Bischöfliche Aktion »Adveniat« und KAB wollen sich für streikende Mitarbeiter einsetzen Faethe-Laboranten hoffen auf kirchliche Hilfe

Paderborn (WB). Die Katholische Kirche will sich für die Rechte der streikenden Fae­the-Beschäftigten stark machen. Das ist das Ergebnis eines Treffens zwischen der Geschäftsführung der Bischöflichen Aktion Adveniat und Mitarbeitern des Labors, die höhere Löhne und einen Tarifvertrag fordern. Hauptauftraggeber für Faethe ist die Firma Stute.

Von Per Lütje
Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens nimmt dankbar die Spende von Cornelius Renk entgegen. Er versprach bei dem Treffen im Paderborner Konrad-Martin-Haus auch, sich für die Belange der Fae­the-Mitarbeiter einzusetzen.
Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens nimmt dankbar die Spende von Cornelius Renk entgegen. Er versprach bei dem Treffen im Paderborner Konrad-Martin-Haus auch, sich für die Belange der Fae­the-Mitarbeiter einzusetzen. Foto: Per Lütje

Seit November befinden sich 13 von 22 Beschäftigten der Firma Fae­the-Labor tageweise im Streik (WV vom 15. Dezember). Doch ihre Forderung nach mehr Lohn und einem Tarifvertrag ist bei der Geschäftsführung bislang auf taube Ohren gestoßen. Ebenso in der Chefetage des Unternehmens Stute, für das die Faethe-Laboranten Lebensmittel wie Marmelade und Säfte untersuchen. Nach Angaben der Streikenden wurde ihr Lohn seit 15 Jahren nicht erhöht. Sie würden deutlich schlechter bezahlt als die Mitarbeiter von Stute, für das Faethe fast zu 100 Prozent arbeite.

Faethe-Mitarbeiter suchen Hilfe beim Lateinamerika-Hilfswerk »Adveniat«

Mit ihrer Situation sind die Streikenden an das Lateinamerika-Hilfswerk »Adveniat« herangetreten – und auf offene Ohren gestoßen. Am Freitag trafen sich Vertreter von Adveniat, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und der Gewerkschaft mit Faethe-Mitarbeitern. Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens war eigens aus Essen angereist und sagte den Laboranten seine Hilfe zu: »Wir machen uns für faire Arbeitsbedingungen in Lateinamerika stark. Warum sollen wir das nicht auch für Menschen hierzulande tun, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, wenn auch auf einem anderen Niveau.« Jentgens versprach, »politische Kanäle« zu nutzen und an die Abnehmer der Stute-Produkte ( darunter Aldi und Kaufland, Anm. d. Red. ) heranzutreten, um diese an ihre soziale Verantwortung zu erinnern. Faethe selbst und auch die Geschäftsleitung von Stute verweigerten Mitarbeitern und Gewerkschaft bereits seit Monaten ein Gespräch, sagte Armin Wiese, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten.

Laut Wiese sind die Lohndifferenzen erheblich. Danach erhielten Stute-Facharbeiter einen Einstiegslohn von 16,50 Euro. Die Beschäftigten des Faethe-Labors, langjährige Biologisch- und Chemisch-Technische-Assistenten sowie Fachkräfte für Lebensmitteltechnik, kämen demnach nur auf elf bis zwölf Euro in der Stunde. »Wir wollen mit Faethe ins Gespräch kommen, dass die Mitarbeiter einen Facharbeiterlohn erhalten. Davon sind wir derzeit fünf bis sechs Euro entfernt«, sagte Wiese, der sich kompromissbereit gab, dass diese Lohnerhöhungen nicht »auf einen Schlag« umgesetzt werden müssten.

Laborant Cornelius Renk sammelt 1200 Euro, die er Hilfsprojekten überlässt

Seit November haben 13 der 22 Faethe-Mitarbeiter an insgesamt 15 Tagen gestreikt. Am Freitag folgte der erste Streiktag im neuen Jahr. Zu drastischen Mitteln griff in der Vergangenheit Cornelius Renk. Der Laborant absolvierte einen dreiwöchigen Hungerstreik, verlor dabei 15 Kilogramm Gewicht. In dieser Zeit sammelte er 1200 Euro an Spenden, die er jetzt zur einen Hälfte an Adveniat übergab. Die andere Hälfte ist für die Paderborner Obdachlosenhilfe bestimmt. »Das ist ein tolles Zeichen, in dieser Situation an Menschen zu denken, denen es noch schlechter geht. Davor ziehe ich meinen Hut«, sagte Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens.

Faethe-Mitarbeiterin Kathrin Brandenburg hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es doch noch zu einer Einigung kommt. Sie appelliert auch an das Gewissen der Chefetage: »Wir sind immer für das Unternehmen da, absolvieren Sonntagsdienste und Nachtschichten, die dann in Freizeit abgegolten werden, erhalten zudem kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Ich finde es sehr traurig, wie mit uns umgegangen wird.«

Die 36-Jährige rechnete vor, dass es beim derzeitigen Lohn kaum machbar sei, Rücklagen für das Alter zu bilden oder »mal etwas zu gönnen«. Und Cornelius Renk ergänzte: »Wenn es eine unerwartete Reparatur am Auto gibt, dann kommt man schon ins Schwimmen.« Insofern schlägt er mit seiner nächsten Aktion gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Der Marsberger will von nächster Woche an seinen 40 Kilometer langen Arbeitsweg so oft es geht mit dem Fahrrad zurücklegen. Damit will er einerseits weiterhin öffentlich auf das Schicksal der Faethe-Mitarbeiter aufmerksam machen und andererseits den Geldbeutel und die Umwelt schonen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.