Wirtschaftsinformatiker aus Bielefeld wollen das Backhandwerk revolutionieren Die Brötchen-Prognose

Paderborn (WB). Das hat jeder schon einmal erlebt: Der Kunde kommt am späten Nachmittag in eine Bäckerei und muss feststellen, dass sein Lieblingsbrot oder -brötchen ausverkauft ist. Andererseits sind noch etliche andere Backwaren zu haben, die bis zum Ladenschluss nicht mehr über die Theke gehen werden. Ein pfiffiges Erfinder-Trio hat die Antwort auf dieses Problem.

Von Ingo Schmitz
Die drei Wirtschaftsinformatiker Philipp Bednarek, Christoph Bach und Marcel Hartmann haben ein System erfunden, mit dem Bäckereien genau prognostizieren können, an welchen Tagen wie viele Backwaren benötigt werden.
Die drei Wirtschaftsinformatiker Philipp Bednarek, Christoph Bach und Marcel Hartmann haben ein System erfunden, mit dem Bäckereien genau prognostizieren können, an welchen Tagen wie viele Backwaren benötigt werden. Foto: Jörn Hannemann

»Wir haben eine intelligente vollautomatische Absatzprognose für das Bäckerhandwerk entwickelt«, berichten Philipp Bednarek, Christoph Bach und Marcel Hartmann. Die drei sind allesamt Absolventen der Hochschule Paderborn. Sie tragen den Titel »Master of Science in Wirtschaftsinformatik« und wollen nun das Handwerk, das mit täglich frischen Lebensmitteln umgeht, revolutionieren.

Philipp Bednarek erklärt die Aufgabenstellung, die bereits von vielen Seiten gelobt worden ist. Es gehe darum, die Bestellmengen für die jeweiligen Bäckerei-Filialen möglichst genau zu berechnen. Einerseits sollen so die Retouren reduziert werden – es muss also weniger weggeschmissen werden. Andererseits soll verhindert werden, dass die Filialen bei bestimmten Produkten viel zu früh ausverkauft sind.

Erfinderraum für Start-up-Unternehmen

Dass das System funktioniert, haben bereits die Bäckereien Goeken (Bad Driburg) und Lange (Paderborn) in einem Pilotversuch testen können, berichten die jungen Männer von »Intab Pro«, so der Firmenname. Aktuell laufen noch die Gespräche mit Steuerberatern zwecks Gründung.

Seinen Sitz hat das Trio in der Garage 33, dem neuen Erfinderraum für Start-up-Unternehmen. Derzeit finanzieren sich die Drei über ein Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. »Wir haben dort unsere Idee in Form eines Businessplans vorgelegt und sofort eine Genehmigung erhalten«, ist Christoph Bach stolz. Für ihr Programm haben die Informatiker die täglichen Verkaufszahlen und Retouren der beiden Pilot-Bäckereien über zwei Jahre lang ausgewertet und neu berechnet.

Vom beliebten Paderborner Landbrot bis zum normalen Brötchen

Im Portfolio sind etwa 30 Backartikel – angefangen beim beliebten Paderborner Landbrot, über das normale Brötchen bis hin zum Kassler. Danach wurde das Programm mit weiteren Faktoren gefüttert: Ferien, Feiertage, Stadtfeste und mehr flossen mit in die Berechnungen ein. So ist das Programm nun in der Lage, eine möglichst genaue Stückzahl an Backwaren zu prognostizieren, die je nach Standort der Filiale benötigt wird.

»Bisher werden diese Bestellungen von speziellen Disponenten oder den Filialleitern getätigt. Unser Programm ist eine wesentliche Erleichterung«, versprechen die Erfinder. Die Bäckerei Goeken suche nun nach Möglichkeiten, wie das System optimal integriert werden kann, sagt Philipp Bednarek.

Doch nicht nur Bäckereien sind potentielle Kunden von Intab-Pro. Auch ein deutscher Kassensystem-Hersteller hat nach Angaben der drei Erfinder großes Interesse bekundet. »Wir könnten uns vorstellen, für diese Firma als Dienstleister zu arbeiten. Die Gespräche dazu laufen«, kündigen die Informatiker mit einem zufriedenen Schmunzeln an. Diese Erfinder aus Paderborn müssen wohl keine kleinen Brötchen backen...

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