Landgericht Paderborn: 26-Jähriger aus Bergkamen muss wegen Überfall auf Paketfahrer ins Gefängnis Drei Wertsäcke aus Transporter erbeutet

Paderborn (WB). Reinen Tisch machen zahlt sich vor Gericht aus. Sympathien erzeugen auch. Dank seines gewinnenden Auftretens ist ein 26-Jähriger aus Bergkamen mit drei Jahren und drei Monaten Gefängnis vor dem Landgericht davongekommen davon. Er hatte einen Paketboten beraubt.

Von Ulrich Pfaff
Symbolbild.
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So einen Angeklagten sieht man bei Raub-Delikten selten. Adrett in Sakko und Hemd gekleidet, mit modischer Brille und untadeliger Haltung sitzt der 26-Jährige vor dem Landgericht.

Ungeachtet seines Äußeren hat es der Vorwurf in sich: schwerer Raub, begangen im August 2016 als Überfall auf einen Paketkurier. Er hatte mitten in der Nacht den Fahrer eines Transportunternehmens an einem Depot in der Stettiner Straße abgepasst, den Mann in eine Garage gestoßen und das Tor zugezogen.

Kripo tappt zunächst im Dunkeln

Mit dem Peugeot-Transporter kurvte er um zwei Ecken zu seinem etwa 600 Meter weiter abgestellten BMW, lud dort drei verplombte Wertsäcke um und suchte das Weite. Bis zum November tappte die Paderborner Kripo im Dunkeln – sie ermittelte zunächst vor dem Hintergrund eines 2011 in der Nähe des Tatorts erfolgten Überfalls nach ähnlichem Muster, fand aber keinen Täter.

Dass der 26-Jährige letztlich im November in Untersuchungshaft und nun in den Gerichtssaal wanderte, »verdankt« er seinem Mittäter. Denn der 17-Jährige, der seinerzeit Schmiere gestanden hatte, hatte einem Freund ein Handy aus der Beute verkauft.

Komplize lässt Tat auffliegen

Als der Käufer das Mobiltelefon in Betrieb nahm, konnte die Polizei das Gerät orten und den Käufer ermitteln – und so alles zu dem 26-Jährigen in Bergkamen zurückverfolgen. Der legte sofort alle Karten auf den Tisch.

Vor dem Landgericht wiederholte er freimütig sein Geständnis. Er habe aus finanzieller Not gehandelt, sagte der Angeklagte: Er war zum Tatzeitpunkt arbeitslos und hatte Mietschulden. Bis etwa zwei Monate vor der Tat hatte er selbst bei dem Transportunternehmen gearbeitet, allerdings noch in der Probezeit den Job verloren.

»Ich hatte Existenzängste«

Seine Insiderkenntnisse, dass regelmäßig zur Nachtzeit in Paderborn Fahrzeuge umgeladen wurden, in denen sich wertvolle Sendungen in verplombten Säcken befanden, hätten ihn auf die Idee gebracht, dort zuzuschlagen. »Ich wollte mich nicht extrem bereichern«, sagte der 26-Jährige, »aber ich hatte Existenzängste.«

Lediglich drei Säcke hatte er in sein Auto geworfen, bevor er mit seinem Kumpan zurück nach Bergkamen gefahren war. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Paderborner Kriminalbeamten die bei der Tat mitgeführte Schreckschusspistole sowie Reste aus der Beute, darunter Mobiltelefone und Medikamente.

Einen Großteil hatte er über Goldankäufer und Pfandleiher zu Geld gemacht, aber lediglich 2300 Euro erlöst.

Opfer bleibt Verhandlung fern

Dem Gericht ersparte der Angeklagte eine langwierige Beweisaufnahme. Ob der überfallene Fahrer traumatisiert ist, konnte die Strafkammer nicht herausfinden: Der Zeuge blieb einfach der Verhandlung fern und war auch telefonisch nicht zu erreichen.

Verteidiger Torsten Giesecke plädierte auf einen minderschweren Fall, da sich sein Mandant nur geringfügig maskiert habe, auch habe er umfassend zur Aufklärung beigetragen. Zweieinhalb Jahre Haft seien für den bis dahin unbescholtenen 26-Jährigen angemessen.

Das Gericht folgte aber dem Antrag von Staatsanwalt Frank Stegen, der unter anderem wegen der Pistole und der Maskierung drei Jahre und drei Monate Gefängnis forderte – aber generell am unteren Ende des Strafrahmens bleiben wollte, weil der Angeklagte seine Tat nahezu gewaltlos ausgeführt und in der Verhandlung einen positiven Eindruck hinterlassen hatte.

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