Mängel im Hellwegnetz – Entscheidung zur Abmahnung wohl erst später Eurobahn zahlt Millionenstrafe

Paderborn (WB). Nicht nur die Fahrgäste im Teutoburger-Wald-Netz haben Ärger mit der Eurobahn. Auch im Hellwegnetz, das weite Teile von OWL erschließt, hat es in den vergangenen Jahren Probleme gegeben. Das Verkehrsunternehmen hat hier für Versäumnisse 2014, 2015 und 2016 Vertragsstrafen zwischen 600.000 Euro und einer Million Euro pro Jahr zahlen müssen.

Von Bernd Bexte
Im Hellwegnetz fährt die Eurobahn unter anderem zwischen Paderborn und Warburg, hier am Viadukt Altenbeken.
Im Hellwegnetz fährt die Eurobahn unter anderem zwischen Paderborn und Warburg, hier am Viadukt Altenbeken. Foto: C. Köster

Das besagt eine Übersicht, die NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) auf Anfrage der Grünen vorgelegt hat. Er bezieht sich auf Angaben des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL). »Vertragsstrafen sind fällig bei Verspätungen, Zugausfällen, mangelnder Sauberkeit, aber auch nicht eingehaltenen Wartungsintervallen oder zu geringer Zugbegleiterquote«, erläutert dessen Sprecher Uli Beele. Der NWL überprüft das Angebot regelmäßig durch ein aufwendiges Controlling. Zahlen über Strafzahlungen für 2017 liegen noch nicht vor. Das Hellwegnetz (370 Kilometer Schienenstrecke, 5,6 Zugkilometer pro Jahr), auf dem die Eurobahn seit fast zehn Jahren fährt, umfasst die Strecken Münster-Hamm-Bielefeld, Münster-Paderborn-Warburg sowie Dortmund-Soest und Münster-Dortmund.

Größte Baustelle ist derzeit das Teutoburger-Wald-Netz

Nach Angaben des NWL erhält die Eurobahn für den Betrieb der vier Linien jährlich 56 Millionen Euro. Der NWL als Auftraggeber »behält ganz oder anteilig Mittel ein, wenn die vertraglich geschuldeten Leistungen nicht oder nur teilweise erbracht werden«. Zur Gesamtsumme der bisher einbehaltenen Mittel machte der NWL keine Angaben. Die Strafzahlungen werden zur Verbesserung des Schienenverkehrs im Hellwegnetz eingesetzt: Mit dem Geld werden zwei zusätzliche Triebwagen (jeweils 217 Sitzplätze) angeschafft, die ab Dezember in der Hauptverkehrszeit als Zugverlängerungen eingesetzt werden sollen. Dann beginnt eine neue, zwölfjährige Vertragsphase der Eurobahn im Hellwegnetz.

Die größte Baustelle für die Eurobahn ist derzeit aber das Teutoburger-Wald-Netz . Sie hatte die fünf Linien im Dezember übernommen: »Wenn wir dafür die bisherigen Vertragsstrafen auf das Jahr hochrechnen, kämen wir auf eine deutlich höhere Summe als beim Hellwegnetz«, veranschaulicht Beele das Ausmaß der Probleme. Anfang Februar hatte der NWL deshalb, wie berichtet, gegen die Eurobahn eine Abmahnung ausgesprochen , bei anhaltenden Zugausfällen und Verspätungen sogar mit der Vertragsauflösung gedroht. Der Eurobahn war eine Frist bis Ende März gesetzt worden, den Normalbetrieb zu gewährleisten. Ersten Einschätzungen zufolge hat sich die Situation seitdem verbessert. Eine abschließende Bewertung behält sich der NWL aber über den Stichtag 31. März hinaus vor. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTes wird wohl erst die NWL-Verbandsversammlung, die mit Kommunalpolitikern aus ganz Westfalen besetzt ist, am 12. April entscheiden, ob die Abmahnung weitere Konsequenzen haben wird.

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