Schwimmer André Wiersig aus Paderborn trainiert schon für den nächsten Kanal Jetzt geht es nach Japan

Paderborn (WB). Nach dem Santa Catalina Channel ist vor der Tsugaru-Straße: Nachdem André Wiersig bereits vier Meerengen erfolgreich durchquert hat, will er die Oceans Seven schaffen. Nächstes Jahr geht es für den 45-jährigen Paderborner nach Japan. »Da kann ich mir eine Trainingspause gar nicht leisten«, sagt er.

Von Maike Stahl
André Wiersig kraulte im Santa Catalina Channel auch durch die Fahrrinne der Containerschiffe vor der Küste von Los Angeles.  Etwa 39 Kilometer musste der 45-Jährige durch den Pazifik kraulen, um am 35 Kilometer entfernten Ufer anzukommen.
André Wiersig kraulte im Santa Catalina Channel auch durch die Fahrrinne der Containerschiffe vor der Küste von Los Angeles. Etwa 39 Kilometer musste der 45-Jährige durch den Pazifik kraulen, um am 35 Kilometer entfernten Ufer anzukommen.

Verdient hätte er sie sich allerdings schon.  Schließlich hat André Wiersig vor zwei Wochen mit dem 35 Kilometer breiten Santa Catalina Channel gerade erst Kanal Nummer vier durchquert .

9:48 Stunden im Wasser

9:48 Stunden war er im Wasser, 39 Kilometer hat er strömungsbedingt zurückgelegt. »Ich war echt gut drauf, bin ein ganz konstantes Tempo geschwommen und konnte zum Schluss sogar noch zulegen«, erzählt er.

Dabei war es gleich zu Beginn schon ziemlich aufregend für Wiersig, der den Richtlinien der Channel Swimming Association entsprechend nur in Badehose und mit Schwimmbrille an den Start gegangen ist. »Ich musste kurz vor Mitternacht vom Boot erst zum Strand von Santa Catalina schwimmen, um dort offiziell zu starten«, erzählt er.

Fliegende Fische und Seelöwen

Die Scheinwerfer des Begleitbootes haben allerdings fliegende Fische angelockt. »Diese wiederum wurden von Seelöwen gejagt. Das war eine irre Szenerie, in die ich da hineinspringen sollte.« Die blitzschnellen und wendigen Seelöwen hätte er noch eine ganze Weile beim Schwimmen unter sich beobachten können. »Das war ein mulmiges Gefühl«, räumt Wiersig ein.

In Los Angeles traf André Wiersig auch Steven Munatones, den Erfinder der Oceans Seven, der in den USA eine Legende ist.

Mulmig zumute wurde ihm auch, als ihn Stunden später nur noch wenige 100 Meter vom Ufer bei Los Angeles trennten. »Die beiden Beobachter der Channel Swimming Association hatten mir vorher erläutert, dass das Unternehmen bei Hai-Kontakt sofort abgebrochen wird. Wo ich angekommen bin, wäre es wegen der hohen Wellen und der felsigen Küste aber zu gefährlich gewesen, ans Ufer zu schwimmen.«

Stattdessen musste er noch einen knappen Kilometer parallel zum Ufer zurücklegen, bis er an Land durfte. »In dieser Zeit, so kurz vorm Ziel, habe ich nur gedacht: Wie schrecklich, wenn jetzt ein Hai aus dem trüben Wasser auftaucht, und ich abbrechen muss.«

Kein Hai-Alarm vor Los Angeles

Doch zum Glück hielten sich die Haie fern. Ein Glückfall wie Wiersig von den Life Guards erfahren hat, die einmal jährlich einen Kilometer im Meer schwimmen müssen, um ihre Rettungsschwimmerlizenz zu behalten. »Das sei für sie wegen der Haie ein Horrortermin«, haben sie ihm berichtet.

Getroffen hat André Wiersig in Los Angeles auch Steven Munatones, der die Oceans Seven »erfunden« hat. »Er selbst hat zwar nicht alle sieben Kanäle bewältigt, ist aber schon zweimal durch die Tsugaru-Straße geschwommen«, berichtet Wiersig. »Das war natürlich sehr hilfreich für mich.«

Denn seine nächste Herausforderung sei zwar »nur« 20 Kilometer breit, durch extreme Strömungen und Strudel aber sehr schwer zu schwimmen. »Das haben erst etwa 20 Leute geschafft, da waren die Erfahrungen von Steven sehr hilfreich für mich.«

2019 steht dann noch die 26 Kilometer breite Cook-Straße zwischen der Nord- und der Südinsel Neuseelands auf Wiersigs Plan. Und Gibraltar? »Das mache ich mal zwischendurch«, schätzt er die 14 Kilometer zwischen Spanien und Marokko als vergleichsweise »leicht« ein.

Die rote Stecknadel markiert die Tsugaru-Straße – eine Meerenge zwischen den Inseln Honshu und Hokkaido im Norden Japans. Foto: Screenshot Google Maps

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