Werkschau im Stadtmuseum würdigt den Künstler Josefthomas Brinkschröder Erinnerung an »Brinkasso«

Paderborn (WB). Mit der Ausstellung »Mensch, Brinkschröder!« erinnert die Stadt Paderborn an einen Künstler, der in seiner Heimatstadt mehr Spuren hinterlassen hat, als vielen Bürgern bekannt ist.

Von Manfred Stienecke
Blick in die Ausstellung mit dem Porträt des Künstlers Josefthomas Brinkschröder. Gezeigt wird auch ein Schaukelpferd (vorn Mitte), das er für seine Enkel gebaut hat.
Blick in die Ausstellung mit dem Porträt des Künstlers Josefthomas Brinkschröder. Gezeigt wird auch ein Schaukelpferd (vorn Mitte), das er für seine Enkel gebaut hat. Foto: Jörn Hannemann

In diesem Jahr wäre Josefthomas Brinkschröder 110 Jahre alt geworden. Der eigenwillige Bildhauer und Maler galt seinen Zeitgenossen als leicht kauziges Original, das Stoff für zahllose Anekdoten und Legenden lieferte. Viele ältere Paderborner können sich noch daran erinnern, wie er mit Schlapphut, den Gehstock auf den Gepäckträger geklemmt, durch die Westernstraße radelte. Brinkschröder war ein heimatverbundener Schützenfreund, der in Bildern und Plastiken die Stadt in seiner Art und Weise festhielt.

Museumsleiter Markus Runte und Ausstellungskuratorin Heike Sondermann haben für die Gedächtnis-Schau im Stadtmuseum, die am Sonntag, 13. Januar, um 11.30 Uhr eröffnet wird, eine erstaunliche Fülle an Material zusammengetragen. Von den knapp 60 Arbeiten befinden sich nur eine Handvoll in Stadtbesitz. Alle anderen Exponate konnten nach einem öffentlichen Aufruf in der Tageszeitung von privaten Leihgebern ausgeborgt werden.

Die brennende Heimatstadt

Das Gros der Ausstellung bilden Ölbilder, die Brinkschröder fast ausschließlich auf Holzplatten gemalt hat. Motive sind vor allem in der Nachkriegszeit immer wieder die brennende und zerstörte Heimatstadt, später Impressionen von der wieder aufgebauten Stadt mit Blick auf Dom, Rathaus oder Paderquellgebiet in seiner typischen »Handschrift« – charakteristische Bauten in pastosem Farbauftrag und stilisierte Figuren in an den Kubismus erinnernden Kompositionen. Picasso war einer seiner inspirierenden Vorbilder. Im Volksmund hieß der Paderborner Künstler daher der »Brinkasso«.

Als Beispiele seiner vielfältigen Plastiken präsentieren die Ausstellungsmacher zum Beispiel ein eindrucksvolles Holzrelief mit der Darstellung des Wiederaufbaus der Domstadt und einem an das Westfalen-Ross erinnernden Pferd, das sich mühsam wieder aufrappelt. In fünf kleineren Reliefs hat Brinkschröder mit Motiven eines Läufers, eines Handballers, eines Skiläufers, eines Tennisspielers und eines Speerwerfers das Thema »Sport« behandelt, dem Brinkschröder in seiner Jugend sehr zugewandt war.

Rathaus fast komplett ausgestattet

Auch für die inzwischen abgerissene Turnhalle seiner ehemaligen Schule, der damaligen Reismann-Realschule, hat der Künstler 1965 ein Kupfer-Relief mit einem stilisierten »Bocksprung« gestaltet, das ebenfalls am Abdinghof zu sehen ist. Ein schönes Beispiel für seine Bildhauerkunst sind die Porträts historischer Persönlichkeiten der Stadtgeschichte auf den Kassetten einer Holztruhe, die sein Bildhauerfreund Hans Diwo fertiggestellt hat.

Das bemalte Gipsmodell des von Brinkschröder gestalteten Rathausportals mit einer Stadtsilhouette aus der Zeit um 1600 verweist auf zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum, für die der Künstler Aufträge erhalten hat. So besitzt das Rathaus mit den beiden Eingangstüren, dem Treppengeländer, drei großen Glasfenstern und dem Holzrelief über dem Eingang zum Saal fast eine komplette Brinkschröder-Ausstattung. Eine im Museum erhältliche Broschüre (5 Euro) zeigt auch diese Objekte des Künstlers.

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