Paderborner Nepal-Freunde kümmern sich im Erdbebengebiet persönlich um 104 Familien Nach der Sprechstunde wird Spendengeld verteilt

Paderborn (WB). Die Paderborner Nepal-Freunde haben ihr Hilfsprojekt für die Erdbebenregion im Himalayagebiet abgeschlossen. Vor Ort wurden 26.000 Euro Bargeld und 130 Kilogramm Sachspenden an 104 Familien eines Bergdorfs  verteilt.

Von Manfred Stienecke
Der Paderborner Orthopäde Dr. Matthias Porsch, der sonst auch die Spieler des SCP betreut, begutachtet die noch immer nicht ausgeheilten Verletzungen der Dorfbewohner. Bei seinem Besuch im Erdbebengebiet gibt er eine spontane Sprechstunde.
Der Paderborner Orthopäde Dr. Matthias Porsch, der sonst auch die Spieler des SCP betreut, begutachtet die noch immer nicht ausgeheilten Verletzungen der Dorfbewohner. Bei seinem Besuch im Erdbebengebiet gibt er eine spontane Sprechstunde. Foto: privat

»Es war ein hoch emotionaler Moment, als wir in dem Dorf ankamen«, berichtet Dr. Matthias Porsch als einer der Initiatoren des Hilfsprojekts. »Die ganze Dorfgemeinschaft hat uns vor dem Schulgebäude aufgeregt erwartet.« In dem Bergdorf rund 100 Kilometer von Kathmandu entfernt wohnt auch der Sherpa und Bergführer Min Kumar Katri, der die Paderborner Bergsteiger-Freunde schon mehrfach durch das Himalayagebiet begleitet hat.

Zu viert hatten sich die Nepalfreunde aus Paderborn auf die Reise gemacht, um den hohen Geldbetrag und die Sachspenden so verteilen zu können, dass das erlaubte Gewicht des Fluggepäcks nicht überschritten und die pekuniären Einreisebestimmungen eingehalten wurden.

Europäer werden herzlich empfangen

Nachdem die vier Paderborner vom Flughafen in Kathmandu aus mit einem gemieteten Transporter über die immer noch von Erdrutschen gezeichnete Straße in das Bergdorf gelangt waren, wurden die Helfer aus dem fernen Deutschland mit den Glück verheißenden Gebetsschals der Nepalesen förmlich überhäuft. »In dem Dorf sind vor uns noch nie Europäer gewesen«, erzählt Porsch nach der Rückkehr.

Gemeinsam mit Wolfgang Rupsmöller sowie Hubert und Petra Böddeker hat der Paderborner Orthopäde zunächst die mitgebrachten Süßigkeiten, Plüschtiere und Spielsachen an die Kinder verteilt. Anschließend konnten sich die Dorfbewohner an den gespendeten Kleidungsstücken bedienen und sich von dem Paderborner Mediziner untersuchen lassen, bevor es an die Verteilung der Spendensumme ging.

Spendengeld auch für Baumaterialien verwendet

Rund 10.000 Euro der auch mit Hilfe der begleitenden Berichterstattung im WESTFALEN-BLATT zusammen gekommenen 36.000 Euro waren zuvor bereits nach Nepal überwiesen worden, um Ersthilfe in dem vom Erdbeben im April hart getroffenen Bergdorf leisten zu können.

Angeschafft wurden für die Summe vor allem Wellblech-Elemente, aus denen Notunterkünfte für die beginnende Monsunzeit hergerichtet wurden, sowie Rohre für die Wiederherstellung der zerstörten Wasserleitung.

Der Hauptanteil der in Landeswährung umgetauschten Spendensumme aber wurde vor Ort gerecht unter den 104 Familien des Dorfes verteilt. Jede Familie bekam in etwa denselben Betrag. Großzügiger bedacht wurden nur eine Witwe mit ihren drei Kindern, die bei dem Beben ihren Mann verloren hat, sowie zwei Kinder, die durch die Naturkatastrophe zu Vollwaisen wurden.

Große Hilfe für die Familien

»250 Euro pro Person hört sich für uns zunächst bescheiden an«, sagt Matthias Porsch. »Man muss das aber in Relation zu den Lebensverhältnissen dort sehen. Die Leute verdienen umgerechnet vielleicht ein paar Euro am Tag. Und die nepalesische Regierung selbst stellt jeder betroffenen Familie nur 150 Euro zur Verfügung.«

Im November erwarten die Nepal-Freunde ihren Bergführer Min in Paderborn. Sie haben ihn an die Pader eingeladen, damit er den zahlreichen Spendern aus erster Hand von der verheerenden Situation in seinem Heimatland berichten kann.

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