Grabungsteam stößt an einer Windkraftanlage bei Benhausen auf Verhüttungsöfen 1000 Jahre altes Gewerbegebiet entdeckt

Paderborn (WB/per). Dass man den Wind, der über die Paderborner Hochebene pfeift, wirtschaftlich nutzen und zu Geld machen kann, dass wussten bereits die Menschen im Mittelalter. Archäologische Funde bei Benhausen zeugen von einer Handwerkersiedlung – ein Gewerbegebiet aus dem 9. bis 11. Jahrhundert. Ein Grabungsteam ist derzeit vor Ort.

Grabungsleiter Thies Evers hält Tonscherben, die von Kochtöpfen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert stammen, in die Kamera. Im Hintergrund legen Helfer vom In-Via-Bildungswerk Fundstellen auf dem Grabungsfeld frei.
Grabungsleiter Thies Evers hält Tonscherben, die von Kochtöpfen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert stammen, in die Kamera. Im Hintergrund legen Helfer vom In-Via-Bildungswerk Fundstellen auf dem Grabungsfeld frei. Foto: Besim Mazhiqi

Entdeckt wurden die Spuren der Siedlung im Zuge des Baus einer Windkraftanlage. Sofort war die Neugier von Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai geweckt: »Wir wussten, dass es in diesem Bereich Wüstungen gegeben hat, sind jetzt aber erstmals auf eine Handwerkssiedlung mit Verhüttungsöfen gestoßen.«

Im Dezember und jetzt noch einmal die vergangenen drei Wochen machte sich ein Grabungsteam unter Leitung von Thies Evers ans Werk, weitere Belege für die Handwerkersiedlung freizulegen und zu dokumentieren. »Wir haben auf einem Gebiet von etwa 3000 Quadratmeter Größe etwa 20 Verhüttungsöfen und mehrere Grubenhäuser entdeckt«, sagt Evers. Letztere dienten als Werk- und Schlafstätten.

Karge Hochebene muss vor 1000 Jahren dicht bewaldet gewesen sein

Der Grabungsexperte vermutet, dass es gerade die exponierte Lage ausschlaggebend war, dass sich die Handwerker gerade hier und nicht etwa im Bereich einer Wasserquelle ansiedelten: »Bei der Eisenverhüttung wird zur Schmelze eine Temperatur von mehr als 1700 Grad benötigt. Dies erreicht man durch eine stete Luftzufuhr. Und wenn eine steter Wind weht, geht das quasi von selbst.« Auch vermutet Evers, dass einst auf der mittlerweile ziemlich kargen Paderborner Hochebene reichlich Wald gewesen sein muss, denn man brauche für die Herstellung eines Teils Eisen etwa 30 Teile Holzkohle. »Da liegt es nahe, dass man das Eisenerz zum Holz gebracht hat und nicht umgekehrt.«

Neben den Überbleibseln der Grubenhäuser und Verhüttungsöfen stieß das Grabungsteam auch auf Tonscherben, die von Kochgeschirr stammen, genietete Messergriffe und Reste von Zaumzeug für Pferde. Sämtliche Funde wurden dokumentiert, fotografiert und wenn möglich auch archiviert.

Stadtarchäologin möchte Grabungen ausweiten

Paderborns Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai ist überzeugt, dass es lohnenswert wäre, die Grabungen in diesem Gebiet auszuweiten. Doch dafür müssten erst einmal Gelder zusammengetragen werden, betont sie. Wurden die ersten Grabungen im Bereich des Windrades noch – wie gesetzlich geregelt – vom Investor der Anlage bezahlt, gingen die weitergehenden Untersuchungen zu Lasten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. So müssen die Grabungen auch in dieser Woche abgeschlossen werden, weil die Flächen landwirtschaftlich genutzt werden.

Sveva Gai bezeichnet die Stadt Paderborn als archäologisch »überaus interessant«. Baustellen legten immer wieder Exponate und Fragmente frei, die von historischer Bedeutung seien. Allerdings ist sie dabei auch auf die Hilfe der jeweiligen Bauherren angewiesen. »Leider werden solche Funde nicht oft gemeldet«, sagt Gai – vermutlich, weil damit Baustopps und Bauverzögerungen einhergehen können. Deswegen schickt die Stadtarchäologin bei größeren Baumaßnahmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter los, die einen Blick in die Baugruben werfen und Alarm schlagen, wenn es Hinweise auf archäologisch Bedeutsames gibt – so geschehen auch bei der Errichtung der Windkraftanlage abseits der B 64.

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