Tag der offenen Tür: Volkssternwarte wird am Sonntag wiedereröffnet Einmaliger Ausblick

Paderborn (WB). Ein Blick durch das Teleskop ist für Raoul Fiebig durch nichts zu ersetzen. »Man guckt direkt in die Vergangenheit, das ist einmalig.« Deshalb freut sich der Paderborner, dass die Volkssternwarte nach zweieinhalbjähriger Sanierungspause am Sonntag, 1. Mai, wieder öffnet.

Von Maike Stahl
Raoul Fiebig (links) und Dr. Martin Otte, Vorstandskollegen der Volkssternwarte Paderborn, freuen sich, dass sie endlich wieder einen Blick in den Himmel werfen können. Zweieinhalb Jahre lang war das Observatorium auf dem Gymnasium geschlossen.
Raoul Fiebig (links) und Dr. Martin Otte, Vorstandskollegen der Volkssternwarte Paderborn, freuen sich, dass sie endlich wieder einen Blick in den Himmel werfen können. Zweieinhalb Jahre lang war das Observatorium auf dem Gymnasium geschlossen. Foto: Jörn Hannemann

Während das Gymnasium Schloß Neuhaus, auf dessen Dach das Observatorium steht, kernsaniert wurde, konnte der Verein seine Räumlichkeiten nicht nutzen. Die empfindlichen Teleskope wurden demontiert und eingelagert.

Mit einem Tag der offenen Tür stellt die Volkssternwarte am Sonntag, 1. Mai, ihre ebenfalls sanierten und erweiterten Räume vor. Und dann dürfen die Besucher auch endlich wieder einen Blick in den Himmel werfen.

»Wenn wir das Licht eines An­dromeda-Nebels sehen, war es 2,5 Millionen Jahre unterwegs, um das Auge zu erreichen«, erläutert Fiebig. Einen Blick auf den Mond erhaschen die Beobachter mit 1,25 Sekunden Verspätung.

Was auf der Sonne vor sich geht ist nach acht Minuten und 20 Sekunden im Teleskop zu sehen, und ein Bild vom Pluto erreicht den Beobachter nach sechs Stundenberichten Fiebig und Dr. Martin Otte, die gestern zusammen mit anderen Aktiven die Wiedereröffnung vorbereiteten.

»Abgesehen davon, dass wir unsere Teleskope zweieinhalb Jahre lang nicht nutzen konnten, haben uns die Bauarbeiten einige Nerven gekostet«, sagt Otte. Dafür hat der gemeinnützige Verein als Volkssternwarten-Betreiber aber auch neue Möglichkeiten erhalten.

Ausstellungsbereich erweitert

Erweitert wurde der Ausstellungsbereich der Sternwarte mit einer neuen Fotoausstellung, Infobildschirmen zu astronomischen Phänomenen sowie Teleskopen verschiedener Bauart. In der Etage unter der Sternwarte ist ein neuer Vortragsraum entstanden.

Das Herzstück der Volkssternwarte ist und bleibt allerdings das große Observatorium auf dem Dach mit seinen verschiedenen Teleskopen. Das größte von ihnen ist ein Newton-Spiegelteleskop mit einer Öffnung von 350 Millimetern und einer Brennweite von 1600 Millimetern. »Damit könnte man eine Zwei-Euro-Münze in 80 Kilometern Entfernung erkennen«, beschreibt Otte dessen Leistungsfähigkeit.

Bei bedecktem Himmel, der eine Sonnenbeobachtung nicht erlaubt, können die Besucher damit einen ausgesprochen detaillierten Blick auf das Dach des Neuhäuser Schlosses werfen. Dabei stellt das Spiegelteleskop die Welt zwar auf den Kopf, »doch für die Himmelsbeobachtung ist das egal, denn im Weltraum gibt es kein oben und unten«, sagt Fiebig.

Sonnenbeobachtung ist ein Schwerpunkt

Wenn der Himmel klar ist, können die Gäste der Volkssternwarte mit Hilfe hochwertiger Schutzfilter die Sonne beobachten. »Um den Sommeranfang herum, wird es im astronomischen Sinne gar nicht mehr dunkel, deshalb rückt die Beobachtung des Sternenhimmels dann in den Hintergrund«, erläutert Otte.

Die Sonnenbobachtung ist schon seit 1976 im Rahmen des Inter-Sol-Programms ein Schwerpunkt der Volkssternwarte. In Paderborn werden die Beobachtungsergebnisse von 50 Amateur- und Profisternwarten auf allen Kontinenten, mit Ausnahme der Antarktis, erfasst und ausgewertet.

Öffnungszeiten

Am Sonntag haben Besucher von 14 bis 18 Uhr die Möglichkeit, einen Blick auf die Sonne zu werfen. Jeweils um 15, 16 und 17 Uhr liest der Schlänger Schriftsteller Rolf Schönlau aus seinem Buch »Mondreisen – Von Lukian bis Wikitravel«. Der Eintritt ist frei.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.