Neue Bronzeglocke für den Dom wiegt 13 Tonnen – Erzbischof beim Guss in den Niederlanden Paderborn läutet künftig in E-Dur

Paderborn/Zaltbommel (WB). Paderborn spielt künftig in der Champions-League – zumindest, wenn es eine Königsklasse für Kirchenglocken gäbe. In den Niederlanden wurde am Donnerstag die Christus-Friedensglocke gegossen, die mit 2,80 Metern Durchmesser die zweitgrößte Bronzeglocke Deutschlands ist und 2018 zum ersten Mal im Paderborner Dom erklingen soll.

Von Per Lütje
Kurz vor dem Guss bekommt die flüssige Bronze durch Zugabe von Goldstaub den letzten Schliff. Die 1100 Grad heiße Masse muss um 50 Grad abkühlen, ehe sie in die Form fließen darf. Andernfalls kann es zu Spannungen und sogar Rissen im Material kommen.
Kurz vor dem Guss bekommt die flüssige Bronze durch Zugabe von Goldstaub den letzten Schliff. Die 1100 Grad heiße Masse muss um 50 Grad abkühlen, ehe sie in die Form fließen darf. Andernfalls kann es zu Spannungen und sogar Rissen im Material kommen. Foto: Besim Mazhiqi

Zahlreiche Geistliche aus dem Erzbistum Paderborn machten sich mit Erzbischof Hans-Josef Becker an der Spitze auf den Weg ins knapp 300 Kilometer entfernte Zaltbommel. Dorthin war bereits vor einigen Wochen mithilfe eines Schwertransportes die aus Steinen, Sand und Wachs gefertigte und mit einem Stahlgerippe ummantelte Gussform (»falsche Glocke«), die in der Königlichen Gießerei Royal Eijsbouts in Asten entstanden ist, gebracht worden. 

Bronze wird auf 1050 Grad erhitzt

Um Punkt 12.30 Uhr flossen 18,5 Tonnen auf 1050 Grad erhitzte Bronze in einem Mischungsverhältnis von 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn in die Form – für Unternehmenschef Joost Eijsbouts eigentlich Routine.

Schließlich hat der Familienbetrieb bereits die 22 Tonnen schwere Glocke, die 2012 zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London erklang und das mit 36,5 Tonnen Gewicht größte Geläut der Welt, das in Japan in Sichtweite des Fujijamas zu hören ist, erschaffen. »Ich würde aber lügen, wenn ich sagte, dass nichts schiefgehen kann, denn jede Glocke ist ein Einzelstück, an dessen Fertigung Menschen beteiligt sind.«

Zehn Tage lang abkühlen

Nicht zu heiß und nicht zu kalt darf das flüssige Metall sein, das nicht etwa von oben nach unten in die Glockenform gefüllt wird, sondern das am Boden eingeleitet und durch den Druck nach oben gedrückt wird.

»Wenn die Temperatur nicht passt, können Spannungen entstehen, unter denen das Material und auch der Klang leiden«, erklärt Eijsbouts. So wird es denn auch etwa zehn Tage dauern, bis die Bronze auf unter 200 Grad abgekühlt ist und die Form entfernt werden kann.

Liboriusglocke mit 4,8 Tonnen bislang das Schwergewicht

 Bislang ist die Liboriusglocke mit 4,8 Tonnen buchstäblich das Schwergewicht der sechs stählernen und 1951 in Bochum gegossenen Klangkörper im Dom . Mit der Erweiterung um die Christus-Friedensglocke und zusätzlich einer kleinen Glocke mit einer Tonne Gewicht stößt der Paderborner Dom nicht nur in neue Gewichtsdimensionen vor, sondern setzt künftig auch klanglich Maßstäbe.

»Die Besonderheit der neuen Bassglocke ist, dass neben e als zweiter Ton hörbar gis mitstimmen wird. Dadurch können die Glocken die komplette E-Dur-Tonleiter abbilden«, erklärt Theo Halekotte.

Finanzierung ausschließlich über Spenden

Finanziert werden die beiden neuen Glocken, die am Ostermontag auf dem Paderborner Domplatz geweiht werden sollen, ausschließlich über Spenden. Nach Angaben von Dompropst Joachim Göbel sind gut 75 Prozent der benötigten 300.000 Euro bereits auf einem eigens für diesen Zweck eingerichteten Spendenkonto bei der Bank für Kirche und Caritas eingegangen.

Dazu beigetragen hat unter anderem der Paderborner Bürgerschützenverein, der auch mit Oberst Thomas Spieker beim Glockenguss vertreten war.

Erstmals zu hören sein wird das neue Geläut des Doms nach fast einjähriger Glockenruhe am 22. Juli 2018 zum 950-jährigen Weihejubiläum des von Bischof Imad im Jahr 1086 erweiterten Doms.

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