Jugendkammer verurteilt armenische Brüder nach Bluttat am Finanzamt Haftstrafe für lebensgefährlichen Messerstich

Paderborn (WB). Nach einer Messerstecherei am Abend des 24. Februar in der Nähe des Paderborner Finanzamtes hat die Jugendkammer des Landgerichts Paderborn zwei armenische Brüder verurteilt. Beide erhielten Haftstrafen, einer von ihnen muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, während der andere eine Bewährungsstrafe erhielt (ein Jahr und zehn Monate).

Nach einer Bluttat am Paderborner Finanzamt hat das Landgericht Paderborn nun zwei Brüder verurteilt.
Nach einer Bluttat am Paderborner Finanzamt hat das Landgericht Paderborn nun zwei Brüder verurteilt. Foto: Jörn Hannemann

Die ursprünglichen Vorwürfe des versuchten Totschlags hatten sich in dem viertägigen Prozess nicht bewahrheitet. Die beiden armenischen Brüder waren mit einer Gruppe um zwei syrische Brüder zusammengetroffen. Der 18-jährige Angeklagte war zuvor am Westerntor mit dem 19-jährgen Syrer aneinander geraten. Am Ende lagen der 19-jährige Syrer und sein 23 Jahre alter Bruder mit Stichverletzungen vor dem Finanzamt. Der Jüngere konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Für die Jugendkammer war klar, dass die beiden Angeklagten ihre Kontrahenten verletzt hatten: der Ältere den 19-Jährigen durch einen Stich mit seinem Taschenmesser, der Jüngere den älteren Syrer mit der scharfkantigen Spitze einer unbeabsichtigt zerbrochenen Plastikhantel. Einen Tötungsvorsatz sahen die Richter nicht, wohl aber die vollendete gefährliche Körperverletzung.

Staatsanwalt Frank Stegen plädierte auf zweieinhalb Jahre Haft für den 20-Jährigen und zwei Jahre und zehn Monate für seinen Bruder. Der Verteidiger des 18-Jährigen, Jan-Christian Hochmann, forderte Freispruch. Die von Dr. Holger Rostek für den 20-Jährigen beantragte Bewährungsstrafe wollte das Gericht jedoch nicht aussprechen: »Er hat das Messer gezogen um klarzustellen, wer hier das Sagen hat«, betonte Richterin Margret Manthey – der Stich habe zu einer konkret lebensgefährlichen Verletzung geführt, unter deren Folgen der 19-Jährige noch immer leide. Den beiden Opfern sprach das Gericht zudem Schmerzensgeld in Höhe von 15.000 bzw. 3500 Euro zu.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.