Fall Katrice Lee: Archäologen nicht informiert Irritation um Grabungen der Briten in Paderborn

Paderborn (WB). Das Vorhaben der britischen Armee, in den kommenden fünf Wochen in Paderborn entlang der Alme nach Spuren eines seit 1981 vermissten Mädchens zu graben, hat Archäologen auf den Plan gerufen.

Von Christian Althoff
Soldaten und Polizisten suchen nach Spuren der seit 1981 vermissten Katrice Lee (2).
Soldaten und Polizisten suchen nach Spuren der seit 1981 vermissten Katrice Lee (2). Foto: Jörn Hannemann

Wie berichtet, bereiten Soldaten seit Montag auf einem Acker zwischen der Autobahn 33 und der Benteler-Arena mit schwerem Gerät die Aktion der Heereskriminalpolizei vor . Unter anderem wurde ein großes Loch ausgehoben, in dem untersuchtes Erdreich von Grabungen entlang der Alme gesammelt werden soll. Die Briten hoffen, Spuren der seit fast 37 Jahren vermissten Katrice Lee (2) zu finden – der Tochter eines Soldaten, der damals in Paderborn stationiert war.

Bodendenkmal neben der Arena vermutet

Dr. Martin Kroker, promovierter Archäologe und Direktor des Paderborner Museums in der Kaiserpfalz, war irritiert, als er von den Grabungen erfuhr. »Das Gebiet an der Benteler-Arena ist ein vermutetes Bodendenkmal. In der Nähe wurden Siedlungsspuren aus den ersten vier Jahrhunderten nach Christus entdeckt.«

Wer in so einem Gelände graben wolle, müsse eine Genehmigung beantragen, und

Dr. Martin Kroker, Archäologe und Leiter des Museums in der Kaiserpfalz, erfuhr erst aus den Medien von den Grabungen. Foto: Jörn Hannemann

dann würden auch die Landesarchäologen gefragt. »Das wurden sie in diesem Fall aber nicht.« Er sei schon daran interessiert, dass eine Mitarbeiterin mit vor Ort sei, wenn in diesem Areal gegraben werde, sagte Kroker. Bisher sei es ihm aber nicht gelungen, an Verantwortliche heranzukommen.

Die Briten haben ihre Aktion mit dem Grundstückseigentümer Anton Welslau, der Stadt und dem Kreis Paderborn abgestimmt. Dabei wurde offenbar vergessen, auch die Archäologen mit ins Boot zu holen. Als das am Mittwoch bekannt wurde, brach hinter den Kulissen Hektik aus. Am Abend meldete der für Archäologie zuständige Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Münster), dass Museumsleiter Dr. Martin Kroker jetzt in Verbindung mit britischen Kollegen stehe und es wohl eine Kooperation geben werde.

Ausnahmeregelung für Grabung

Eigentlich hätte die Militärpolizei auch eine Genehmigung des Kreises gebraucht, weil das Graben an einem Gewässer ein Eingriff in Natur und Landschaft ist. Doch das Gesetz ermöglicht Ausnahmeregelungen bei öffentlichem Interesse. »Und das liegt in diesem Fall vor«, sagt Kreissprecherin Manuela Pitz.

Unklar ist, auf welcher Rechtsgrundlage ein britischer Polizeieinsatz dieser Größenordnung in Deutschland stattfindet. Das nordrhein-westfälische Justizministerium wusste diese Frage am Mittwoch nicht zu beantworten und verwies an die Staatsanwaltschaft Paderborn. Die führt jedoch das Verfahren im Vermisstenfall Katrice Lee nicht. Sie wurde lediglich von den Briten über die Aktion informiert und nach etwaigen Bedenken gefragt. Es gibt auch kein Rechtshilfeersuchen der Briten. Ob das Nato-Truppenstatut (es ermöglicht Stationierungsstreitkräften unter anderem die eigenständige Ermittlung und Verurteilung von Straftätern aus den eigenen Reihen) auch diese Polizeiaktion außerhalb militärischer Liegenschaften abdeckt – diese Frage konnten die deutschen Behörden nicht beantworten.

Am Mittwoch traf sich ein Kriminalbeamter des für Tötungsdelikte zuständigen Kommissariats 11 der Bielefelder Polizei mit der britischen Militärpolizei, um sich über den Ablauf der Suche zu informieren. Am Donnerstag wollen die Briten der Öffentlichkeit im Detail erklären, was sie an der Alme vorhaben.

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