Teil der historischen Paderborner Rathausfassade wird am Boden restauriert – mit Video Der Giebel muss runter

Paderborn (WB). Der Schaden an der Weserrenaissance-Fassade des Paderborner Rathauses ist größer als gedacht. Deshalb ist die Giebelspitze am Montag in mehreren Einzelteilen abgehoben worden, um sie restaurieren zu können. Am kommenden Montag soll die Fassade wieder komplettiert werden.

Von Maike Stahl
Die Giebelspitze aus dem Jahr 1615 kommt an den Haken: Restaurator Matthias Rüenauver (links) und Steinmetz Michael Diwo verzurren die wertvolle Fracht verzurrt.
Die Giebelspitze aus dem Jahr 1615 kommt an den Haken: Restaurator Matthias Rüenauver (links) und Steinmetz Michael Diwo verzurren die wertvolle Fracht verzurrt. Foto: Jörn Hannemann

»Vom Gerüst aus konnten wir sehen, dass wir nicht umhin kommen, die Giebelspitze abzubauen«, berichtet Restaurator Matthias Rüenauver von Ars Colendi an der Baustelle. Das Eisen, mit dem die insgesamt elf Sandsteinbauteile des Giebels verbunden sind, sei dermaßen verrostet, dass die Standsicherheit des oberen Giebelabschnitts nicht mehr gewährleistet sei.

»Durch den Rost, dehnt sich das Eisen aus und entwickelt enorme Sprengkraft im Gestein«, erläutert der Fachmann. Es sei bereits zu starken Rissen im Steingefüge und Absprengungen gekommen.

Sanierung kostet eine Million Euro

Der Abbau der tonnenschweren Giebelelemente per Autokran sei zwar nicht geplant gewesen, die  Baukosten würden aber im geplanten Rahmen von etwa 1 Million Euro bleiben, sagt Ute Dülfer vom Gebäudemanagement (GMP). Sie kündigt an, dass der Giebel voraussichtlich erst am Montag, und nicht wie ursprünglich geplant am Freitag, wieder aufgebaut wird.

»Freitag sind hier Hochzeiten, da können wir den Rathauseingang nicht sperren«, sagte sie. Für die ebenfalls verrostete Stahlkonstruktion die die Giebelspitze von hinten stützt, ist bereits eine Ersatzkonstruktion aus Edelstahl angefertigt worden.

Obelisk wurde nach dem Krieg erneuert

Am Beispiel des Obelisken mit Kugel und Wetterfahne, der ganz oben auf dem Giebel thront, zeigt Rüenauver die Schäden. Ganze Stücke sind herausgebrochen. »Wir müssen sehen, ob wir das reparieren können oder ersetzen müssen«, sagte der Restaurator. Jedenfalls sei der Obelisk ohnehin schon nicht mehr das Original aus dem Jahre 1615. »Der Sandstein hat eine andere, grauere Färbung, als der für die Fassade verwendete Osning-Sandstein«, erläutert er.

Die Fassade wird nicht mehr strahlend weiß

Dort, wo der Putz bereits entfernt wurde ist sichtbar, dass auch an der Fassade die Originalbruchsteine teilweise im Laufe der Jahrhunderte durch Backsteine ersetzt worden sind. »Wir haben auch festgestellt, dass die Originalfärbung der Zierelemente dunkler war und die Fassade selbst im Laufe der Renovierungen offenbar immer heller geworden ist«, erzählt Rüenauver. Deshalb soll sie jetzt wieder ein wenig gelblicher und damit ursprünglicher werden.

Ute Dülfer hofft, dass die Arbeiten an der Fassade und an der Südseite zur Bar Celona hin bis Mitte November abgeschlossen werden können, damit an den beiden Seiten das Baugerüst bis zum Weihnachtsmarkt verschwunden ist. Komplett fertig sein soll die Renovierung bei günstigen Witterungsbedingungen bis Jahresende.

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