beschreibt Projektleiterin Annamarie Hermsdorff (25) die Idee hinter »Paderborn – all inclusive«. »Vereinsleben verbindet Menschen über Jahre hinweg. Wir möchten ein Netzwerk schaffen, damit das zwischen Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich möglich wird.« Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird mit insgesamt 270.000 Euro von der Aktion Mensch gefördert.

Nolte-Brüder haben den Verein Freizeit ohne Barrieren ins Leben gerufen

Ins Leben gerufen haben den Verein »Freizeit ohne Barrieren« die Paderborner Brüder Dominik (45) und Alexander Nolte (41), die auch Inhaber der Yat-Reisen GmbH, einem Reiseanbieter für Menschen mit Behinderung, sind. »Am Anfang haben wir die Reisen selbst begleitet, dann kamen immer mehr Ehrenamtliche hinzu und wir haben den Verein gegründet«, berichtet Dominik Nolte. Inzwischen begleite der in der Bleichstraße ansässige Verein mit 600 Teamern deutschlandweit Reisen verschiedener Anbieter. »Aber es geht uns eben nicht nur um Reisen, sondern auch um eine attraktive Freizeit«, beschreibt Alexander Nolte die Intention für das Projekt.

Inklusion bedeutet für die Brüder, dass Menschen mit Handicap ganz selbstverständlich in bestehende Angebote eingebunden werden. »Ob Gesangverein, Sportverein oder Schützen – es gibt ja jede Menge attraktive Angebote in Paderborn«, weiß auch Annamarie Hermsdorff. Aber leider gebe es auch viele Vorbehalte von beiden Seiten. Ob es der Übungsleiter ist, der sich über die möglicherweise speziellen Bedürfnisse des behinderten Menschen nicht im Klaren ist, der Vorstand, der in der Haftungsfrage unsicher ist, oder der Gehandicapte selbst, der sich gar nicht erst traut, beim Verein anzurufen – sie alle sollen durch das Projekt zusammengebracht, ermutigt und unterstützt werden. »Durch unsere jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Teamern können wir die Vereine aktiv bei allen Fragen unterstützen und Übungsleiter kostenlos schulen«, sagt Dominik Nolte. Außerdem seien die Caritas, die Stadt, der BDKJ und der Paritätische Wohlfahrtsverband als Kooperationspartner mit im Boot. »Es geht nicht darum, Neues zu erfinden, sondern darum, das bestehende System für alle zugänglich zu machen.«

72-Stunden-Aktion soll inklusiv gestaltet werden

Unter anderem soll die 72-Stunden-Aktion in diesem Jahr inklusiv gestaltet werden, und das Projekt ist Pate für die Filmpremiere von »Kinder der Utopie« am 15. Mai in einem Paderborner Kino. Ein erstes Netzwerktreffen für alle Interessierten ist für den 9. April geplant. Fragen und Anmeldungen nimmt Annamarie Hermsdorff aber auch gerne vorab in der Geschäftsstelle des Projekts bei Yat-Reisen in der Liborigalerie (Kamp 30), Telefon 05251/8895027, E-Mail a.hermsdorff@fob-paderborn.de , entgegen.

Kommentar

Das Projekt »Paderborn – all inclusive« steht der Stadt, die durch reges Vereinsleben besticht, sehr gut zu Gesicht. Hier besteht die Chance, Teilhabe ganz selbstverständlich werden zu lassen, Ängste abzubauen und mit positivem Beispiel voran zu gehen. Denn wenn die erste Hemmschwelle überwunden ist, wird sich manches von alleine klären. Dann zeigt die Gemeinschaft im Verein, was sie so stark macht. Hoffentlich gibt es eine große Resonanz und Nachfrage von beiden Seiten. Denn Vereine sind prädestiniert dafür, verschiedene Menschen mit ihren Voraussetzungen und Bedürfnissen ganz selbstverständlich zusammenzubringen und buchstäblich zu vereinen. Es ist bereits alles da, es muss nur zusammengebracht werden. Auf gutes Gelingen! Maike Stahl

 

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