Große Schäden an den Buchsbaum-Ornamenten Pilz hat Barockgarten befallen

Schloß Neuhaus(WV). Ein fieser Pilz hat die Buchsbaum-Ornamente im Barockgarten von Schloß Neuhaus befallen. Die Grünpflanzen verlieren ihre Blätter und sterben. Einzig eine Neubepflanzung kann noch helfen. Geschätzte Kosten: mindestens 100 000 Euro.

Von Ingo Schmitz
Das Schadensbild, das der Pilz »Volutella buxi« an den Pflanzen hinterlässt, ist dramatisch. Michael Haertl zeigt das Ausmaß. Allerdings sind nicht alle Pflanzen befallen. Einige Buchsbaumköpfe tragen noch immer ihr strahlendes Grün.
Das Schadensbild, das der Pilz »Volutella buxi« an den Pflanzen hinterlässt, ist dramatisch. Michael Haertl zeigt das Ausmaß. Allerdings sind nicht alle Pflanzen befallen. Einige Buchsbaumköpfe tragen noch immer ihr strahlendes Grün. Foto: Jörn Hannemann

»Es ist eine Katastrophe«, stellt Michael Haertl, langjähriger Prokurist der Schlosspark und Lippesee Gesellschaft, fest. Im August geht Haertl in Ruhestand. Dass er nun ausgerechnet zum Ende seiner Berufslaufbahn den Schlosspark mit seinen prägnanten Buchsbaumeinfassungen in einem so desolaten Zustand übergeben muss, bedauert er sehr. »Ich kann es aber nicht ändern«, stellt er fest.

Pilz leistet ganze Arbeit und verbreitet sich rasend schnell

Bei dem Park, der anlässlich der Landesgartenschau 1994 nach englischem Vorbild gestaltet worden ist, handelt es sich um eine Teilrekonstruktion der ursprünglichen Anlage am Wasserschloss aus dem 18. Jahrhundert. Die buchsgefassten Blütenrabatten mit äußerst exakt gepflanzten Ornamenten und Kiesflächen zeichnen wunderschöne Muster auf den Boden des Parks. Doch seit dem Jahr 2015 macht der Buchsbaum Sorgen: Ein Pilz leistet ganze Arbeit und verbreitet sich rasend schnell. Große Teile der insgesamt drei Kilometer langen Buchsbaumhecken, die nur 25 Zentimeter hoch sind, sind inzwischen zu 90 Prozent abgestorben. Die todbringenden aus China stammenden Pilzsporen haben sich überall niedergelassen. Die Pflanzen, die inzwischen rund 27 Jahre alt sind, haben keine Chance. »Es gibt kein Gegenmittel«, bedauert Haertl.

Anlässlich der Schloß Neuhäuser Gartentage »Hedera & Bux« im Jahr 2015 war die Welt hingegen noch in Ordnung, berichtet er. Die Pflanzen leuchteten allesamt kräftig grün. Das beweisen Fotos und Videos aus dieser Zeit. »Wir hatten zwar schon vorher einmal vor dem Schloss Probleme mit dem Buchsbaum. Doch der Barockgarten war bis dahin immer in Ordnung«, berichtet der Prokurist.

Nach den Gartentagen habe es eine lange Phase mit feucht-warmer Witterung gegeben. Danach seien die ersten Schäden aufgetaucht. Die Pilzsporen seien durch den Wind sowie die Schuhe und Kleidung der Menschen auf dem Gelände weiter verbreitet worden. In den Folgejahren wurden die Schäden immer größer. Das komplette Ausmaß ist nun zu sehen.

Algenkalk soll Pflanzen schützen

Erfahrungen mit der Bekämpfung des Pilzes haben Brigitte und Udo Bergschneider aus Paderborn gesammelt, die sich seit Jahren an der Veranstaltung »Offene Gartenpforte« beteiligen. Sie weisen darauf hin, dass die Buchsbaumhecken sofort bei Beginn des Befalls mit Algenkalk bestäubt werden müssten, um die Pflanzen vor dem Pilz zu schützen. Den Erfolg hätten eigene Versuche gezeigt. Doch dafür sei es in Schloß Neuhaus wohl zu spät, meint Haertl.

Wie berichtet, soll die Infrastruktur im Schlosspark verbessert werden: Strom- und Wasserversorgung sowie Entwässerung, Bestuhlung und ein neuer Belag für die Wege liegen im Fokus. Aber auch der Buchsbaum müsste dann entfernt und gegen Pilz-resistente Taxus-Pflanzen ausgetauscht werden. Doch damit allein sei es nicht getan. Auch der Boden müsste dann thermisch behandelt werden, um die Sporen abzutöten. Der Schaden ist immens – auch aus optischen Gründen. Das merkt man spätestens dann, wenn man ein Luftbild betrachtet und sieht, wie exakt die Ornamente gepflanzt sind, betont Haertl. Die Erneuerung dürfte eine große Herausforderung werden.

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