Viele Händler beklagen Umsatzrückgänge – schuld ist das Wetter Stiller Tag auf dem Weihnachtsmarkt

Paderborn (WB). Für die meisten Beschicker des Paderborner Weihnachtsmarktes verliefen die ersten drei Wochen enttäuschend. Schuld daran ist in erster Linie das Wetter.

Von Manfred Stienecke
Gesine Kreutter-Launhardt töpfert Geschirr mit Paderborn-Motiven.
Gesine Kreutter-Launhardt töpfert Geschirr mit Paderborn-Motiven. Foto: Stienecke

»So schlecht wie in diesem Jahr lief es noch nie«, sagt Bethel Thelen. Der 65-Jährige aus alter Paderborner Schaustellerfamilie steht mit seinen zwei bis drei Mitarbeitern oft beschäftigungslos hinter der Pfanne mit den gebratenen Champignons. »Die Leute kommen immer später. Tagsüber ist es auf dem Markt doch sehr ruhig. Erst nach 16 Uhr wird es langsam voller.« Er schätzt den Umsatzrückgang gegenüber den Vorjahren auf rund 30 Prozent.

Auch Fridolin Engel, der schon seit 14 Jahren regelmäßig im Advent mit seinem Stand aus Ravensburg nach Paderborn auf den Marktplatz kommt, zuckt resigniert die Schultern. An so schlechtes Wetter am Stück wie in diesem Jahr kann ich mich nicht erinnern«, sagt er. Dadurch sei der Markt deutlich schlechter besucht als gewohnt. Sein im Holzofen gebackenes Brot und die mit Zwiebeln und Speck belegten »Dinnede«, eine Art Flammkuchen, gehen in diesem Jahr einfach nicht so weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Trotz des verregneten Advents lassen sich Ewald (59) und Rosalie (56) Böggemann aus Mettingen im Kreis Steinfurt die Laune nicht verderben. Sie verkaufen mit ihren beiden Söhnen Sven (31) und Frederik (30) an gleich zwei Ständen selbst gefertigte Holzschnitzereien und Handwerkskunst aus dem Erzgebirge. »Wir haben viele Stammkunden«, sagt der Holzbildhauermeister Ewald Böggemann. Gefragt seien vor allem Artikel mit Paderborn-Motiven wie die Plätzchenrolle für das Drei-Hasen-Gebäck. Neu im Programm hat er einen Schwibbogen mit Paderborner Dom, der dezent mit LED-Licht beleuchtet ist. »Todschick« fänden ihn die Leute.

Gute Erfahrungen mit speziellem Paderborn-Design macht seit vielen Jahren schon auch Gesine Kreutter-Launhardt. Sie fertigt in ihrer Töpferei in Bad Oeynhausen Teller, Tassen und Müslischalen sowie als absolute Marktneuheit eine Keramik-Türklingel mit dem Drei-Hasen-Motiv, die auf dem Paderborner Weihnachtsmarkt reißenden Absatz finden. Besonders die Engländer seien ganz verrückt danach, sagt sie. Dem bevorstehenden Abschied der britischen Rheinarmee sieht sie daher sehr sorgenvoll entgegen.

Weniger witterungsgeplagt scheinen die Getränkestände zu sein. Glühwein, Pflaumen- und Eierpunsch sind jetzt erst recht gefragt und laufen dem kalten Bier den Rang ab. »Am Freitagabend waren wir komplett ausgebucht«, berichtet ein Mitarbeiter der »Altdeutschen Bierstube«. An den Wochenenden reservierten ganze Gruppen die Tische.

Auch in der »Lenz Weihnachtsbar« ist Betreiber Olaf Gieseke zufrieden. »Tagsüber ist es ruhiger, aber zum Feierabend hin wird es voller.« Das Hauptgeschäft laufe ohnehin an den Wochenenden. Einen leichten Umsatzrückgang mag aber auch er nicht ausschließen. »Vielleicht haben die Leute ja auch weniger Geld zur Verfügung.«

Gute Miene zum Wetter macht Markus Wilhelm am Süßigkeitenstand »Wenig Zucker, viel Geschmack«. »Ich kann nicht meckern«, sagt er. »Wir haben zu 80 Prozent Stammkunden, und die kommen auch bei Regen.«

Vom ungemütlichen Wetter profitieren müsste eigentlich der Strickwarenstand, an dem sich Student Till Nürnberger (21) nach eigenem Bekunden elf Stunden am Tag die Beine in den Bauch steht. »Das Geschäft läuft in diesem Jahr überhaupt nicht. Ich habe erst drei Schals verkauft«, klagt er. »Das einzige, das gut läuft, sind Stirnbänder. Die sind momentan in Mode.« Die Umsatzflaute ruiniert ihn aber nicht. Er bekommt für seinen Studentenjob einen festen Stundenlohn.

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