Wissenschaftler plädieren für Test am Ende der Grundschulzeit Studie: Schulnoten bilden Leistungen nicht fair ab

Paderborn (WB). Experten fordern einen verpflichtenden Test für Viertklässler, um Empfehlungen für die weiterführenden Schule fairer zu machen. Das ist das Ergebnis einer Studie, an der auch Schüler aus Paderborn teilnahmen.

Von Bernd Bexte
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Symbolbild. Foto: dpa

Die Entscheidung am Ende der Sekundarstufe 1, also beim möglichen Übergang in die gymnasiale Oberstufe, stimme auch oft mit dem Leistungspotenzial der Schüler nicht überein. Zu diesem Ergebnis kommt die von der Stiftung Mercator (Essen) geförderte Studie der TU Dortmund. Schulempfehlungen und -entscheidungen seien noch immer von sozialer Ungleichheit geprägt.

Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern besuchten seltener das Gymnasium als Kinder aus Akademikerhaushalten – selbst bei gleichen Kompetenzen, gleichem kognitivem Potenzial und gleichen Noten in der 4. Klasse. Erstmalig habe die Studie dies auch für den Übergang von der nicht-gymnasialen Sekundarstufe I in die gymnasiale Oberstufe in NRW gezeigt.

Experten empfehlen Leistungstests

»Die Studie verdeutlicht, dass man bei schulischen Übergängen Gefahr läuft, Potenziale zu verschenken. Aus gesellschaftlicher Sicht sind die Kosten, die durch unzureichende Bildung entstehen, enorm«, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Ricarda Steinmayr. Grundschüler sei in 20 Prozent der Fälle nach einem Lese- und Mathe-Kompetenztest eine andere Schulform empfohlen worden, als es nach der bisher »notenbasierten Strategie« der Fall war. Unter den Viertklässlern aus bildungsfernen Familien würden demnach 12 Prozent nun doch eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen.

Und ebenso würden 12 Prozent der getesteten Grundschüler aus Familien mit hohen Abschlüssen keine Gymnasialempfehlung mehr erhalten. 14 Prozent der Kinder mit Hauptschulempfehlung verfügten entgegen der Benotung über ein überdurchschnittliches oder weit überdurchschnittliches kognitives Potenzial. Von den Kindern mit einer Realschulempfehlung traf dies sogar auf 23 Prozent zu.

Die Autoren der Studie regen daher an, für Übergangsempfehlungen künftig zusätzlich zu Noten auch die Ergebnisse objektiver Leistungstests sowie solcher zur Messung des individuellen kognitiven Potenzials zu berücksichtigen. Bei der Entscheidung für eine bestimmte Schulform könnten schlechte Noten durch gute Testergebnisse, und schlechte Testergebnisse durch gute Noten kompensiert werden. Die Tests könnten Lehrkräften »in ihrer Beratungs- und Beurteilungsfunktion unterstützen«.

Ergebnisse kommen nicht überraschend

Für die Lehrergewerkschaft GEW kommen die Ergebnisse nicht überraschend. Lehrer würden ihre Empfehlung auch nach der zu erwartenden Unterstützung aus dem Elternhaus bei der weiteren Schullaufbahn des Kindes treffen. »Das Problem der Übergangsempfehlung entsteht im Übrigen vor allem durch die zu frühe Verteilung auf bestimmte Bildungsgänge«, sagte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer dem WESTFALEN-BLATT.

Der Lehrerverband VBE lehnt zusätzliche Tests ab und fordert stattdessen mehr Kooperation zwischen verschiedenen Schulen beim Schulwechsel. Für die Untersuchung machten 1092 Jugendliche der neunten Jahrgangsstufe von Haupt-, Real- und Gesamtschulen – darunter Schüler aus Paderborn – sowie 837 Viertklässler in NRW einen Test. Die Lehrkräfte gaben Einschätzungen ab.

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Auch keine Lösung

Die Grundschulempfehlung ist nicht zu retten, schon aus Gründen der weiteren kognitiven Entwicklung (man denke nur an die Pubertät). Dies ist ein schwacher Versuch, das leistungsschwache, gegliederte System zu retten. Wir brauchen eine Schule von 1-13 - wie anderswo auch.

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