Finke-Verkauf: Konsequenzen für die Stadt und den SCP »Ein Stück Paderborn geht verloren«

Paderborn (WB). Die Nachricht vom Verkauf des Unternehmens Finke an die Höffner-Gruppe ist im Kreis Paderborn das große Gesprächsthema – obwohl sie sich in der vergangenen Woche angedeutet hatte. Zuletzt hatte Wilfried Finke noch bestritten, Verhandlungen mit Kaufinteressenten zu führen. Am Ende ging es dann doch ganz schnell.

Von Jürgen Vahle und Matthias Reichstein
Dass Wilfried Finke seine Unternehmensgruppe verkauft hat, sorgt für Diskussionen in und um in Paderborn. Viele hoffen, dass sich der neue Inhaber, die Höffner-Gruppe aus Berlin, ebenso stark wie Finke in der Stadt engagieren wird.
Dass Wilfried Finke seine Unternehmensgruppe verkauft hat, sorgt für Diskussionen in und um in Paderborn. Viele hoffen, dass sich der neue Inhaber, die Höffner-Gruppe aus Berlin, ebenso stark wie Finke in der Stadt engagieren wird. Foto: Besim Mazhiqi

Dass der Name Finke womöglich bald vom Möbelhaus an der Elsener Straße verschwindet, bedauert beispielsweise der City-Manager Uwe Seibel: »Ein Stück Paderborn geht verloren«, sagt Seibel. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die gute Zusammenarbeit der Werbegemeinschaft mit dem Möbelhaus. Bei Finke gibt es beispielsweise die Gutscheine der Werbegemeinschaft, auf dem Finke-Parkplatz stehen großformatige Plakate, die auf die Geschäfte in der City hinweisen. Die Hausleiter waren als Beisitzer Mitglied im Vorstand der Werbegemeinschaft. Seibel befürchtet, dass eine Unternehmensgruppe wie Höffner den Bezug in die Region nicht in diesem Maße aufrecht erhalten kann.

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Am besten ist es, wenn nur die Schilder ausgetauscht werden und die Arbeitsplätze erhalten bleiben

Stellvertretender Paderborner Bürgermeister Dieter Honervogt

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Dieter Honervogt, stellvertretender Paderborner Bürgermeister, hofft, dass es an der Elsener Straße wie bisher weitergeht: »Am besten ist es, wenn nur die Schilder ausgetauscht werden und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.« Noch gar nicht bewertet werden könne, wie sich die Verlegung des Unternehmenssitzes von Paderborn nach Berlin auf die Gewerbesteuereinnahme auswirke. Unklar sei auch, wie es mit den Bauplänen, die Finke bis zuletzt verfolgt hatte, weitergeht. Das Unternehmen wollte an der Elsener Straße erweitern. Auch ein neues Verwaltungsgebäude und ein Logistikzentrum wurden diskutiert.

Abseits des Unternehmens war Wilfried Finke über Jahrzehnte maßgeblich am Aufbau des Profifußballs in Paderborn beteiligt. Ohne ihn gäbe es die Benteler-Arena (15.000 Plätze, Invest der Stadiongesellschaft lag bei 11,5 Millionen Euro) nicht, ohne ihn wäre auch das Trainingszentrum für die Profis und den Nachwuchs (Invest lag bei vier Millionen Euro) nie gebaut worden.

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Ich spüre jetzt eine gewisse Selbstzufriedenheit

Wilfried Finke über seine Entscheidung, als SCP-Präsident zurückzutreten

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»Da ist für Paderborn etwas Schönes entstanden«, sagte Finke dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT noch vor einer Woche und fügte hinzu: »Ich spüre jetzt eine gewisse Selbstzufriedenheit. Es war genau der richtige Zeitpunkt, mit der Rückkehr in die 2. Liga vom Amt des Präsidenten zurückzutreten. Emotional habe ich schon ein wenig Abstand gewonnen, mein Pulsschlag ist jetzt schon ein anderer als noch vor ein paar Monaten. Jetzt, wo ich mich nicht mehr so aufregen muss, habe ich noch mehr Spaß an dem Fußball, den unsere Mannschaft im Moment zeigt.«

Selbstkritisch räumte Finke im Rückblick auf seine lange Amtszeit (mit kurzen Unterbrechungen seit 1997 SCP-Boss) aber auch ein: »Unser Abstieg aus der 2. Liga im Jahr 2016 war für mich die größte Enttäuschung. Da sind handwerkliche Fehler gemacht worden, auch von mir.«

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Unser Verein wird Wilfried Finke immer am Herzen liegen, da bin ich mir ganz sicher

SCP-Präseident Elmar Volkmann

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Seit dem 25. Juni steht der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Elmar Volkmann an der Spitze des SC Paderborn. Der Steuerberater, der am Donnerstag seinen 72. Geburtstag gefeiert hat, weilt noch im Urlaub und wurde so erst von dieser Zeitung über den Verkauf informiert.

Obwohl die Unternehmensgruppe seit Jahrzehnten den Verein sponsert und mit 44 Prozent (Familie Finke und die Firma) an der Paderborner Stadiongesellschaft (PSG) beteiligt ist, befürchtet Volkmann keine negativen Auswirkungen: »Das Werbeengagement hatte die Firma ohnehin schon runtergefahren, deshalb sehe ich keine unmittelbaren Auswirkungen für den Club.« Mittelfristig wollte das Volkmann nicht ausschließen, sagte aber auch: »Unser Verein wird Wilfried Finke immer am Herzen liegen, da bin ich mir ganz sicher.«

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Die Entscheidung sollte jeder respektieren und akzeptieren

SCP-Manager Markus Krösche

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»Ich habe größten Respekt vor der Lebensleistung von Herrn Finke, aber das ist nicht mein Thema. Die Entscheidung sollte jeder respektieren und akzeptieren«, wollte sich Manager Markus Krösche zunächst nicht äußern.

Negative Folgen für den SC Paderborn sieht aber auch der 37-Jährige nicht: »Beim Sponsoring muss man sicher mal abwarten, wir können das nicht beeinflussen. Aber die Art und Weise, wie der SC Paderborn wieder Fußball spielt, wird ihn freuen, deshalb wird sein großes Herz für diesen Verein nicht kleiner werden.«

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