Auch Paderborn hat heftige Winter erlebt – der von 1979 war besonders hart Als der Schnee monatelang blieb

Paderborn (WB/dk). In Bayern und Österreich drohen Häuserdächer unter der Schneelast einzustürzen. Ganze Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten. Auch das Paderborner Land hat schon außergewöhnlich harte Winter erlebt – zur Jahreswende 1978/1979 zum Beispiel. Ein Blick zurück.

Ein eingeschneiter VW-Käfer der »Paderborner Nachrichten«, die zur »Westfalenpost« gehörten, um 1959.
Ein eingeschneiter VW-Käfer der »Paderborner Nachrichten«, die zur »Westfalenpost« gehörten, um 1959. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Paderborn/Wolfgang Mietusch

Josef Bentfeld und Josef Jäger werden so manches Mal geflucht haben. »Sie waren bis zum 18. 1. pausenlos im Einsatz, um die Straßen rings um den Ort und im Ort, auch zu völlig eingeschlossenen Höfen, Ställen, Scheunen freizuhalten«, heißt es in der Dahler Ortschronik für das Jahr 1979. Vom 1. Januar an habe es »in Mengen« geschneit und die Temperatur sei teilweise auf minus 27 Grad abgestürzt. Der Ortschronist schrieb: »Ältere Leute erinnerten sich, vor 50 Jahren einen ähnlichen Winter erlebt zu haben, der damals nicht nur den Verkehr behinderte, sondern auch Wasser- und Gasleitungen schädigte.«

Meterhohen Schneeberge

Aktuell in Bayern und Österreich und vor 40 Jahren vor allem in Norddeutschland strapazierte der Winter die Kräfte und Nerven der Menschen. Zur Jahreswende 1978/1979 schwankten die Temperaturen wegen einer Warm-Kalt-Front extrem, es schneite und stürmte dermaßen, dass es zu meterhohen Schneebergen, Deichbrüchen, Hochwasser, Verkehrschaos und Schiffsuntergängen kam. Die Bundeswehr wurde eingesetzt, um Straßen freizuräumen, zu liegen gebliebenen Autos und Zügen durchzudringen und den zivilen Rettungsdienst zu übernehmen. Besonders schlimm erwischte es Ostseeinseln wie Rügen, Schleswig-Holstein und einige Bezirke der ehemaligen DDR. Schneeverwehungen verursachten Chaos auf Straßen und Schienen, die Stromversorgung brach teilweise zusammen, ohne Futter und Wasser verendete Vieh in den Ställen. Die angespannte Lage zog sich bis Ende März 1979 hin, in der Bundesrepublik starben mindestens 17 Menschen, in der DDR mindestens fünf.

Schicken Sie uns Fotos

Liebe Leser, können Sie sich noch an den harten Winter 1978/1979 erinnern? Was haben Sie damals erlebt? Schicken Sie uns Fotos aus diesen Tagen. Verwunderlich ist, dass man zum Beispiel im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn vergeblich nach Bildern sucht, obwohl die heftigen Wetterkapriolen das Leben der Menschen im Paderborner Land prägten. Der Leiter des Archivs, Wilhelm Grabe, und seine Mitarbeiter würden diese Lücke gern schließen. Schicken Sie die Fotos mit einer kurzen Erläuterung (wer oder was ist wann dort zu sehen?) an die E-Mail-Adresse redaktion@westfaelisches-volksblatt.de.

»Kranke Leute«

Über Todesfälle wegen des Winters berichten die Chroniken im Paderborner Land nichts, aber auch hier litten die Einheimischen stärker als sonst. Der lange, strenge Winter habe »kranke Leute« gebracht, heißt es in der Ortschronik für Sande, und man ahnt die Entbehrungen, wenn man dort liest: »Von der Neujahrsnacht bis in den halben März sahen wir nur eine weiße Landschaft.« Der Schulunterricht fiel wegen des vielen Schnees mehrere Tage lang aus, sogar am 19. März 1979 rieselten aus den Wolken noch einmal zehn Zentimeter Neuschnee.

»Das ist für unsere Region schon ungewöhnlich«, vermerkt der Chronist für Marienloh; Schnee und Eisglätte seien das »alles beherrschende Gesprächsthema« gewesen, ist aus der Chronik für Elsen zu erfahren. In Dahl machte ein Wettersturz der Bevölkerung zu schaffen. Am 29. Dezember 1978 hatte es bei milden zehn Grad geregnet, am 30. Dezember zeigte das Thermometer plötzlich minus 16 Grad an.

17 Grad Kälte an Silvester

Die Silvesternacht war nicht nur in Altenbeken »sehr ungemütlich«, Schneestürme und 17 Grad Kälte leiteten das neue Jahr ein. Züge kamen mit mehrstündiger Verspätung im Eisenbahnerort an. Noch im März lagen an Altenbekens Straßen 1,50 Meter hohe Schneewälle. Die Decke auf den Feldern war 60 Zentimeter dick. Das »Westfälische Volksblatt« berichtete am 25. Januar 1979 von der Sorge der Menschen, dass die »gewaltigen Schneemassen« in der Egge und auf dem Sommer- und Winterberg die Beke bei Tauwetter in einen reißenden Strom verwandeln könnte, der dann hohe Schäden verursachen würde. Die Forstverwaltung ließ mit Hilfe von Hubschraubern den Schnee von Eichen und Fichten entfernen, um zu verhindern, dass sie unter der Last umkippen.

Lunapark musste auf den Liboriberg ausweichen

Weniger stark betroffen als höher gelegene Orte wie Altenbeken war die Paderborner Kernstadt. Dort verzögerte der Winter die Arbeiten auf dem Maspernplatz, so dass die Kirmes Lunapark auf den Liboriberg ausweichen musste – sehr zum Ärger der von Lärm geplagten Anlieger. Aber es litten nicht nur die Menschen: Während des Winters häuften sich Berichte über hungernde Eulen. Wegen der geschlossenen Schneedecke kamen sie nicht an Nahrung heran. Die Adlerwarte in Berlebeck päppelte entkräftete Schleiereulen auf.

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