Detmold und Düsseldorf fordern regelmäßig Berichte zur Krisen-Kreuzung Gierstor: 73 Unfälle in drei Jahren

Paderborn (WB). Keine Kreuzung in Paderborn ist offenbar so gefährlich wie die am Gierstor nahe der Gymnasien Reismann und Pelizaeus. Binnen drei Jahren haben sich an diesem Verkehrsknotenpunkt 73 Unfälle ereignet, bei denen 23 Menschen schwere und leichte Verletzungen erlitten. Politik und Verwaltung sind ratlos.

Von Karl Pickhardt
Die Kreuzung Gierstor gilt als gefährlicher Verkehrsknotenpunkt. Die Regierung verlangt regelmäßig Berichte.
Die Kreuzung Gierstor gilt als gefährlicher Verkehrsknotenpunkt. Die Regierung verlangt regelmäßig Berichte. Foto: Besim Mazhiqi

In jedem Monat passieren an dieser Kreuzung mindestens zwei Unfälle. Erst am ersten Juni-Montag hat sich ein 16-jähriger Radfahrer in der Giersstraße auf dem Weg zur Schule bei einem Zusammenstoß mit einem Auto schwere Verletzungen zugezogen.

Inzwischen verlangen Landes- und Bezirksregierung von der Stadt Paderborn regelmäßig Berichte über diese Unfall-Kreuzung, sagte Norbert Kaese vom Paderborner Ordnungsamt im Bau- und Planungsausschuss: »Wir haben hier eine langjährige Unfallstelle.«

Nur drei Fahrzeuge schafften das Abbiegen

CDU und FDP rückten im Bau- und Planungsausschuss die Kreuzung am Gierstor in den Fokus und verlangten von der Stadtverwaltung Lösungsvorschläge zur Entschärfung des Krisenpunktes. Auf Linksabbiegerspuren schafften im Berufsverkehr nur drei Fahrzeuge bei sehr kurzer Grünphase an der Ampel das Abbiegen, sagte CDU-Ratsherr Daniel Sieveke.

Das schüre bei Autofahrern Aggressivität und Risikobereitschaft, auch noch bei Rot über die Kreuzung zu fahren und damit neue Gefahren heraufzubeschwören. Sieveke berichtete von haarsträubenden Szenen, wenn ungeduldige Linksabbieger plötzlich nach rechts in die Giersstraße ausscherten und dort wieder rasant wendeten, um dann als Geradeausfahrer die Kreuzung in Richtung Driburger Straße ohne Wartezeit zu überqueren.

Sieveke hegt Zweifel am Verkehrsrechner der Stadt. In Stoßzeiten bildeten sich lange Rückstaus in der Driburger Straße. »Das kann so nicht bleiben, das hat nichts mit flüssigem Verkehr zu tun«, forderten Sieveke und FDP-Ratsherr Sascha Pöppe die Verwaltung zur Überprüfung der Verkehrssituation am Gierstor auf.

Besser als jetzt ginge es nicht

Amtsleiterin Margit Hoischen vom Straßen- und Brückenbauamt ist ratlos: »Eine Optimierung ist nicht möglich«. Besser als jetzt ginge es nicht, meinte auch Norbert Kaese vom Ordnungsamt. Es seien Furten für Radfahrer und Fußgänger verschoben und Radfahrerspuren eingerichtet worden. Veränderungen bei den Linksabbieger-Taktungen könnten wieder Auswirkungen auf die Verkehrslage am Detmolder Tor haben und dort zu Rückstaus führen.

Ein Teufelskreis. Am Gierstor treffen jeden Tag mehrere hundert Schüler und etliche Tausend Autofahrer aufeinander. Zu den von CDU und FDP im Berufsverkehr beklagten Rückstaus am Gierstor sagte Hoischen: »Das war so und das ist so. Das können wir nicht verhindern.«

Eine Lösung zur Krisenkreuzung haben im Bauausschuss weder Verwaltung noch Politik bieten können. Das Thema soll in einer der nächsten Sitzungen nach der Sommerpause erneut auf die Tagesordnung kommen.

Kommentare

Eine Optimierung ist nicht möglich?

Vielleicht sollte sich Frau Hoischen morgens um 7.30 Uhr während der Schulzeit mal selbst auf dem Fahrrad ein Bild davon machen, wie gefährlich es rund um die beiden Gymnasien Pelizaeus und Reismann ist. Meinen 10-jährigen Sohn kann ich jedenfalls nicht ruhigen Gewissens mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen. Schon gar nicht über eine Fahrradspur, die quer über die "gefährlichste Kreuzung Paderborns" führt. Regelmäßig ist zu beobachten, dass die Rotphasen von Autofahrern beim Abbiegen missachtet werden, nochmal schnell Gas gegeben wird, um vor einem Bus auf die Abbiegespur zu gelangen und abgebogen wird häufig, ohne den Blick zur Seite zu riskieren, ob da vielleicht noch ein Radfahrer kommt.. Dieses Phänomen herrscht auch auf der Rückseite der beiden Gymnasien auf der Penzlinger Straße.

Wenn es doch schon Diskussionen über mehr 30er-Zonen gibt, von denen ich sicher nicht im gesamten Innenstadtbereich reden möchte, dann jedoch auf jeden Fall rund um diese beiden Gymnasien! Eine Optimierung soll nicht möglich sein?

Radfahrer meiden Radfahrerspur

Radfahrer meiden die Radfahrerspur, weil sie sich dort nicht sicher fühlen.
Wer kommt, nicht nur an dieser Kreuzung, auf solche Ideen? Auch die Verkehrsführung für Radfahrer am Berliner Ring und auf der Brücke Nordbahnhof/zur Stadtheide geht gar nicht.
Und wenn Radfahrer sich dann "verkehrswidrig" verhalten und den Gehweg benutzen, verschärft das die Situation noch mehr.

Ampelschaltung

Die Radfahrerspur auf der Kreuzung schafft eindeutig Unfallpotential. Das geht gar nicht und ist weder sinnvoll noch sicher, weil parallel an der Fussgängerampel auch zusätzlich noch Radfahrer diese Kreuzung überqueren. Die Ampelschaltung für Linksabbieger in Stoßzeiten ist katastrophal. Vielleicht sollte man hier zusätzlich mal darüber nachdenken, die Geünpriorität für Busse an dieser Kreuzung zu eliminieren. Das schafft zusätzliches Chaos. Entweder bedarfsgerechte Ampelschaltungen für alle oder man müsse eine grundlegend konservative Schaltung prüfen!

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