Neubau in Paderborn oder Kauf eines Schlachthofes in Gelsenkirchen Westfleisch überlegt noch

Münster/Paderborn (dpa/WB/OH/-jst-). Gut vier Monate nach dem  Großbrand im Westfleisch-Schlachthof in Paderborn ist weiterhin offen, ob der Betrieb wieder aufgebaut wird. Da ein Neubau frühestens 2019 fertig werde, gebe es die Option ein Unternehmen in Gelsenkirchen zu übernehmen.

Am 8. Februar zerstörte ein Großbrand den Westfleisch-Schlachthof in Paderborn. Seither ist unklar, ob der Konzern den Standort neu aufbaut – oder eine Alternative vorzieht.
Am 8. Februar zerstörte ein Großbrand den Westfleisch-Schlachthof in Paderborn. Seither ist unklar, ob der Konzern den Standort neu aufbaut – oder eine Alternative vorzieht. Foto: Jörn Hannemann

»Alle Optionen sind denkbar«, sagte Christian Leding, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, am Montag bei der Generalversammlung des genossenschaftlich organisierten Konzerns. Das Kartellamt sei bereits informiert. Eine Entscheidung für Gelsenkirchen bedeute aber nicht automatisch das Aus für Paderborn.

Es würden verschiedene Szenarien für einen Neuaufbau geplant. Die unmittelbar nach dem Brand eingerichtete Viehsammelstelle sei zum zentralen Viehlogistikzentrum für OWL erweitert worden. Damit setze Westfleisch ein Zeichen für die regionale Vermarktung.

Kompensation nur bei Rindern

»Wir haben beim Schwein fehlende Schlachtkapazitäten«, erklärte der Vorstand. Zwar habe Westfleisch die Lücke infolge des Wegfalls der Paderborner Kapazitäten durch Schlachtungen bei dem Partner in Gelsenkirchen auffangen können. Aber nur bei Rinderschlachtungen sei der Ausfall des Werkes ganz kompensiert worden. Pro Woche wurden rund 1300 Rinder und 30.000 Schweine in Paderborn geschlachtet – bis zu dem Großbrand am 8. Februar.

In dessen Folge verloren 400 Leih- und Werkvertragarbeiter sofort ihren Job. Von den einst 157 festangestellten Mitarbeitern des Fleischcenters waren einen Monat später 20 innerhalb des Konzerns gewechselt. Das gleiche gilt für 15 Auszubildende. Ende April war noch die Zukunft von etwas mehr als 100 Beschäftigten unklar. Ihnen droht die Kündigung spätestens 24 Monate nach dem Brand, da dann die Versicherung der Löhne ausläuft.

50 Arbeitsplätze beim Kreis Paderborn

 An der Entscheidung des Unternehmens hängen zudem bis zu 50 Arbeitsplätze beim Kreis Paderborn. Weil Landrat Manfred Müller (CDU) bislang auf einen Wiederaufbau setzt, will er zum jetzigen Zeitpunkt keine betriebsbedingten Kündigungen für Mitarbeiter aussprechen, die in der Fleischkontrolle tätig sind.

Derweil hat Westfleisch im vergangenen Jahr als Deutschlands drittgrößter Fleischproduzent bei den Schlachtungen deutlich zugelegt. Bei den Schweinen gab es mit 7,7 Millionen ein Plus von 2,3 Prozent, bei Rindern mit 378.000 einen Zuwachs von 7,4 Prozent.

Trotzdem sank der Umsatz gegenüber 2014 um 3,9 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Grund sind die anhaltend niedrigen Schweinepreise. Finanzvorstand Carsten Schruck berichtete von einem Vorsteuerverlust von 2,2 Millionen Euro – nach einem Plus von 17,3 Millionen im Vorjahr. Unter dem Strich blieb ein Verlust von rund einer halben Million. Folgen hat dies auch für die Westfleisch-Genossen: Es gibt weder einen Sonderbonus noch eine Dividende. Für das laufende Jahr ließ Schruck indes keinen Zweifel an einem positiven Ergebnis.

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