André Wiersig (45) startet zu seiner vierten Kanaldurchquerung Allein unter Haien

Paderborn (WB). Ein Buckelwal, der an der Küste von Dana Point bei Los Angeles verendet ist, bereitet dem Paderborner Kanalschwimmer André Wiersig gerade Unbehagen. Denn der Kadaver wurde in den Santa Catalina-Channel geschleppt, den der 45-Jährige am 20. Juli nur mit Badehose und Schwimmbrille bekleidet durchqueren möchte.

Von Maike Stahl
Wasser, so weit das Auge reicht: Begleitet wird Extremschwimmer André Wiersig von seinem Schwager Jürgen Peters. Der hat bei der Vorbereitung auf Ibiza extra einen Seekajakkursus für das Abenteuer Santa Catalina-Channel absolviert.
Wasser, so weit das Auge reicht: Begleitet wird Extremschwimmer André Wiersig von seinem Schwager Jürgen Peters. Der hat bei der Vorbereitung auf Ibiza extra einen Seekajakkursus für das Abenteuer Santa Catalina-Channel absolviert. Foto: Paderborner Sport News

Mit der Seekarte ist André Wiersig bereits bestens vertraut. Foto: Stahl

»Dadurch werden natürlich ­Haie angelockt«, befürchtet Wiersig. Andererseits ist er mit den Gefahren und Widrigkeiten im offenen Meer vertraut, denn der 35 Kilometer breite Kanal zwischen der Insel Santa Catalina und Los Angeles ist bereits die vierte Herausforderung dieser Art für den Schwimmer, der in der Szene bereits einen Namen hat.

Sein Ziel ist es, die »Oceans Seven« zu meistern. Er wäre dann der erste Deutsche, der diese Extremherausforderung bewältigt hat.

Doch so weit denkt Wiersig jetzt nicht. Zunächst gilt es, die 35 Kilometer des Santa Catalina-Channels zu bewältigen. »Das wird hart genug«, weiß der Schwimmer, der heute nach Los Angeles geflogen ist. In der Nacht auf den 20. Juli soll das vierte Kanalabenteuer des Paderborners um Mitternacht starten.

Begleitet wird er, wie schon beim Ärmel-Kanal, Kaiwi-Kanal und North Channel, von seinem Schwager Jürgen Peters, der ihn vom Begleitkanu aus mit Nahrung versorgen wird.

Oceans Seven

Der Ire Stephen Redmond war 2012 der erste Schwimmer, der alle sieben Herausforderungen meisterte. Dazu zählen die Cookstraße zwischen der Süd- und Nordinsel Neuseelands (26 km), der Nordkanal zwischen Irland und Schottland (34 km), die Straße von Gibraltar zwischen Marokko und Spanien (14 km), der Kaiwi Kanal zwischen den Inseln Molokai und Oahu, Hawaii (44 km), die Tsugaru-Straße zwischen den Inseln Honshu und Hokkaido, Japan (20 km), der Ärmelkanal zwischen England und Frankreich (34 km) und der Santa Catalina Kanal.

9 bis 13 Stunden Schwimmen

Wiersig rechnet damit, dass er aufgrund der Strömung 45 bis 50 Kilometer auf dem Meer zurücklegen muss, bis er am Huntington Beach an Land gehen kann. »Ich plane mit 9 bis 13 Stunden Schwimmen. Dann muss ich aber auch ankommen, weil sich nachmittags mehr Haie in Küstennähe tummeln.«

Beim North Channel zwischen Irland und Schottland, den er im vergangenen Jahr als erster Deutscher meisterte, kämpfte er 18 Stunden gegen Strömung, Quallen und kaltes Wasser. »Die Gewissheit, es bereits dreimal geschafft zu haben, gibt mir Sicherheit«, sagt er. Nichtsdestotrotz sei er sich bewusst, wie groß die Herausforderung ist, die er im Pazifik meistern muss.

Angst hat er nicht

»Das fängt direkt mit den Algenwäldern vor der Küste von Santa Catalina an. In tiefster Nacht schutzlos da durch zu schwimmen, verursacht extremen Stress.« Deshalb hat sich der Familienvater nicht nur sportlich, sondern auch mental gewissenhaft vorbereitet.

Bleibt die Frage: Warum tut er sich das überhaupt an? »Mich reizt es, selbstbestimmt die Komfortzone einfach mal zu verlassen. Denn letztendlich ist er der Ozean, der entscheidet, ob ich ankomme«, beschreibt er die Herausforderung.

Angst hat er nicht. »Da ich in Hamburg arbeite und in Paderborn lebe, fahre ich jedes Jahr 50 000 Kilometer. Wenn ich sehe, wie andere am Steuer ihr Handy bedienen, ist das wesentlich riskanter.« Außerdem will er ein Zeichen für den Schutz der Weltmeere setzen. »Wenn du so dicht dran bist, dann siehst du, wie schlecht es um sie bestellt ist«, sagt Wiersig.

Kommentare

Viel Erfolg André ! 4 von 7 !!

Einfach unglaublich der Mann
Ich wünsche ihm den Erfolg !

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