Erfinder aus Paderborn hat die Lösung für das Tisch-Problem Da wackelt nichts

Paderborn (WB). Die Idee vom nicht wackelnden Gartentisch gibt es vermutlich so lange, wie es Tische gibt. Dr. Rainer Janssen aus Paderborn hat es jetzt endlich erfunden: das Möbelstück, das sich dank Sensoren, elektronischer Steuerung und vier Motoren ganz allein »gerade« macht.

Von Ingo Schmitz
Dr. Rainer Janssen aus Paderborn hat einen Tisch entwickelt, der sich automatisch austariert und nicht wackelt. In jedem Tischbein steckt ein Motor, die Steuerung ist unter der Tischplatte versteckt. Jetzt sucht er für seine Idee einen Vermarkter.
Dr. Rainer Janssen aus Paderborn hat einen Tisch entwickelt, der sich automatisch austariert und nicht wackelt. In jedem Tischbein steckt ein Motor, die Steuerung ist unter der Tischplatte versteckt. Jetzt sucht er für seine Idee einen Vermarkter. Foto: Jörn Hannemann

Auf den Namen »Sellny« hat der 67-jährige Ingenieur, der ehemals bei Nixdorf und Siemens im Bereich Entwicklung gearbeitet hat, seine Erfindung getauft. Ob Camping, Cafés, Biergärten oder heimischer Garten: Die Einsatzgebiete sind seiner Meinung nach vielfältig. »Eine Eisdiele war schon bereit, 20 Tische zu kaufen«, erzählt der Erfinder, der mit zahlreichen weiteren Tüftlern aus OWL dem Erfinderclub in Paderborn angehört.

Silbermedaille für Sellny bei der Erfindermesse IENA

Derzeit ist er auf der Suche nach einer Firma, die den Tisch in Lizenz bauen und verkaufen will. Mit der Vorführung seines Prototypen sorgt er stets für Begeisterung – auch beim Fachpublikum. Bei der Erfindermesse IENA in Nürnberg hat er für Sellny eine Silbermedaille erhalten. Kein Wunder: Die Technik ist beeindruckend. In jedem Tischbein steckt ein Motor – die Steuerung ist unter der Tischplatte versteckt. Sie setzt den Tisch dank zweier Neigungssensoren in Längs- und Querrichtung in die Waage.

Betrieben werden die Motoren mit Akkus. Bis zu 70 Kilo kann jeder Motor stemmen, sie könnten also auch in Stühlen zum Einsatz kommen. »Es hat mich gestört, dass mein Gartentisch immer gewackelt hat. Ein Jahr Entwicklungsarbeit steckt in dem Projekt mit etlichen hundert Stunden Arbeit«, verrät der Ingenieur. Wie gut die Chancen sind, seine Idee auf den Markt zu bringen, ist derzeit noch unklar.

In USA bereits auf dem Markt

Auf dem Weg, ein Erfolg zu werden, ist aber bereits eine andere Erfindung des Paderborners. Der Name des variablen Tisches: Laptop 22. Dahinter verbirgt sich ein höhenverstellbarer Laptoptisch, der das Arbeiten im Stehen ermöglicht. Stabil, trotzdem platzsparend, leicht und transportabel: Das waren die Anforderungen an den Tisch, die allesamt erfüllt werden. Die Höhenverstellung geschieht in drei Stufen. 2008 hat Dr. Rainer Janssen dafür das erste Patent angemeldet. Inzwischen hat es der Tisch zwar nicht in Deutschland, aber in den USA auf den Markt geschafft. »Das war ein langer Weg«, sagt Janssen. 175 Dollar kostet der Laptop 22 bei der Firma Varidesk, der auch beim amerikanischen Internethändler Amazon zu haben ist.

Wie schwierig und teuer es ist, Patente anzumelden und die Erfindungen auf den Markt zu bringen, davon kann auch Clubmitglied Holger Pfannschmidt ein Lied singen. Der 49-Jährige hat einen Nassrasierer-Reiniger entwickelt. In Sekundenschnelle sind mit seiner Düse die Klingen von Seifenresten und Bartstoppeln befreit. Die Suche nach einem Hersteller, der die Düse in großer Stückzahl baut, wird aber vermutlich Monate oder gar Jahre dauern.

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