Unfall: Mitarbeiterin eines Altenheims hatte die Bremse nicht richtig betätigt Prozess um tote Rollstuhlfahrerin

Paderborn (WB). Eine 90 Jahre alte Frau ist im Kreis Paderborn ums Leben gekommen, weil eine Hilfskraft die Bremse am Rollstuhl der alten Dame nicht richtig betätigt hatte.

Von Christian Althoff
Die angeklagte Betreuungshelferin war im Umgang mit Rollstühlen nicht geschult.
Die angeklagte Betreuungshelferin war im Umgang mit Rollstühlen nicht geschult.

Zu diesem Ergebnis ist eine Richterin des Paderborner Amtsgerichts gekommen. Weil die Verursacherin aber möglicherweise gar nicht wissen konnte, wie mit der Bremse umzugehen war, wurde das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Der Unfall geschah im Sommer vergangenen Jahres während des Schützenfestes. Die örtlichen Schützen hatten sich in dem Altenheim angesagt, und Betreuungshelferinnen wurden angewiesen, die alten Menschen in ihren Rollstühlen vor das Heim zu schieben.

So brachte eine Mitarbeiterin auch die 90-Jährige, die sich zur Kurzzeitpflege in der Einrichtung aufhielt, gegen 15 Uhr in ihrem Rollstuhl nach draußen. Dann ging sie zurück ins Haus, um den nächsten Bewohner zu holen. Womit die Mitarbeiterin nicht gerechnet hatte: Der Rollstuhl der betagten Frau machte sich auf dem starken Gefälle vor dem Heim selbständig und rollte los. Bevor jemand eingreifen konnte, prallte der Rollstuhl gegen eine Leitplanke.

Rollstuhl nicht richtig bedient

Rechtsanwalt Olaf Scholz aus Bad Lippspringe, der die Angehörigen des Opfers vertritt: »Die alte Dame erlitt zahlreiche Knochenbrüche. Ohne ärztliche Hilfe zu holen brachten zwei Heimmitarbeiter die Frau in ihr Bett.« Erst später habe ein Krankenwagen die Schwerverletzte abgeholt, und im Heim sei mit den übrigen Bewohnern das Schützenfest gefeiert worden. Olaf Schmitz: »Das Opfer starb zwei Tage später im Krankenhaus.«

Ein Gutachter kam zu dem Ergebnis, die Betreuungshelferin habe den Rollstuhl nicht richtig bedient. Vor Gericht sagten die angeklagte Helferin und eine Kollegin aus, dass sie nie in die Bedienung der Rollstühle eingewiesen worden seien. Vor allem deshalb ging der Prozess glimpflich für die Angeklagte aus.

Rechtsanwalt Schmitz hofft jetzt, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Verantwortliche des Heims einleitet. Dessen Haftpflichtversicherung hat bereits die Beerdigungskosten und ein Schmerzensgeld gezahlt.

Kommentare

Einig

Da waren sich die Angeklagte und ihre Kollegin ja offensichtlich einig. Und von selbst auf die Idee zu kommen, daß ein Rollstuhl sich auf abschüssigem Gelände selbständig machen kann? Verbiete bestimmt irgendeine Dienstvorschrift, vermute ich.

Den Angehörigen, die die 90-jährige der Kurzzeitpflege anvertraut (!) haben, wünsche ich viel Kraft und der Verstorbenen ihren Frieden.

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