Haus- und Fachärzte in Paderborn sind zum großen Teil über 55 Jahre alt Praxensterben hat begonnen

Paderborn (WB). Der Ärztemangel ist in Paderborn angekommen. Das zeigen die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung: Von den 149 Hausärzten im Stadtgebiet sind deutlich mehr als die Hälfte älter als 55 Jahre (59,8 Prozent). 18,8 Prozent sind sogar älter als 65. Nachwuchs ist nicht in Sicht – das Praxensterben hat begonnen.

Von Ingo Schmitz
Im Ärztehaus an der Detmolder Straße ist zuletzt eine Doppelpraxis geschlossen worden. Ein kleines Schild weist die Patienten darauf hin. Die Kassenärztlichen Vereinigung hat jetzt alarmierende zahlen für den Kreis Paderborn vorgelegt.
Im Ärztehaus an der Detmolder Straße ist zuletzt eine Doppelpraxis geschlossen worden. Ein kleines Schild weist die Patienten darauf hin. Die Kassenärztlichen Vereinigung hat jetzt alarmierende zahlen für den Kreis Paderborn vorgelegt. Foto: Besim Mazhiqi

Beispiel Tegelweg: Hier hat Dr. Rudolf Jopen, Leiter des Praxisnetzes Paderborn, seine Behandlungsräume. Im weiteren Umfeld gibt es bereits Auflösungserscheinungen. »In der Detmolder Straße gab es noch eine Doppelpraxis, die plötzlich geschlossen hat. Ich schätze, dass 1500 Patienten davon betroffen waren. Und noch ein weiterer Kollege ist in den Ruhestand gegangen«, führt der Mediziner die Entwicklungen vor Augen. Dennoch werde kein Patient – vor allem Notfälle – abgewiesen. Generell müssten sich jedoch die Bürger auf längere Wartezeiten bei Terminen einstellen.

Antrag von der CDU-Fraktion

Auf das zunehmend größer werdende Problem des Ärztemangels hat die CDU-Fraktion am Dienstagabend im Paderborner Stadtrat hingewiesen. Fraktionschef Markus Mertens wollte die Verwaltung damit beauftragen, ein Konzept zu erstellen, wie zumindest mittel- bis langfristig zusätzliche Hausärzte in der Stadt Paderborn angesiedelt werden können. An diesem Vorschlag entzündete sich ein Schlagabtausch. Johannes Knaup (LKR) erwiderte, dass dies ein Thema sei, das nicht lokal gelöst werden könne. »Paderborn hat das nicht in der Hand«, stellte er fest. CDU, FDP und Grüne setzten sich jedoch mit ihrer Mehrheit durch. Die Verwaltung soll nun nach Lösungen suchen.

Doch welche Einflussmöglichkeiten haben Verwaltung und kommunale Vertreter auf die Ansiedlung von Ärzten? Dr. Rudolf Jopen hält die Möglichkeiten der Einflussnahme für gering. »Auch wenn es mancher, der hier lebt, nicht verstehen mag: Paderborn steht nicht im Fokus der jungen Leute. Die Stadt kann uns Mediziner nur durch Öffentlichkeitsarbeit unterstützen und dafür sorgen, dass Ärzte hier Wohnraum bekommen«, erklärte Jopen gestern auf Anfrage. Im Gegenzug sei die Bundespolitik vielmehr gefordert, die Rahmenbedingungen zu ändern.

"

»So lange meine Kräfte durchhalten, werde ich weiter arbeiten.«

Dr. Rudolf Jopen

"

Der Paderborner Mediziner ist das beste Beispiel für die Entwicklungen im Bereich der Hausärzte. Dr. Jopen selbst ist 67 Jahre alt und denkt noch nicht ans Aufhören. Der Grund: »Es gibt keine Nachfolger«, erklärt er. »So lange meine Kräfte durchhalten, werde ich weiter arbeiten. Für Mediziner gibt es ja keine Altersgrenze«, erläutert der Hausarzt.

Mehr Männer zulassen

Er plädiert dafür, dass bei der Auswahl von Medizinstudenten nicht allen auf den Numerus Clausus geschaut werden dürfe. Es brauche auch andere Kriterien. »Wir haben einen Überhang an Frauen. Es müssen mehr männliche Bewerber berücksichtigt werden«, meint Dr. Jopen. Durch ihre Rolle als Mutter fielen Frauen im Beruf zeitweise aus, was zu einer Verschärfung des medizinischen Nachwuchsproblems führe. Hinzu komme, dass es auch im Hausärztebereich immer weniger Bewerber gebe, die bereit seien, mehr als acht Stunden zu arbeiten.

Hausärzte und Krankenhäuser haben daher einen Weiterbildungsverbund (wbv) Allgemeinmedizin Paderborn gegründet, um die fünfjährige Facharztausbildung so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten. Dazu zähle neben einer fundierten Weiterbildung auch die Hilfestellung bei Wohnungssuche, Kinderbetreuung und Jobsuche für die Partnerin oder den Partner. Mit den ersten Erfolgen sei man zufrieden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.