Landgericht weist 45-Jährigen in die Psychiatrie ein Obdachloser schlägt zu

Paderborn/Warburg (WB/upf). Er lebt sprichwörtlich unter der Brücke. Und explosive Gewaltausbrüche begleiten den 45-jährigen Warburger, der im Paderborner Straßenbild bekannt ist, seit Jahrzehnten – Folge einer psychischen Erkrankung. Jetzt schickt das Landgericht Paderborn den Obdachlosen nach mehreren Körperverletzungen in die Psychiatrie.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Es ist die traurige Geschichte vom Scheitern aufgrund einer Krankheit. Der gebürtige Warburger hat einen Schulabschluss, wollte Polizist werden, lernte dann Straßenbauer. Irgendwann verlor er seinen Job, begann zu trinken. Von 1992 bis 1999 stand er fünf Mal wegen Körperverletzung vor dem Kadi, bis ihn das Landgericht Paderborn in eine psychiatrische Klinik einwies: Der Mann leidet unter einer paranoiden Schizophrenie.

2006 kam er wieder raus, medikamentiert, mental stabil, mit einem Job und einer Beziehung. Aber als 2010 die Führungsaufsicht endete, rutschte er wieder ab, verlor alles. Zuletzt lebte der 45-Jährige in der Nähe des Paderborner Hauptbahnhofs in einem Erdloch – ein Aufenthalt in einer Obdachloseneinrichtung währte wegen seines aggressiven Verhaltens nicht lange.

Am Freitag saß der 45-Jährige wieder auf der Anklagebank. Die paar Diebstähle waren nicht das, worum es wirklich ging – vielmehr seine massiven Attacken auf Mitbürger. So hatte er im Juni 2016 einem Kneipengast mit einem Faustschlag den Kiefer doppelt gebrochen, weil er meinte, der Mann hätte über ihn gelacht. Einen Mitarbeiter in einem Einkaufsmarkt hatte er im September 2015 mit Schlägen und Tritten traktiert, als er beim Klauen von Frikadellen erwischt worden war. Ebenso hatte er nach einem Zeugen geschlagen, der ihm beim Diebstahl eines Fahrrads am Diebesweg in die Quere kam. Und bereits im Juni 2013 hatte er in Bielefeld einen Anwohner zu Boden geschlagen und gegen den Kopf getreten, der ihn zur Rede stellte, weil er an dessen Haus uriniert hatte.

Aus dem 46-Jährigen etwas zu den Taten herauszubekommen, war für das Gericht nicht ganz einfach: Er gab zwar einige Vorfälle zu, sprach aber sprunghaft und schilderte manche Abläufe aus seiner krankheitsbedingten verschobenen Sicht. »So viel Papierkram für ein Fahrrad und eine offene Augenbraue«, meinte er über den Prozess, und er habe sich ja nun recht wenig zuschulden kommen lassen für jemanden, der seit vier Jahren unter freiem Himmel leben müsse.

Der 46-Jährige sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, stellte der psychiatrische Gutachter Dr. Michael Hintersdorf fest. Er empfahl dem Gericht die Unterbringung in der Psychiatrie.

So urteilte die Strafkammer auch: Sie sprach den 46-Jährigen zwar wegen Schuldunfähigkeit frei, verfügte aber seine Unterbringung. Verteidiger Benedikt Klein hatte erfolglos die Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung beantragt: Hierfür seien die Voraussetzungen nicht erfüllt, so Richter Bernd Emminghaus.

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