Gewerkschaft IG Metall Paderborn zeichnet Jubilare aus und gibt sich für Verhandlungsrunden kämpferisch »Arbeitszeit muss flexibler werden«

Paderborn (WB). Die Gewerkschaft IG Metall Paderborn hat jüngst ihre Jubilare geehrt, darunter vier Mitglieder für 70-jährige Zugehörigkeit. Josef Voß, ehrenamtlicher Zweiter Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Paderborn, begrüßte die zahlreich erschienenen Jubilare.

Das Foto zeigt einige der ausgezeichneten Jubilare Rechts Carmelo Zanghi, der als erster Bevollmächtigter der IG Metall in Paderborn die Festrede hielt.
Das Foto zeigt einige der ausgezeichneten Jubilare Rechts Carmelo Zanghi, der als erster Bevollmächtigter der IG Metall in Paderborn die Festrede hielt.

Carmelo Zanghi, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Paderborn, hielt im Anschluss eine kurze Rede zur gegenwärtigen Situation der Gewerkschaft. Bis Ende Oktober habe man rund 400 neue Mitglieder aufgenommen, zum großen Teil junge Menschen.

Zanghi fordert »Politik für die Menschen«

Zanghi kritisierte nicht nur das Verhalten der FDP in den Sondierungsgesprächen, sondern auch, dass Themen, die für die Arbeitnehmer wichtig wären, in den Jamaika-Verhandlungen keine Rolle gespielt hätten. Er appellierte an die Politiker: »Ihr seid gewählt, und wir erwarten eine Politik für die Menschen. Dazu gehören Gesetze, die der Arbeitszeit Grenzen setzen, paritätische Finanzierung der Krankenversicherung, Sicherheit und berufliche Perspektive in der Industrie 4.0, gleiche Bildungschancen für alle, Gesetze gegen Tarifflucht, höheres Rentenniveau.« Der Gewerkschafter verwies darauf, dass die IG Metall in der aktuellen Tarifrunde nicht nur sechs Prozent mehr Einkommen fordert, sondern zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder ein Arbeitszeitthema in den Vordergrund stellt, nämlich die Möglichkeit, zeitlich befristet seine Vollzeit auf 28 Stunden die Woche zu reduzieren.

Beschäftigte benötigen eine Flexibilisierung der Arbeitszeit

Im vergangenen Jahr hatte eine Befragung von mehr als 681.000 Beschäftigten gezeigt, dass viele eine Flexibilisierung der Arbeitszeit brauchen, die man selbst beeinflussen kann. »Das Leben ist ja kein Tempomat«, so Carmelo Zanghi wörtlich. »Die Geschwindigkeit im Leben ist nicht immer gleich. Manchmal können wir im Job ordentlich Gas geben. Manchmal aber auch nicht: Kinder brauchen ihre Eltern mal mehr, mal weniger. Oder plötzlich haben wir einen Pflegefall in der Familie.« Wenn die Arbeitgeber heute dagegen mit der Aussage vom Facharbeitermangel antworteten, dann seien diese doch selbst dafür verantwortlich, denn nur noch 20 Prozent der Betriebe bildeten überhaupt aus.

Laudatio mit Geschichtsbezug

Anke Unger vom Deutschen Gewerkschaftsbund hielt eine Laudatio für die Jubilare. Sie ließ noch einmal Revue passieren, was in den jeweiligen Eintrittsjahren der Jubilare in der Welt so passiert sei. Vor 70 Jahren, im Jahre 1947, schlug der amerikanische Außenminister den Marshall-Plan vor. Vor 60 Jahren, 1957, startete die Sowjetunion mit Sputnik den ersten Satelliten ins All und schockierte damit die westliche Welt. In Deutschland ging nach 114 Tagen der längste Streik in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende: Die Metallarbeiter in Schleswig-Holstein hatten die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für Arbeiter durchgesetzt, die später auch in die Gesetzgebung einging.

1967, vor 50 Jahren, protestierte die Jugend gegen den Unsinn des Vietnamkrieges, in den USA wurde die Hippiebewegung populär. Vor 40 Jahren, 1977, beschloss die IG Metall die Forderung nach der 35-Stunden-Woche. In der Bundesrepublik wurden im »Deutschen Herbst« der Generalbundesanwalt Buback, der Chef der Deutschen Bank Ponto und der Arbeitgeberpräsident Schleyer Opfer der RAF.

  Vor 25 Jahren, 1992, wurde in Deutschland die DDR-Vergangenheit aufgearbeitet. Viele Menschen waren schockiert über die Enthüllungen in den Stasi-Akten der Gauck-Behörde. In Rostock gab es erste Ausschreitungen gegen Flüchtlinge und in Mölln wurden gar ausländische Mitbürger von Neonazis durch einen Brandanschlag ermordet. Sabine Unger und ihre Band spielten viele stimmungsvolle Lieder, in denen auch soziale und gesellschaftskritische Themen angesprochen wurden.

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