Neuer sportwissenschaftlicher Master-Studiengang an der Universität Paderborn
Hilft Sport Demenzkranken?

Paderborn (WB). Nebenan trainieren Sportstudenten, während Dr. Kirsten Reinecke in ihrem Büro im SP1-Gebäude den neuen Masterstudiengang »Applied Neurosciences in Sports & Exercise« koordiniert. Dieser ist nach drei Jahren Planung im laufenden Wintersemester an der Uni Paderborn gestartet.

Donnerstag, 02.11.2017, 09:22 Uhr aktualisiert: 03.11.2017, 11:50 Uhr
Prof. Dr. Claus Reinsberger und Dr. Kirsten Reinecke untersuchen die Wirkung von Sport bei neurologischen Erkrankungen. Jetzt holen sie mit dem neuen Masterstudiengang »Applied Neurosciences in Sports & Exercise« auch Studierende ins Boot. Foto: Jörn Hannemann

»Momentan sind zwölf Studierende eingeschrieben, einige davon aus den USA und aus Indien. Das ist für uns ein toller Start«, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin vom sportmedizinischen Institut. Das Vollzeit-Studium ist international angelegt. Seminarsprache ist Englisch – verspätete Einschreibungen aufgrund von Visumproblemen sind möglich. Flexibilität ist Voraussetzung für die angestrebte Internationalisierung der Universität.

Je sportlicher, desto weniger gefährdet

Forscherkarriere als Ziel

Der breit angelegte Master ist für studierte Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Gesundheitswissenschaftler und Mediziner geöffnet. In vier Semestern werden Grundlagen der Neuro- und Trainingswissenschaften und Methoden wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt. In Projekten erarbeiten die Studierenden ein Thema selbst und forschen experimentell oder konzeptionell. Ein vierwöchiges Praktikum bietet die Chance, langfristig mit Patienten oder Sportlern zu arbeiten oder ein eigenes Forschungsprojekt durchzuführen.

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Es ist ein wissenschaftsorientierter Studiengang, der eine Forschungskarriere zum Ziel hat. »Doch auch der Praxisbezug und Projektarbeit mit Sportlern und Patienten sind wichtig«, sagt Kirsten Reinecke. Ihr Vorgesetzter, Prof. Dr. Claus Reinsberger, besetzt als Neurologe in der Sportmedizin in Europa eine Nische. Hier wird die Wirkung von Sport auf neurologische Krankheitsbilder bei Demenz-, MS- oder Epilepsiepatienten untersucht.

Es ist bereits erwiesen, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, weniger gefährdet sind, an Demenz zu erkranken. Kirsten Reinecke: »Die Entwicklung spezifischer Programme sind wertvoll für das gesamte Gesundheitssystem. Wir untersuchen die ›Droge‹ von körperlicher Aktivität. Der Sport soll die Medikamente ersetzen.« Außerdem wird die Wirkung von Sportarten durchleuchtet. Prof. Dr. Reinsberger hat dafür unter anderem eine MS- und Epilepsie-Gruppe ins Leben gerufen.

Auch Blick auf Leistungssportler

Doch nicht nur bei bereits erkrankten Patienten setzt der Master-Studiengang an, sondern auch bei Leistungssportlern wird in der Trainingswissenschaft die Rolle des Nervensystems untersucht. Was passiert bei Verletzungen oder Ermüdungserscheinungen? Wie kann damit am besten umgegangen werden?

Ein Beispiel für die Forschungsschwerpunkte der Paderborner Sportmedizin ist die »Concussion«, die leichteste Form einer Gehirnerschütterung, die auch Fußballer Christoph Kramer im WM-Finale 2014 erlitt. Das sportmedizinische Institut unterhält Kooperationen mit mehreren Unis, unter anderem in Norwegen, Japan oder Südafrika.

SCP und Uni Baskets als Partner

Ebenso wird im Profisport Leistungsdiagnostik und zielgerichtete Trainingssteuerung betrieben. Namhafte Partner sind beispielsweise der Hamburger SV, Hertha BSC Berlin und die heimischen Sportvereine wie die Paderborn Uni Baskets, der TBV Lemgo oder der SC Paderborn. »Dort können die Studierenden dann hospitieren und ihre theoretischen Erkenntnisse in der Praxis ausprobieren«, sagt Reinecke.

»Mit dem Abschluss Master of Science bieten sich den Studierenden vielfältige Perspektiven.« Die Forschung sei neu und innovativ sowie international aufgestellt, Konzepte in der Sport- und Bewegungstherapie böten eine zielgerichtete Spezialisierung und in der Betreuung und Leistungsoptimierung im Profisport eröffneten sich weitere Möglichkeiten.

»Es geht vor allem darum, eine Lücke zu suchen und zu erschließen. Die Studierenden sollen selbst aktiv werden«, beschreibt Kirsten Reinecke die Herausforderung und Attraktivität von »Applied Neuroscience in Sports & Exercise«.

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