Telefonseelsorge: E-Mail-Anfragen nehmen deutlich zu Viele sind am Wochenende einsam

Paderborn (WB). Generalvikar Alfons Hardt hat sich mit den hauptamtlichen katholischen Seelsorgern der sechs Telefonseelsorge-Einrichtungen im Erzbistum zum Austausch getroffen. Die Einrichtungen werden gemeinsam von der katholischen und evangelischen Kirche getragen.

Generalvikar Alfons Hardt (vorne, 2. von rechts) berät die Telefonseelsorge im Erzbistum und hat sich mit den Seelsorgern ausgetauscht: (von links) Monika Krieg, Stephan Lange, Michael Hillenkamp, Dr. Stefan Schumacher, Generalvikar Alfons Hardt, Michael Grundhoff, Elisabeth Kamender und Bernd Wagener.
Generalvikar Alfons Hardt (vorne, 2. von rechts) berät die Telefonseelsorge im Erzbistum und hat sich mit den Seelsorgern ausgetauscht: (von links) Monika Krieg, Stephan Lange, Michael Hillenkamp, Dr. Stefan Schumacher, Generalvikar Alfons Hardt, Michael Grundhoff, Elisabeth Kamender und Bernd Wagener. Foto: Thomas Throenle

Die katholischen Leiter und stellvertretenden Leiter der Telefonseelsorge Bielefeld, Dortmund, Hagen, Hamm, Paderborn und Siegen sprachen mit dem Generalvikar über aktuelle Entwicklungen in der Arbeit.

Bundesroutingbeauftrage Elisabeth Kamender von der Telefonseelsorge Bielefeld informierte über die neueste Erhebung der technischen Anruferdaten und verdeutlichte so, dass eine emotionale Unterstützung für Anrufer insbesondere an den Wochenenden bedeutsam sei. Aufgrund der hohen Anruferzahlen an Wochenenden sei der Wunsch nach einem Gespräch nicht annähernd zu decken, führte sie aus.

Mit Sorge betrachten die Mitarbeiter die dahinter liegende Einsamkeit, die zunehmend zu einer immer mehr Menschen betreffenden Alltagsrealität werde. Schwerpunkt des Gesprächs mit Generalvikar Alfons Hardt war die Präsenz der Telefonseelsorge in den digitalen Medien.

Die E-Mail- und Chat-Arbeit der Telefonseelsorge entwickle sich erwartungsgemäß zu einer gerade bei jüngeren Menschen angefragten Unterstützung, so die katholischen Leiter der TelefonSeelsorge-Einrichtungen im Erzbistum. Viele Jüngere würden diese Möglichkeit nutzen, um sich in einem vorsichtigen Tasten die eigenen Sorgen von der Seele zu schreiben. Bernd Wagener aus Siegen und Monika Krieg aus Paderborn führten aus, dass durch das Schreiben Erfahrungen von erlittener Gewalt, von diffusen Ängsten und seelischen Nöten gewissermaßen sortiert, benennbar und mitteilbar gemacht werden. Im Austausch der E-Mails zwischen Ratsuchendem und Berater sei es möglich, die darunter liegenden Probleme zu benennen und Strategien zur Bewältigung zu entwickeln. Die Nachfrage nach dieser Art von Begleitung sei wesentlich höher, als derzeit zu leisten sei.

In nächster Zeit werden die Telefonseelsorger-Stellen in der Erzdiözese versuchen, ihre Angebote noch besser an sich verändernde Bedarfe anzupassen. Zu den digitalen Zukunftsideen der Telefonseelsorge gehört auch die Entwicklung einer APP, die wie eine Art Kompass in Krisensituationen fungieren soll. Entscheidende Vorarbeiten sind in einer kleinen Projektgruppe schon geleistet worden. Damit dieses Projekt realisiert werden kann, müssen aber noch ausreichend Finanzmittel zur technischen Umsetzung gewonnen werden.

Der Hagener Telefonseelsorger Dr. Stefan Schumacher konnte im Gespräch auf eine innovative Schulungsmöglichkeit hinweisen: Europaweit hat Schumacher in einem Projekt mit Telefonseelsorge-Stellen und wissenschaftlichen Instituten Zuhörkompetenzen wissenschaftlich erforscht und ein Praxistraining entwickelt. Die internationale Forschung bestätige demnach die gute Wirkung hilfreicher Gespräche, ebenso die Notwendigkeit, die Zuhörkompetenzen kontinuierlich zu schulen. Zuhören sei nämlich nicht ein passives Aufnehmen, vielmehr ein sehr aktives gemeinsames Suchen, das von Respekt und der Fähigkeit zum Mitgefühl geprägt ist.

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