Am 29. Mai werden die Glocken in den Paderborner Dom gezogen Ein logistisches Meisterwerk

Paderborn (WB). Das Osterfest 2018 wird in die Geschichtsbücher eingehen: An diesem Ostermontag, 2. April, weiht Erzbischof Hans-Josef Becker die beiden neuen Glocken für den Hohen Dom.

Von Ingo Schmitz

Tonnenschwerer Klangkörper

Doch die größte Herausforderung nach dem gelungenen Guss steht den Planern noch bevor: Das Aufhängen der tonnenschweren Klangkörper im Glockenstuhl ist für den 29. Mai geplant. Voraussetzung ist, dass das Wetter mitspielt. Es darf nicht zu windig sein, wenn die Glocken »Jesus Christus – unser Friede« (13,5 Tonnen) und »Maria – Trösterin der Betrübten« (eine Tonne) per Spezial-Kran auf eine Höhe von 35 Metern hochgezogen und dann im Glockenstuhl positioniert werden. Anschließend erhalten die sechs bereits vorhandenen Glocken ihren endgültigen Standort.

1951 gab es zuletzt neue Glocken

Was sich in der Theorie so einfach anhört, kann man vorher nicht üben. Und alltäglich ist es eben auch nicht. Zuletzt sind im Jahr 1951 neue Glocken im Paderborner Dom platziert worden. Die waren aber bei weitem nicht so groß, wie die prachtvolle Bass-Glocke, die einen Durchmesser von 2,60 Metern hat und 2,30 Meter hoch ist.

Mitunter schlaflose Nächte

Projektleiter Björn Kastrup vom Bauamt des Erzbischöflichen Generalvikariats bereitet die Baustelle am Dom mitunter schlaflose Nächte. »Wir arbeiten mit sehr guten Firmen zusammen. Aber der Zeitplan ist eng«, stellt er fest. Für alle Fälle hat er neben seinem Bett einen Block und einen Stift liegen – falls ihm nachts etwas einfällt, was noch bedacht werden muss.

Daten und Fakten

Der Kostenrahmen des Projekts liegt bei 300.000 Euro. Der Spendenstand beträgt aktuell 268.561,01 Euro (90 Prozent). Nach der Liboribruderschafts-Andacht am 2. April, 15 Uhr, findet die Glockenweihe durch Erzbischof Hans-Josef Becker statt. Nach dem Schlusslied zieht der Erzbischof in einer Prozession auf den Domplatz. In einer Zeremonie werden die Glocken mit Weihwasser besprengt und an sieben Stellen gesalbt. Anschließend erfolgt die Chrisamsalbung an den vier aufgegossenen Weihekreuzen.

Glockenfenster wird vergrößert

Seit mehreren Wochen sind Arbeiter damit beschäftigt, die Vorbereitungen zu treffen. In 35 Metern Höhe (der gesamte Turm ist 96 Meter hoch) ist das Glockenfenster an der Nordseite zur Kaiserpfalz hin schon vergrößert worden. »Das Mauerwerk ist hier 1,70 Meter dick«, berichtet Björn Kastrup. Das Loch ist drei mal drei Meter groß – man kann sich also gut vorstellen, wie viele Steine und Bauschutt beseitigt werden mussten. Seit mehreren Wochen sind zudem Arbeiter damit beschäftigt, den stählernen Glockenstuhl zu bearbeiten. Es geht um kilometerlange Streben, die vor Rost geschützt werden müssen. »Der Zustand ist nach all den Jahren sehr gut«, stellt Kastrup fest. Trotzdem muss an den schadhaften Stellen der belastete Teeranstrich entfernt und mit neuen Spezialfarben ausgebessert werden.

Abdinghof wird stillgelegt

Innerhalb des Turms wird nun Platz gemacht: Die sechs alten Glocken werden bis auf eine Höhe von 43 Metern gezogen. Um die neuen Glocken außen am Turm hochziehen zu können, wird in einer nächtlichen Aktion vor dem 29. Mai ein 500-Tonnen-Kran aufgebaut. Den braucht es nicht wegen der Last, sondern wegen des ungünstigen Winkels. Denn eigentlich müsste der Kran dort platziert werden, wo die Kaiserpfalz seit Jahrhunderten steht. Die ist schlicht im Weg. Also muss der Bereich am Abdinghof für einen ganzen Tag still gelegt werden. Trotzdem sind alle Rettungswege frei zu halten – ein kompliziertes Unterfangen.

Mit einem Schlitten in den Turm

Wenn die Glocken einzeln das vergrößerte Fenster erreicht haben, werden sie in luftiger Höhe über einen Schlitten in den Turm geschoben. Im Anschluss bekommen alle alten Glocken ihre endgültige Position in 38 bzw. 33 Metern Höhe. »Wir vertrauen darauf, dass alles funktioniert«, sagt Björn Kastrup. Erst nach diesem logistischen Meisterwerk wird er wohl wieder besser schlafen können.

Ehrenspalier der Schützen

Thomas Spieker, Oberst des Paderborner Bürger-Schützenvereins, bittet alle Mitglieder des Vereins um ihre Teilnahme am Ehrenspalier zur Weihe der neuen Domglocken durch Erzbischof Hans-Josef Becker am Ostermontag. Die Schützen sammeln sich um 15.30 Uhr in Uniform mit Orden und Ehrenzeichen am Paradiesportal. Vor der Glockenweihe ist um 15 Uhr die Libori-Bruderschaftsandacht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.