Kreis Paderborn unterstützt Arbeit der Pflegestation für Vögel in Essentho Verhätscheln ist fehl am Platz

Paderborn (WB). Im Südostwestfälischen Marsberg, idyllisch im Seitental der Diemel, liegt sie, die Essenthoer Mühle. Dort befindet sich die Vogelpflegestation für Greifvögel und Eulen, eine Notaufnahme für Vögel. Die Tiere werden hier gepflegt, aufgepäppelt und anschließend ausgewildert. Hausherr ist Wilfried Limpinsel.

Diese Schleiereule hat Wilfried Limpinsel im April 2016 ausgewildert. Zuvor war das Tier in der Auffangstation »Essenthoer Mühle« aufgepäppelt worden – so wie mittlerweile rund 5000 Eulen, Greifvögel und Störche.
Diese Schleiereule hat Wilfried Limpinsel im April 2016 ausgewildert. Zuvor war das Tier in der Auffangstation »Essenthoer Mühle« aufgepäppelt worden – so wie mittlerweile rund 5000 Eulen, Greifvögel und Störche. Foto: Jörn Hannemann

Jetzt bekam er besonderen Besuch: Paderborns Landrat Manfred Müller und der technische Dezernent des Kreises Paderborn, Martin Hübner. »Mit Ihrer Arbeit helfen Sie nicht nur einzelnen hilfsbedürftigen Vögeln, sondern tragen zur Arterhaltung der Tiere bei, vermitteln in Besucherführungen Ihr Wissen weiter und sensibilisieren für den Natur- und Artenschutz«, sagte Müller.

Der Kreis Paderborn unterstützt die Arbeit der Vogelpflegestation daher seit Beginn ideell und seit 2014 mit jährlich 5000 Euro. »Sie leisten hier wirklich einzigartige Arbeit«, betont Hübner.

Einzigartig ist Limpinsels Arbeit, weil er sich auf die Genesung der Tiere konzentriert. In NRW gibt es keine weitere Vogelpflegestation, dieser Größe, so dass sich Limpinsel um die Tiere aus den umliegenden Kreisen kümmert, so auch aus dem Kreis Paderborn. Durch den Hinweis eines Spaziergängers fand Limpinsel im Sommer 2017 in Borchen einen verletzten Uhu und pflegte ihn gesund. Gemeinsam mit Landrat Müller und Dezernent Hübner wilderte er das Tier wenige Monate später wieder aus. »In der Natur hätte der Uhu alleine nicht überlebt«, sagt Limpinsel.

Am Beispiel des Uhus wird die Notwendigkeit der Station besonders deutlich: In Nordrhein-Westfalen war der Uhu Anfang der 1960er Jahre ausgerottet, da die Menschen Angst vor ihm hatten oder seine Konkurrenz bei der Jagd auf Feldhasen und Kaninchen fürchteten. Mitte der 60er Jahre begann die Wiederansiedlung und der Schutz des Uhus. »Dazu gehört es natürlich auch, verletze Tiere aufzunehmen und gesund zu pflegen«, sagt Limpinsel. In der Vogelpflegestation wurden Uhus für die Wiedereinbürgerung gezüchtet und ausgewildert.

Die ersten Bruterfolge im Kreis Paderborn wurden von Wilfried Limpinsel betreut. Der Uhu hat, wie auch Greifvögel, eine wichtige Rolle für das Ökosystem. »Greifvögel sind eine Art Gesundheitspolizei. Sie ernähren sich von anderen Tieren, vor allem von schwachen und kranken«, erklärt Limpinsel während er seine beiden Besucher durch die Volierenanlage führt. Müller und Hübner bleiben immer wieder stehen und betrachten die Tiere in den Volieren. Unter den Pfleglingen sind Turmfalken, Schleiereulen, Bussarde, Rotmilane und seltene Wespenbussarde.

1980 gründete Limpinsel gemeinsam mit seiner Frau Mathilde die Vogelpflegestation für Greifvögel und Eulen. »Damals gab es in der Region keine Vogelpflegestation. Als Vogelschützer sah ich es als meine Aufgabe an, mich um verletzte und hilfsbedürftige Greifvögel und Eulen zu kümmern«, so Limpinsel.

Zehn Hektar groß ist das Gelände der Essenthoer Mühle. Die Vogelpflegestation wurde seit ihrer Gründung immer wieder erweitert – zuletzt 2015 um ein Informationszentrum mit Ausstellungsräumen für Besucher.

In neun festen Volieren mit einer Fläche von insgesamt 230 Quadratmetern und vier Notvolieren werden die Tiere gepflegt und aufgepäppelt. »Ich bereite die Tiere hier bestmöglich auf die spätere Wiedereingliederung in die Natur vor«, sagt Limpinsel und betont, das ›Verhätschelung‹ der Pfleglinge fehl am Platz sei. »Wildvögel müssen Wildvögel bleiben. Nur so kann die Freilassung erfolgreich sein.«

Bei der Freilassung beringt Limpinsel jeden Vogel. Die Ringe stammen von der Vogelwarte auf Helgoland und sind mit einer Nummer und einer Kurzanschrift gekennzeichnet. »Das dient der Erforschung der Vögel. Vogelkundler bekommen so Informationen über das Zugverhalten, die Ernährung und die Lebensdauer der Tiere«, sagt Limpinsel. 5000 Tiere konnte Limpinsel bisher auswildern.

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