Kommentar zu Finke in Paderborn Gestern heile Welt – heute Scherbenhaus

Finke – jahrzehntelang galt dieser Name im Hochstift und darüber hinaus als Synonym für ein wachsendes Unternehmen, das mehr als solide dasteht. Von Finanzproblemen war in der gesamten Zeit nie die Rede. Eine einzige Pressemitteilung hat am Montag dieses heile Bild eines Unternehmers, der für die Stadt und den Sport deutlich mehr war als nur ein Möbelhändler, komplett zerstört. Derzeit sieht es sehr nach einem Scherbenhaus aus.

Von Ingo Schmitz
Das Finke-Stammhaus an der Paderborner Straße 97 in Paderborn.
Das Finke-Stammhaus an der Paderborner Straße 97 in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

»Finke ist ein Sanierungsfall, Finke verliert jeden Tag Geld«: Deutlicher kann man wohl nicht ausdrücken, wie es um das wichtige Paderborner Aushängeschild des Einzelhandels steht. Und damit auch um die Arbeitsplätze. Eine schockierende Nachricht, mit der niemand gerechnet hat.

Krasser Gegensatz

Die wirtschaftliche Einordnung stammt nicht von irgendwem. Möbelmulti Kurt Krieger ist ein Wegbegleiter Wilfried Finkes, der das Paderborner Unternehmen wohl kaum mit der Absicht gekauft hat, um es nahezu im nächsten Atemzug zu schließen und abzureißen. Vielmehr darf man davon ausgehen, dass die Möbel-Landkarte in Ostwestfalen-Lippe an dieser Stelle keinen weißen Fleck behalten wird. Ein Neubau, von dem derzeit (offiziell) nicht gesprochen wird, wird von vielen zumindest erwartet.

Die Ankündigung des Möbelunternehmers und Milliardärs Kurt Krieger steht übrigens im krassen Gegensatz zu den Absichtserklärungen, die die Geschäftsführung der Krieger-Gruppe bei ihrem ersten Besuch beim Paderborner Bürgermeister Michael Dreier Ende August kundgetan hat. Damals hieß es noch, dass Paderborn ein wichtiger Standort für die Krieger-Unternehmensgruppe sei. Man wolle sich in Paderborn sogar aktiv in die Stadtgesellschaft einbringen und beabsichtige, den Namen Finke zu erhalten.

Bilanzen unter der Lupe

Umso mehr stellt sich deshalb die Frage: Was ist nur in der Zwischenzeit passiert? Die Finke-Gruppe ist an all ihren Standorten intensiv analysiert worden. Dazu gehört offenbar auch, dass die Bilanzen genauer unter die Lupe genommen worden sind. Exorbitant hohe Kosten, die deutlich über dem Branchendurchschnitt liegen, werden Finke nachgesagt. Nach Auskunft der Krieger-Vertreter gegenüber der Belegschaft seien in den vergangenen Jahren Bilanzen geschönt worden, in dem so genannte Einmal-Effekte – wie zum Beispiel Immobilienverkäufe – die tatsächlichen Verluste der Finke-Gruppe überdeckt hätten. Das sind schwere Vorwürfe, die noch aufgeklärt werden müssen.

Die Möbelhäuser im ganzen Land stehen seit Jahren unter einem enormen Druck. Das zeigen die unerbittlichen Rabattschlachten in der Branche. Gleichzeitig wächst auch im Möbelsektor der Onlinehandel. Vor diesem Hintergrund dürfte das Ende der Abwärtsspirale sicher noch nicht erreicht sein – ebenso wenig wie das Ende der Konzentrationswelle.

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