VIP-Empfang: Europa-Experte Elmar Brok wirbt für ein Umdenken »Glasfaser bis ins letzte Dorf«

Paderborn (WB). Europapolitiker Elmar Brok hat beim VIP-Empfang der Paderborner Werbegemeinschaft für ein Umdenken bei der Digitalisierung geworben. Er forderte unter anderem gemeinsame europäische Regeln für digitale Märkte.

Von Jürgen Vahle
Beim VIP-Abend geehrt (von links): Udo Witte, Manfred Schlaffer, Volker Schäfers, Anne Kersting, Hermann Schäfers, Festredner Elmar Brok, City-Manager Uwe Seibel und Paderborns Bürgermeister Michael Dreier.
Beim VIP-Abend geehrt (von links): Udo Witte, Manfred Schlaffer, Volker Schäfers, Anne Kersting, Hermann Schäfers, Festredner Elmar Brok, City-Manager Uwe Seibel und Paderborns Bürgermeister Michael Dreier. Foto: Jörn Hannemann

Die Paderborner Werbegemeinschaft hatte Brok (wie am Donnerstag kurz berichtet) als Festredner für ihren VIP-Empfang im Vorfeld des Frühlingsfestes eingeladen. Der bekannte Europapolitiker mit Wurzeln in OWL und Paderborn zeichnete in seiner 90-minütigen Rede allerdings ein eher düsteres Bild vom Zustand Europas bei der Digitalisierung.

Vorab gab es aber ein dickes Lob an die Werbegemeinschaft. Der stationäre Handel sei durch das Internet im Wandel – in Paderborn sei das erkannt worden, berichtete Brok. Die Innenstadt erfinde sich gerade durch viele Aktionen und Baumaßnahmen neu. Es werde versucht, moderne Möglichkeiten mit den Geschäften vor Ort zu verbinden.

Das sei gut so, denn eine Handvoll amerikanischer Firmen beginne gerade, »die Welt zu beherrschen«. »Wir Europäer sind nicht dabei, obwohl wir der größte Markt der industrialisierten Welt sind. Ohne SAP ist in Europa nicht viel«, klagte Brok. Europa sei Weltmeister in den Industrien des 19. Jahrhunderts wie dem Maschinenbau oder der Medizin- und Pharmatechnik – aber nicht im digitalen Markt.

Schnellen Datenkabel »bis ins letzte Dorf«

Brok warb dafür, die Digitalisierung zu forcieren: »Unsere Anstrengungen beim Thema Industrie 4.0 zeigt, dass wir das können.« Der Europapolitiker bezeichnete es als einen »Riesenfehler«, dass Unternehmen wie die Telekom die alten Kupferdrähte aufwerten dürften und daher nicht ausreichend Glasfaserleitungen verlegten. Er warb dafür, die schnellen Datenkabel »bis ins letzte Dorf« zu legen und diese Aufgabe nicht Telekommunikationsfirmen zu überlassen.

»Der Bau von Datenautobahnen muss eine staatliche Aufgabe sein«, sagte Brok. Bezahlt werden könne dies beispielsweise durch eine konsequente Besteuerung amerikanischer Internet-Giganten. Sie müssten endlich dort Steuern zahlen, wo die Wertschöpfung stattfinde. Der Bau von schnellen Internetleitungen sei aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Nur so könne man auch in Zukunft die Talente der Menschen im ländlichen Raum nutzen und fördern.

Neue Regeln

»Erfindungen wie das Internet kann man nicht zurückdrehen, es setzt sich immer durch. Daher muss man die Regeln gestalten«, sagte Elmar Brok. Er plädiere für neue Regeln, nach denen der digitale europäische Binnenmarkt sich richten müsse. Um gesamteuropäische Datenschutzrichtlinien zu installieren, müssten die Parlamente enger zusammenarbeiten, »statt immer nur auf Brüssel zu schimpfen«, sagte Brok. Hier gehe es ihm vor allem darum, dass die Würde des Menschen verteidigt werde. »Jeder Hinz und Kunz schreibt im Internet was. Diese Leute haben eine Wortwahl am Leibe, die man nicht akzeptieren kann«, schimpfte Brok. Hier sieht er Facebook und Co. in der Pflicht. Sie seien dafür verantwortlich, was über ihre Kanäle verbreitet wird. »Alte Medien wie Tageszeitungen wissen, wo die Grenze ist«, sagte der Europapolitiker.

Ebenso kritisch sieht Brok, dass der Mensch immer gläserner werde. »Wenn ich das Handy nicht ausmache, weiß Google sogar, in welchen schmutzigen Kneipen ich in den vergangenen drei Wochen war.« Dem könne man nur im europäischen Verbund begegnen.

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