Berührendes Domkonzert in Paderborn reicht von Tradition bis Moderne Die Mischung macht’s

Paderborn (WB). Zum dritten Mal gibt die Paderborner Dommusik zum Abschluss der Weihnachtszeit ein Konzert, an dem diesmal besonders viele junge Menschen beteiligt sind. Neben dem Domchor ist auch die Mädchenkantorei, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, dabei.

Von Juliane Fröhling
Blick in die festlich beleuchtete Bischofskirche: Der um Männerstimmen verstärkte Domchor singt vom Altar im Hochchor aus. Die Gesamtleitung hat Domkapellmeister Thomas Berning, der in die vorgetragenen Stücke einführt.
Blick in die festlich beleuchtete Bischofskirche: Der um Männerstimmen verstärkte Domchor singt vom Altar im Hochchor aus. Die Gesamtleitung hat Domkapellmeister Thomas Berning, der in die vorgetragenen Stücke einführt. Foto: Jörn Hannemann

Die Mischung macht’s – nicht nur bei der Besetzung, sondern auch bei der Auswahl der Stücke und bei der ständig wechselnden Positionierung der Chöre.

So startet der Domchor zunächst oberhalb des Altars mit den Männerstimmen sowie zwei solistischen Knabenstimmen mit »Puer natus in Bethlehem«. Dabei präsentieren die jungen Solisten ihre kraftvollen Stimmen und die Männerstimmen überzeugen mit einem Fingerspitzengefühl für die dynamischen Unterschiede in dem a-capella-Stück. Anschließend wechseln sie in den sogenannten Hochchor des Domes, um von dort aus »In dulci jubilo« und »Die Könige von Tharsis« mit dem gesamten Chor zu Gehör zu bringen. Auch aus dieser weiten Entfernung entwickeln die Knabenstimmen einen vollen, sauberen Klang, der sich mit den kräftigen Herrenstimmen zu einem eindrucksvollen Gesamtklang fügt.

Glockenspiele der Orgel untermalen den festlichen Abend

Zwischen den kurzen Stücken improvisiert Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel und verdeutlicht die festliche und freudige Atmosphäre des gesamten Konzerts. Zwischendurch sind sogar die selten erklingenden Glockenspiele der Orgel zu hören.

Die Mädchenkantorei unter der bewährten Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle singt ihren Part vom anderen Teil der Bischofskirche aus, im Westchor in der Nähe des Paradiesportals. Die Mädchen singen wie die »Weihnachtsnachtigall« aus »Sing und jubiliere« und wagen sich neben dem Deutschen und Lateinischen auch an weitere Fremdsprachen wie Englisch, Französisch oder Schwedisch. Sie begeistern mit einer Ausgewogenheit der einzelnen Stimmen, bei denen jedes Wort zu verstehen ist. Sowohl Domchor als auch Mädchenkantorei nutzen den Klangraum »Dom« vollends aus.

Wechselspiel von Klassikern und unbekannteren Titeln

Es folgt ein munteres Wechselspiel von Domchor und Mädchenkantorei. Während der Domchor die beliebten Weihnachtslieder-Klassiker wie »Kommet ihr Hirten« oder »Es ist ein Ros entsprungen« mit festlichen Chorbearbeitungen in gewohnt hoher Qualität zum Besten gibt, setzt die Mädchenkantorei auf eher weniger bekannte Stücke wie »This little baby« und sorgt für die passende Abwechslung. Auch Tobias Aehlig zeigt sein Können mit »Sicilienne« von Maurice Duruflé. Dies ist zurückhaltend komponiert und bildet einen vielleicht nicht ganz passenden Gegenpol zum restlichen Programm.

Beide Chöre musizieren gemeinsam

Zum Ende des Konzerts folgt das Highlight, indem beide Chöre zusammen musizieren. Von Stück zu Stück steigen, wenn auch die Jüngsten dazu kommen, immer mehr Sängerinnen und Sänger ein, sodass eine eindrucksvolle Gesamtzahl entsteht, die auf das professionelle Dirigat von Domkapellmeister Thomas Berning aufmerksam reagiert. Wie immer ein Gänsehautmoment: »O magnum mysterium« von Morten Lauridsen.

Beide Chöre entwickeln einen gefühlvollen a capella-Klang, der sich im gesamten Dom entfaltet. Außer einigen traditionellen Weihnachtsliedern wird ein spanisches Flair in den Dom gebracht: Mit »Riu, Riu, Chiu«, einem alten spanischen Weihnachtsgesang mit Klatscheinlage, zeigen alle Beteiligten die breite Bandbreite der Paderborner Dommusik. Eins darf außerdem nicht fehlen: Die »Sing-mit-Gemeindelieder« wie »O du fröhliche«. Das Publikum ist begeistert und belohnt mit langem Applaus die sehr gute Leistung von Domchor, Mädchenkantorei und Domorganist.

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