Paderborner Kapitän kehrt mit der Fregatte »Bayern« zurück
Mission beendet

Paderborn (WB). Die deutsche Marinefregatte »Bayern« hat ihren Einsatz im Mittelmeer beendet. Das Schiff und seine 210-köpfige Besatzung haben unter dem Kommando des gebürtigen Paderborners Markus Brüggemeier fast sechs Monate an einem Nato-Einsatz in der Ägäis teilgenommen. Am Samstag ist es sicher in seinem Heimathafen in Wilhelmshaven angekommen.

Dienstag, 28.08.2018, 15:10 Uhr
Die »Bayern« ist eine 140 Meter lange Fregatte der Bundeswehr, die 1996 in Dienst gestellt wurde. Sie ist für universelle Aufgaben ausgelegt und mit Torpedos, Flugkörpern und Artillerie bestückt. Das Schiff kann bis zu zwei Bordhubschrauber tragen. Foto: Christin Krakow

Die »Bayern« hat die Nato in der Ägäis bei der Bekämpfung von Schlepper- und Schleuserkriminalität unterstützt. Das Schiff absolvierte auf seiner Patrouille in der ägäischen Inselwelt etliche Eskorten, detektierte Flüchtlingsboote und überwachte die Arbeit der lokalen Küstenwachen oder der EU-Grenzschutzorganisation Frontex. Dabei lief es Häfen in Griechenland, der Türkei und in Portugal an. Der in der Stadtheide aufgewachsene Kapitän zieht ein positives Fazit: »Die Flüchtlingszahlen in der Ägäis sind drastisch zurückgegangen. Das ist ein gutes Zeichen, auch wenn sich jetzt Schwerpunkte verschieben. Das wichtigste bleibt jedoch auch auf dieser Seefahrt, die anvertrauten Frauen und Männer wieder gesund nach Haus zu bringen.«

2015 hat Markus Brüggemeier das Kommando der »Bayern« übernommen.

2015 hat Markus Brüggemeier das Kommando der »Bayern« übernommen.

Der Weg über die Ägäis gilt als »Familienroute«. Dort wagen die Menschen, die vor Bürgerkriegen und Armut in Syrien, Afghanistan oder Afrika zu entkommen versuchen, die Flucht nach Europa. In der Ägäis sind die Wege kurz. Bis zu vier Kilometer liegen die Küsten der beiden Länder entfernt. »Und so wagen sich Flüchtlinge, die aufgrund ihrer Herkunft bislang noch nie ein Meer oder einen Ozean gesehen haben, bei Nacht mit ihren Familien und Kleinkindern auf dicht beladenen Booten die Überfahrt. Schleuser bieten dafür sogar ›Familienrabatt‹ an«, hat der 46-Jährige beobachtet.

Die Mission in der Ägäis sei kein Rettungseinsatz gewesen. Flüchtlinge an Bord zu nehmen, habe nicht zur Kernaufgaube der »Bayern« gehört. »Auch wenn die Rettung in Seenot geratener Menschen Verpflichtung eines jeden Seemanns bleibt«, erzählt Markus Brüggemeier. Vielmehr hätten die Verbindungsoffiziere an Bord die Verantwortlichkeiten der lokalen Anrainerstaaten koordiniert. Und trotzdem hätten sich nachts auf See zuweilen dramatische Szenen abgespielt. »Für viele meiner Besatzungsmitglieder hat die Flüchtlingskrise der letzten Jahre allein aus Zahlen bestanden. Erst in diesem Einsatz haben diese Zahlen ein Gesicht erhalten und ihre Anonymität verloren«, resümiert Markus Brüggemeier.

50.000 Kilometer auf See

Während seines Einsatzes hat das Schiff 27.000 Seemeilen zurückgelegt, das entspricht etwa 50.000 Kilometern. In den sechs Monaten auf See wurden auch etliches an Lebensmitteln benötigt. 16.000 Eier wurden gegessen, 7.500 Liter Milch und 47.000 Liter Wasser getrunken, 21.500 Schokoriegel verputzt. Bei Übungen und Ausbildung wurden knapp 10.000 Schuss Munition unterschiedlichen Kalibers verschossen, listet der Fregattenkapitän auf.

Die »Bayern« hat während ihres Einsatzes auch Öffentlichkeitsarbeit geleistet – als so genannter »Botschafter in Blau«. Zu Gast waren auf dem Schiff der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, und die albanische Verteidigungsministerin Mimi Kodheli. Und auch Besuch aus Paderborn gab es auf der »Bayern«. In Porto stieg Markus Brüggemeiers Vater Willi an Bord – und letztmals teilten sich Vater und Sohn die Kommandantenkammer. Denn nach drei Jahren gibt Markus Brüggemeier das Kommando der »Bayern« ab. Er wechselt nach Stockholm, wo er in der Sprachausbildung und später als Attachée in der deutschen Botschaft tätig sein wird.

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