Offener Sonntag in Paderborn: Friedrich Klingenthal wirft Gewerkschaft Eingriff in Wettbewerb vor Schwere Geschütze gegen Verdi

Paderborn (WB). Die Drohung der Gewerkschaft Verdi, den Sonntagseinkauf an Libori am Stadtrand platzen lassen zu wollen, bringt Friedrich Klingenthal auf den Plan. Der Sprecher und Interessensvertreter von 46 Händlern im Südring wirft Verdi vor, die Werbegemeinschaft zerstören zu wollen.

Von Ingo Schmitz
46 Geschäfte beheimatet der Südring. Sie vom verkaufsoffenen Sonntag ausschließen zu wollen, ruft bei Unternehmer Friedrich Klingenthal Empörung hervor. »Hier soll ein Keil in die Werbegemeinschaft getrieben werden«, vermutet er.
46 Geschäfte beheimatet der Südring. Sie vom verkaufsoffenen Sonntag ausschließen zu wollen, ruft bei Unternehmer Friedrich Klingenthal Empörung hervor. »Hier soll ein Keil in die Werbegemeinschaft getrieben werden«, vermutet er. Foto: Jörn Hannemann

Südring und City gehören untrennbar zusammen, meint Friedrich Klingenthal. Dessen Familie hat zusammen mit Familie Dany 1969 das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese errichtet. Dass der Einzelhandelsstandort Paderborn mit City und Peripherie von den Kunden in seiner Gesamtheit wahrgenommen werde, sei ein Verdienst der Werbegemeinschaft, die 1983 gegründet wurde. Sie habe zusammen mit den Händlern jahrelang für dieses Image gekämpft, betont er.

»Wer jetzt den Südring und andere Einzelhandelsstandorte in der Peripherie beim verkaufsoffenen Sonntag ausschließen will, treibt einen Keil in die Kaufmannschaft. Hier legt Verdi die Axt an der Wurzel der Werbegemeinschaft an«, ist der Paderborner Unternehmer überzeugt.

Übersetzt bedeutet dies: Sollte die Werbegemeinschaft den verkaufsoffenen Sonntag ohne die Peripherie durchführen, würden sich die Händler vom Stadtrand vermutlich aus der seit 35 Jahren währenden Zusammenarbeit verabschieden. »Ohne Peripherie wird es keine funktionsfähige Werbegemeinschaft geben«, betont Klingenthal.

Verärgert ist er zudem über die Tatsache, dass sich die Gewerkschaft erneut – wie schon im vergangenen Jahr – offenbar nur auf den Paderborner Einzelhandel konzentriere, obwohl ja auch andere Städte in OWL ihre verkaufsoffenen Sonntage durchführen wollen. Vor einem Jahr hatte Verdi mit einer Klage beim Verwaltungsgericht erreicht, dass der verkaufsoffene Sonntag zum Frühlingserwachen vorsorglich abgesagt worden war – in Bielefeld konnten die Läden hingegen problemlos öffnen. »Paderborn wird mit strengen Maßnahmen belegt und andere Städte nicht. Hier nimmt die Gewerkschaft eine Position der Marktregulierung ein, die ihr nicht zusteht«, ist Klingenthal verärgert. Dem Paderborner Einzelhandel werde hier bewusst Schaden zugefügt.

Und noch etwas hält er für fatal: »Die Tatsache, dass hier ein europaweit bekanntes Stadtfest durch Verdi verballhornt werden soll, macht mich fassungslos. Gerade an Libori ist ja der Anlassbezug für den verkaufsoffenen Sonntag mehr als gegeben«, meint er.

Selbst wenn die Gewerkschaft Recht habe, müsse sie zur Kenntnis nehmen, dass die verkaufsoffenen Sonntage wichtig für den Standort und die Umsätze seien. »Ich hoffe darauf, dass es der Stadt gelingt, mit Verdi eine Lösung zu finden, die den Sonntagseinkauf ermöglicht. Ansonsten wäre der Imageschaden für diese Stadt enorm.«

Kommentar

Umsonst und draußen: Das Paderborner Frühlingsfest ist wie Libori ein enormer Imageträger für die Stadt Paderborn. Das dreitägige Programm mit Livebands von Rang und Namen, heimischen Musikern, Straßentheater und Auftritten von Comedians zeigt, wie schlagkräftig die große Werbegemeinschaft mit ihren Kaufleuten aus City und Stadtrand ist. Immerhin 300.000 Besucher werden an dem Wochenende erwartet. Eine bessere Visitenkarte kann die Paderstadt bei ihren Gästen nicht hinterlassen.

Gegen die Gewerkschaft Verdi scheinen die Händler allerdings machtlos zu sein. Nach einem Jahr des Schwebezustandes bekommt eine alte Debatte nun neuen Aufwind: der verkaufsoffene Sonntag.

Erinnerungen an ein bekanntes deutsches Arbeiterkampflied werden in diesen Tagen wach, wenn über das Thema diskutiert wird: »Alle Räder stehen still. Wenn dein starker Arm es will...« Frei nach diesem Motto versucht Verdi nun den verkaufsoffenen Sonntag in Paderborn anlässlich des Liborifestes zu torpedieren. Das ruft bei den Händlern Entsetzen und Verärgerung hervor – zu Recht. Denn bislang gab es in Paderborn keinen Anhaltspunkt dafür, dass das traditionsreiche Stadtfest im Hochstift für die Mitarbeiter im Einzelhandel ein Problem darstellen könnte.

Doch Verdi macht eins draus. Libori ist keine neue Erfindung irgendeiner Marketing-Kreativabteilung. Hier geht es vielmehr um eine Tradition, die in einer engen Symbiose aus Kirche, Gesellschaft und Handel gelebt wird. Verdi will ein Exempel statuieren, um aufzuzeigen, dass die Gesetzgebung lückenhaft ist. Das ist ihr gutes Recht. Die Leidtragenden sind aber die Kaufleute, die sich im Wettbewerb mit dem Internethandel sowieso schon schwer genug tun.

Anstatt an der Klage gegen die Stadt festzuhalten, wäre es jetzt endlich an der Zeit, dass sich alle Beteiligten mit der Gewerkschaft an einen Tisch setzen. Hier sollte ohne Schaum vorm Mund um eine Lösung gerungen werden, die auf die nächsten Jahre Bestand hat. Konsens bedeutet, dass sich alle bewegen müssen – auch Verdi. Stadt und Werbegemeinschaft sind dazu bereit.

Kommentare

Schaum vor dem Mund...

Schaum vor dem Mund, habe ich bis dato nur von den Inhalten der Politik (Herr Sievers), der Werbegemeinschaft und dem Citymanager (Seibel) gelesen. Soweit ich mich erinnere gab es ja eine Absprache zwischen den Beteiligten, die nun (neue Landesregierung) durch die Werbegemeinschaft und dem Citymanager in Frage gestellt wurde. City heißt für mich immernoch Innenstadt und nicht der Südring, der Frankfurter Weg oder das Dörner Feld. Aus welchem Grund gibt es denn ein Einzelhandelskonzept in PB?

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