Predigt von Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker - Worte von Kurschus Präses Ostern als »Akzent des Lebens gegen den Tod«

Paderborn/Rom/Bielefeld (epd/dpa). Die Osterbotschaft mit der Auferstehung Jesu ist nach den Worten leitender Geistlicher in Nordrhein-Westfalen ein Zeichen der Hoffnung. »Mit dem Stein vor dem Grab Jesu sind unsere Grabsteine weggewälzt, denn Jesus Christus ist nicht erstanden für sich allein«, sagte der Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker in der Osternacht von Samstag zu Sonntag im Paderborner Dom. Gleichzeitig sei die Auferstehung ein Appell zur Versöhnung.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Die Welt sei voll von solchen Steinen wie am Grab Jesu, sagte Becker laut Predigttext weiter. »Sie sind groß und schwer, und sie sind geeignet zum Begräbnis aller Hoffnungen.« Auch im täglichen Umgang miteinander verstünden Menschen es, solche Steine aufzurichten. »Wie oft hört man: ›Das ist mein letztes Wort‹ oder ›Verzeihen kann ich nicht‹ oder ›Mir kann keiner mehr helfen‹«, sagte der Erzbischof.

Dagegen vermittle Ostern eine unerhörte Botschaft: »Aus dem Grab geht Leben hervor«, betonte Becker. »Wir sind nicht mehr eingeschlossen in den Käfig der tausend Vergeblichkeiten.«

Mensch = Massenartikel

Kopten feiern Palmsonntag

Mit einem Gottesdienst bei Hannover haben koptisch-orthodoxe Christen aus der Diözese Norddeutschland am Sonntag den Palmsonntag gefeiert. Der Palmsonntag, an dem an den Einzug Jesu nach Jerusalem erinnert wird, gehört zu den sieben großen Herrnfesten der koptischen Kirche, wie Bischof Anba Damian erläuterte. Ostern begehen sie wegen eines abweichenden Kalenders erst am kommenden Sonntag. Die meisten orthodoxen Kirchen orientieren sich am alten julianischen Kalender, während die westlichen Kirchen sich nach dem gregorianischen Kalender richten.

Er sieht Ostern als »Akzent des Lebens gegen den Tod«. Diese Aussicht sei umso wichtiger, weil der Mensch in der technisch-wissenschaftlich digitalisierten Gesellschaft weithin ein Massenartikel werde, den man beliebig verschleißen und ersetzen könne, sagte Becker am Ostersonntag im Paderborner Dom. Gottes Botschaft des ewigen Lebens erhöhe jedoch den Menschen, sagte Becker laut Redetext. In der Auferstehung sei der Mensch, wie Gott ihn von Ewigkeit gewollt habe.

Im heutigen normalen Leben komme Auferweckung und Tod nicht vor, beklagte Becker. Deshalb stoße der Osterglaube au den Unglauben und Protest des sogenannten vernünftigen Denkens. Die Sehnsucht nach ewigem Leben scheine heute weitgehend erloschen. Ein tiefer Pessimismus breite sich aus.

Ursache sei oft der bloße äußere Fortschritt, der keine Antworten gebe auf »beunruhigende Fragen bezüglich des Bösen oder im Hinblick auf Schuld und Vergänglichkeit«. Viele Menschen akzeptierten resigniert die Vergänglichkeit als endgültiges Ende. Die biblische Botschaft von der Auferstehung biete jedoch eine Alternative zu Vergänglichkeit und Tod.

Franziskus: »Ungerechtigkeiten überwinden«

Papst Franziskus hat in der Osternacht zu mehr Engagement gegen Ungerechtigkeit aufgerufen. In der Vigilfeier am Samstagabend im Petersdom prangerte er zudem Gleichgültigkeit und Antriebslosigkeit an. »Es ist der Jünger von heute, der in Anbetracht einer Wirklichkeit verstummt ist, die sich ihm aufzwingt und glauben macht, dass man nichts tun kann, um so viele Ungerechtigkeiten zu überwinden, die viele unserer Brüder in ihrem Fleisch durchleben«, sagte das Katholiken-Oberhaupt in seiner Predigt am Karsamstag.

Ostern sei »eine Einladung, mit eintönigen Angewohnheiten zu brechen, unser Leben, unsere Entscheidungen und unsere Existenz zu erneuern«, so der 81 Jahre alte Papst.

Am Sonntag feierte der Papst mit zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz die traditionelle Ostermesse und spendete danach den Segen »Urbi et Orbi«. Der Segen wird nur Weihnachten, Ostern und nach einer Papstwahl ausgesprochen.

Kurschus: Christen sollten zweimal hinschauen

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, hat die positive Osterbotschaft betont. »Das österliche Licht will sich gerade in den Dunkelheiten des menschlichen Herzens ausbreiten, in dessen Fragen und Zweifeln vermag es sich besonders tröstlich zu spiegeln«, schreibt Kurschus in einem am Karfreitag in Bielefeld veröffentlichten Osterbrief an die ehren- und hauptamtlichen Beschäftigten der westfälischen Kirche. Die heutige Welt brauche nichts dringender als die Botschaft von der Überwindung des Todes.

Zahlreich seien die Gründe, immer noch schwärzer zu sehen, schreibt Kurschus mit Blick auf die Krisenherde weltweit und zunehmenden Populismus. »Schwer wiegen Lüge und Leid. Gewalt und Gleichgültigkeit lassen den Blick trüb werden.« Doch Christen sollten zweimal hinschauen und lernen, weiter und tiefer zu sehen, mahnte die leitende Theologin der viertgrößten deutschen Landeskirche: »Wir sollen uns einüben in Gottes Blick auf die Welt und uns die verbittert-verächtlichen Blicke wie Schlaf aus den Augen reiben.«

Die Präses dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Zeit, Kraft und Geduld im Einsatz für das Evangelium. »So kann die Osterfreude, die den Kern unseres Glaubens ausmacht, hervorleuchten und sich ausbreiten zu einem lichten Leben für alle.«

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